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Gregor Halsmayer

Gregor Halsmayer alias Fazo ist wahrscheinlich einer der fleißigsten Schlagzeuger des Landes, wobei die Bezeichnung Schlagzeuger fast zu wenig einschließt, um diesen Künstler ausreichend zu beschreiben. Neben seinen Trommelkünsten, die er bei Baits und Huge Grant ausübt, produziert er sowohl seine eigene Musik, als auch die anderer Musiker und Musikerinnen. Ansonsten gibt es visuelle Kunst in Form von Bildern, Memes, Videos usw. zu bestaunen. Er hat uns im Interview erzählt, wie er das alles unter einen Hut bringt, ohne dabei vor die Hunde zu gehen und was man von ihm dieses Jahr alles erwarten darf.
Von Adam Zehentner

Was hat dicht dazu bewegt Schlagzeug spielen zu lernen?

Ich habe mit Blockflöte angefangen und bin da unheimlich grantig geworden wegen dem ganzen Noten lernen. Dann war die Frage, nachdem ich aufgehört hatte mit Blockflöte, was ich sonst machen kann. Ich glaube, meine Mutter hat dann Schlagzeug vorgeschlagen. Das war dann der Gewinner, da man am Anfang nicht unbedingt Noten lernen muss. Da war ich acht oder neun Jahre. Ziemlich jung.

Wie hat das Lernen ausgesehen?

Das war eine klassische Musikschule am Land mit silbernem und goldenem Abzeichen und dem ganzen Zeug. Aber ich bin natürlich vor dem silbernen Abzeichen ausgestiegen. Ab dem Zeitpunkt wo es mir zu viel Lernaufwand war, hab ich es gelassen.

Du spielst momentan in zwei verschiedenen Bands, einmal bei Baits und einmal bei Huge Grant. Die sind vom Stil her ziemlich unterschiedlich. Gibt’s da auch bei dir Unterschiede im Ansatz von Schlagzeug-Sound, Equipment oder Spielweise?

Ich spiele bei beiden genau das gleiche Set und wechsle nur die Snare Drum. Und zwar ist es ein Set der Marke SJC Drums. Was die Snares betrifft ist es bei Huge Grant die standardmäßige, coole Joey Jordison Snare Drum. Die beste Allround-Snare die es gibt in meinen Augen. Bei Baits hab ich eine Yamaha Snare Drum. Die ist relativ günstig aber schnalzt dafür sehr cool und kommt einer Ludwig Stahl Snare sehr nahe. Das ist eigentlich das einzige, was ich wirklich ändere. Becken, Sticks, Pedal usw. ist alles das Gleiche.

Wie sehen da die Soundtechnischen Ansätze dahinter aus? Ich vermute mit der Jordison Snare verfolgst du einen fetten Punch?

Ja genau. In letzter Zeit schaue ich, vor allem wenn ich härtere Musik spiele, dass ich die Snare nicht zu knackig mache, weil das oft ein großes Problem ist. Man hat dann diesen Ping-Ping-Sound, der für einen selbst zwar cool klingt, aber im Studio und live nichts transportiert. Auch die Tontechniker können damit meistens nichts anfangen. Das heißt hier achte ich darauf, dass es möglichst tief bleibt. Bei Baits ist es tatsächlich einfach eine standard Rock-Snare, die halt nicht zu viel knallt aber trotzdem eine gute Präsenz hat.

Neben den beiden Bands hast du auch noch deine Soloprojekte. Wie ist das entstanden und was machst du da genau?

Ich hatte schon immer Soloprojekte neben Bands gehabt, die mehr oder weniger erfolgreich waren. Meistens eher weniger (lacht). Mit Deathdeathdeath hab ich das erste Soloprojekt, was ich jetzt schon seit längerer Zeit mache und was mir sehr gefällt und halbwegs funktioniert. Der Grund warum ich das mache ist, dass es cool ist alle Optionen selber in der Had zu halten, um das zu shapen was man machen will.

