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Bulbul »Kodak Dream«

Wer die Wiener Band Bulbul kennt, erwartet mit einem neuen Album das Unerwartete – und das auch völlig zurecht. »Kodak Dream« heißt die neue Veröffentlichung des Trios, auf dem es nach über 20-jährigem Bestehen noch immer nicht seine Experimentierfreudigkeit verloren hat.
von Maximilian Zeller
Bulbul

Mit ihrem bereits achten Album  geht das Trio mit »Kodak Dream« (Veröffentlicht bei Siluh Records) einen Schritt ihrer stetigen Entwicklung weiter. Bei einer Band, die gut und gerne in alle möglichen musikalischen Richtungen ausschlägt und an Experimentierfreude nur schwer zu überbieten ist, ist das aber eigentlich nicht allzu verwunderlich. So wirkt beim ersten Durchhören der Stücke noch einiges ungewohnt – hat man da gerade tatsächlich einen Bulbul Song mit Autotune-Vocals gehört? – während beim nächsten Durchgang schon alles viel mehr Sinn zu ergeben scheint und die einzelnen Bausteine des Albums zusammenfinden. Dabei schafft es die Band, dass die Stücke einerseits sehr eigenständig klingen und sich voneinander abgrenzen. Nacht egal bildet dabei etwa einen Ruhepol des Albums, während beispielsweise Fuckeroni deutlich brachialer und schleppender vor sich hin mäht. Andererseits wirkt »Kodak Dream« aber auch wie aus einem Guss geschaffen, was vor allem am durchgehenden Gesamtsound der Platte liegt. Dieser fällt ziemlich verspielt und etwas synthetisch aus. Nach etwa 20-jähriger gemeinsamer Banderfahrung ist dafür neben Bulbul selbst vermutlich auch Produzent Zebo Adam verantwortlich.

Dieser neue Sound der Band ist bereits auf der im Dezember letzten Jahres veröffentlichten EP »break!« zu hören. Bei dieser zeigt sich zudem der unkonventionelle Arbeitsstil des Trios: Nur wenige Monate vor dem Album-Release bringt die Band eine eigenständige EP in Form einer einseitigen 12’’-Platte auf dem wunderbaren Label „Rock is Hell heraus. Von den vier darauf enthaltenen neuen Stücken ist nur eines auf dem Album »Kodak Dream« enthalten. Die Kreativität der Band spiegelt sich aber nicht nur in ihrer Musik oder ihren Veröffentlichungskonzepten wider, sondern auch in der Namensgebung der Songs. Beispielsweise ist der bereits oben erwähnte Titel Nacht egal phonetisch an das Wort Nachtigall angelehnt, welches auf persisch wiederum „bulbul“ heißt.

Bereits mit dem Titelstück Kodak Dream zieht einen das Album von Beginn an in seinen eigenen Soundkosmos, aus dem man so schnell auch nicht mehr heraus kommt. Nach der kurzen Überleitung Make it Schnella lässt der Song Orlac eher noch tiefer darin eintauchen. Dabei trägt der dahingroovende Rhythmus zunächst den zweistimmigen Gesang, der nach einem Break von der verzerrten Gitarre abgelöst wird, wodurch die Dichte des Songs immer weiter zunimmt. Spätestens mit dem Stück Going erkennt man die Leichtigkeit, mit der die Band verspielte rhythmische und melodische Ideen auf diesem Album umzusetzen weiß. Mit Directions (einem Cover der norwegischen Musikerin Ane Brun) und Motta löst sich die Dichte der vorherigen Songs etwas auf und es wird mehr Platz für verträumte, leicht melancholische Klangflächen eingeräumt. Verweise auf die eigene Bandgeschichte sind schon von früheren Alben der Band bekannt. So endet »Kodak Dream« mit dem Song Fuckeroni, von dem sich eine frühere Version aus 2015 bereits auf der »Bulbul – Hilfreich seit 1996« Box findet.

Zur Zeit kann von Konzerten zwar nur geträumt werden, auf die Live-Umsetzung der Songs von »Kodak Dream« freue ich mich aber trotzdem jetzt schon!

 


Foto: Klaus Pichler

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