Kann man sagen, dass Fazo, was ja auch dein Pseudonym ist, wie eine Versuchsplatform für dich ist um neue Sachen auszuprobieren, bei der du dich auch selber nicht so ernst nimmst?

Naja, prinzipiell nehme ich die Kunst, die ich mache, sehr ernst. Ich habe es nur immer schon sehr wichtig gefunden, dass man trennt zwischen dem Privaten und einer Kunstperson. Ich glaube, dass eine Kunstperson zu erstellen sehr vieles sehr viel einfacher macht. Man tut sich manchmal einfacher, wenn man Dinge unter einem Pseudonym macht. Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich zu viel Wrestling geschaut habe (lacht). Ich finde es immer viel spannender, wenn Künstler nicht ihren klaren Namen verwenden. Bei Fazo ist es so, dass ich alles, was mit Kunst zu tun hat, als Fazo mache. Dazu zähle ich natürlich auch das Schlagzeugspielen. Alles, was ich Langweiliges mache, mache ich unter Gregor.

Du kennst also beide Seiten, die des Bandmusikers und die des Solokünstlers. Wie unterscheidet sich der Prozess des Schreibens zwischen diesen zwei Welten?

Bei Baits z.B. ist es so, dass das Meiste von unserer Gitarristin und Sängerin Sonja kommt. Das wird dann natürlich gemeinsam besprochen, bearbeitet, geprobt und dementsprechend verändert, ob jetzt im Studio oder im Proberaum. Dadurch kommen noch andere Einflüsse dazu. Die Grundidee bringt aber meistens Sonja mit. Auf unserem ersten Album, das nach dem Sommer irgendwann erscheinen wird, kann man sich das bewusst machen. Ich finde den Prozess so sehr gut, d.h. wenn das Meiste von einem Song von einer Person kommt. Das ist meiner Meinung nach der bessere Ansatz, als auf irgendeinen Mischmasch zu hoffen, oder zu hoffen, dass sich irgendwelche Ideen zufällig treffen. Wenn irgendwer schon halbwegs einen konkreten Plan hat, wohin ein Lied oder ein Album gehen soll, finde ich das besser

Und wie läuft das bei deinen Soloprojekten ab?

Ich arbeite im LW Sonics Studio in Wien, mit „El Hefe“ Lukas Wiltschko und hier produziere ich meine Sachen oder die Bands in denen ich spiele, aber auch Sachen von anderen Künstlern. Beim Schreiben selbst ist es meistens so, dass ich meine Songs zu Hause auf der Couch am Laptop anfange und sie dann im Studio ausarbeite und verbessere. Manchmal ist das Studio auch total sinnlos und es bleibt bei den Couch-Songs. Es ist eben immer die Frage was der Song braucht. Vom Ablauf her ist es jedoch ganz unterschiedlich. Früher war es so, dass es meistens mit dem Beat begonnen hat und jetzt achte ich eher darauf, dass ich da möglichst keine Reihenfolge habe. Ich achte nur darauf, dass der Beat das Riff unterstützt und das Riff den Beat unterstützt oder irgendwie so. Meistens findet sich das dann im Prozess. Das Schlagzeugspielen an sich, hat, glaube ich, relativ wenig Einfluss auf das wie ich Lieder schreibe. Das einzige aus der Rhythmussektion, was vielleicht großen Einfluss hat, ist das Tempo, also die BPM, mit dem man einen Song plant. Sowas hat man als Schlagzeuger vielleicht ein wenig mehr am Schirm.

Wenn man sich anschaut, was du Genre-technisch so machst, bist du ziemlich breit aufgestellt. Da drängt sich die Frage auf von was du dich inspirieren lässt? Gibt es Idole oder Sachen die dich in eine bestimmte Richtung ziehen?

Idole habe ich, glaube ich, keine. Das habe ich mir irgendwann abgewöhnt aber es gibt auf jeden Fall immer Künstler, die einem gerade sehr taugen. Die zieh‘ ich mir dann auch immer nonstop rein. Das beeinflusst dann ganz sicher auch das, was ich momentan mache. Im Großen und Ganzen ist aber meine musikalische Sozialisation schon ziemlich abgeschlossen. Ich mag halt den Scheiß, den ich mag.

Was sind das für Dinge die du inkludierst in diese Sozialisation?

Für mich ist immer die Energie sehr wichtig. Ob die jetzt super negativ, depressiv, melancholisch oder vielleicht sehr happy ist, spielt gar nicht so eine große Rolle. Es muss jedoch immer eine ganz klare Emotion vorhanden sein. Das ist bei mir sehr kontrastreich, d.h. ich höre und habe immer schon sehr viel härtere Musik gehört und daneben aber auch sehr viel entspannte Musik. Das waren immer schon diese zwei Sachen, die ich machen will. Ich orientiere mich also mehr an Stimmungen, könnte man sagen.

Du bist mit Deathdeathdeath auch viel live unterwegs. Wie sieht da die Herangehensweise aus, legst du auf oder arbeitest du mit Loops? Kurz gesagt wie schaut ein Liveauftritt von dir aus?

Es ist ein Hybrid zwischen Auflegen und Optionen die ich mir offen lasse, um ein Set zu lenken. Ich mache viel mit Kassettenrecorder, Tape-Maschinen, Synthesizer, Midi-Keyboard und eben auch mit dem Laptop. Ich versuche möglichst facettenreich zu sein um mich auch auf das Publikum einstellen zu können. Das ist aber natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich, denn wenn man ein Studioprojekt oder ein Soloprojekt hat und das alleine präsentiert, ist man einfach limitiert. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das in Zukunft auch ein bisschen facettenreicher wird und vielleicht mit echten Drums oder mit einer Band-Besetzung passiert. Das kann ich mir alles gut vorstellen, nur ist es zurzeit einfach noch nicht sinnvoll glaube ich.

In was für Venues finden diese Gigs statt?

Es ist sehr verschieden. Ich hatte schon klassische Clubshows aber auch Shows in alternativeren Venues. Es waren Parties dabei, es waren Aftershows dabei, es waren Warm-Up´s dabei. Prinzipiell glaube ich, dass es jetzt nicht die Party Musik ist, deswegen fühle ich mich immer ganz wohl, wenn es irgendwie abseits eines gewissen Abends passiert, sprich davor oder danach. Das ist auch das Coole daran, dass sich mit dieser Art von Musik, sowohl Performance, als auch Clubshows vereinbaren lassen, wobei es für mich als Instrumentalist immer noch sehr seltsam ist so wenig auf der Bühne zu machen. Zumindest weniger, als wenn ich ein Drumset vor mir stehen habe.

Du hast bereits erwähnt, dass du Produzent bei LW Sonics bist und dort dich und auch andere produzierst. Deshalb zuerst die Frage wen produzierst du alles und in was für einem Ausmaß machst du das?

Ich mache das sicher schon acht bis zehn Jahre aber mich dazu entschlossen das hauptberuflich zu versuchen, habe ich letztes Jahr. Wenn es darum geht, was genau ich mache, dann bin ich schon sehr offen. Der einzige Punkt ist, es muss mir gefallen und wenn ich es höre, muss ich gleich glauben, dass ich verstehe was da passiert. Ich kann keine Musik produzieren, die ich nicht verstehe. Ich habe das schon versucht aber es funktioniert nicht. Wenn die Identifikation damit fehlt, dann kann ich das nicht gut machen. Ich achte auch immer darauf, dass die Musiker oder Musikerinnen ein gewisses Interesse haben, das sich mit meinem deckt.

Was hattest du in der Vergangenheit für Produktionen, die dir persönlich gut gefallen haben? 

Zuletzt habe ich mit Baits das Album produziert und auch ein paar Singles von Tents, die auf Numavi Records sind (wo auch Deathdeathdeath drauf ist). Die werden jetzt in den kommenden Monaten rauskommen. Außerdem habe ich noch ein paar andere Projekte produziert, die noch nicht draußen sind, da kann ich jetzt aber noch nicht zu viel verraten. Das Letzte, was ich abgesehen von den Deathdeathdeath Sachen gemacht habe, war auch eine Tents Single mit dem Titel „Hex“, die auch schnell in die FM4 Charts eingestiegen ist. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Von Baits wird demnächst auch noch eine Single raus kommen. Die wurde übrigens gestern (03.02.2020) in der ORF Sendung „Das Leben ist schön“ vorab schon verwendet.

Du bist, soweit ich weiß, auch abseits von der Musik künstlerisch tätig. Dabei geht es um Illustrationen, Memes, Videos und ähnliches. Wie ist es dazu gekommen und was für ein Stellenwert nimmt das ganze bei dir ein?

Ich habe schon immer auch visuelle Kunst gemacht. Das kommt von dem DIY-Gedanken und dem Wunsch Künstler zu sein. Ich habe mir immer gedacht man muss irgendwie alles können oder es zumindest versuchen. Entstanden ist es aber eben durch diesen DIY-Gedanken oder auch den „ich kann mir nichts anderes leisten“ Gedanken. Das ist dann so autodidaktisch dahin gegangen und ich habe begonnen zu malen, zu illustrieren, Videos zu schneiden etc. Man kann das momentan bei den Deathdeathdeath Videos sehen, was da so rauskommt. Ich hatte auch schon mehrere Vernissagen mit meinen Sachen. Ich verfolge es also schon und ich mache es auch gern und mit Überzeugung. Es ist nur immer die Frage wie viele Sachen kann ich gleichzeitig machen und dementsprechend ist das immer sehr geblockt. Es gibt Phasen wo z.B. eine Vernissage ansteht und ich mich mehr auf visuellen Content konzentriere. Genauso gibt es natürlich dann auch Zeiten, wo wieder mehr Musik angesagt ist. Dann warte ich bis ich dort wieder ausgebrannt bin und gehe wieder zur visuellen Kunst.

An welchen Stellen verbindest du diese zwei Richtungen miteinander?

Ich mache viele Memes bzw. ist Huge Grant ja eine reine Meme-Band (lacht). Und ansonsten versuche ich immer ein wenig Logodesgin oder Artworks für Platten zu machen, sei es für mich oder andere Künstler. Bei Deathdeathdeath ist es tatsächlich Teil des Projekts, dass ich eben auch visuell gesehen immer mitrede und mitentscheide. Lediglich das Musikvideo bzw. die Single mit der Alicia Edelweiß bildet hier eine Ausnahme. Das hat Superchrisi123 gemacht.

Bei so vielen Dingen, die du machst und produzierst, stellt sich die Frage was denn in nächster Zeit konkretes passieren wird. Was hast du 2020 alles vor?

Für dieses Jahr sind auf jeden Fall viele Liveshows mit Baits geplant, da das Album rauskommen wird. Vom Album gibt’s dann natürlich die eine oder andere Singleauskoppelung. Es wird auch eine Tour gegen Ende des Jahres geben, bei der das neue Album präsentiert wird. Von Huge Grant wird auch ein neues Album rauskommen, wobei das bei diesem Projekt wahrscheinlich heißt, dass alle Songs zusammen nur eine viertel Stunde dauern werden. Da wird es dann wahrscheinlich auch ein paar einzelne Auftritte geben. Von Deathdeathdeath wird es noch weitere Singles geben und Ende des Jahres werde ich hoffentlich mein Album dann fertig haben. Ich hoffe, dass das auch noch dieses Jahr rauskommen wird. Es gibt außerdem noch einige Produktionen im Studio und eine Vernissage plane ich auch noch für Ende des Jahres. Das reicht dann auch und ich hoffe, ich sterbe nicht dabei (lacht).

Lieblingsteil: Seine Becken und die DAW

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