Jenny Gitschner

Unsere »Drummerin des Monats« Feber ist Jenny Gitschner. Im Interview hat sie uns verraten, warum sie fast immer mit Metronom übt und was Backstage nie fehlen darf. Außerdem hat sie in der Videosession ihren ersten unveröffentlichten, selbstgeschriebenen und -produzierten Song »Cleithrophobia« für uns live performt.

Von Patrick Tilg

 

Wie und mit welchem Alter hast du das Schlagzeug kennen und lieben gelernt?
Als Kind hatte ich kein Interesse am Schlagzeugspielen. Ich lernte Gitarre. Erst mit ca. 20 Jahren habe ich mich dazu entschieden, regelmäßig und mit einem Lehrer Schlagzeug zu lernen. Rhythmisch Spannendes, wie Tempo- oder Metrumwechsel, gemeinsame Akzente oder ungerade Takte, fand ich immer schon toll. Und dann kam die intrinsische Motivation…

Was war deine schönste/spannendste Erfahrung hinter dem Drumset?
Ich übe sehr viel mit Metronom, was man mit dem Hüpfen von Pfosten zu Pfosten vergleichen kann – lass ich es weg, fehlt die Orientierung. Die Stille zu fühlen/auszuhalten und Pausen auch als Spielen zu sehen, war eine wichtige Erkenntnis für mich im Hinblick auf Präzision & Dynamik (dies gilt auch für den sozialen Kontext ;))
Beim Spielen mit anderen Musiker*innen strebe ich es an, die Musik wahrzunehmen, als wäre ich außenstehende Zuhörerin – kürzlich bei einer Probe hat sich der Klang des Snare-Rims mit dem der perkussiv gespielten Gitarre vermischt, sodass es sich anhörte, als hätte die Snare selbst einen Hall – das war schön!

Welche Bedeutung hat das Schlagzeugspielen für dich?
Aufmerksam im Moment zu sein – es geht weniger um Repetition als um Fokus der spielenden Musiker*innen in einem Moment. Außerdem glaube ich, dass ich zumindest einen Teil meines Selbstwerts an Leistung messe und mir ist die ständige Weiterentwicklung beim Spielen wichtig. Fähigkeiten, die ich dadurch erwerbe, geben mir die Freiheit, mich immer feiner auszudrücken.

Wenn du es dir aussuchen müsstest, spielst du dann lieber Live oder im Studio?
Live – da gibt’s mehr Feedback.

Was sollte bei Konzerten Backstage immer vorhanden sein?
Kleine Brötchen und Wasser ohne Sprudel.

Wie sieht für dich ein perfekter Aufnahmetag im Studio aus?
Stressfrei, effektiv, humorvoll und der/die Techniker*in sagt mir nicht, wann er/sie auf REC drückt.

Welche Drummer*innen haben dich am meisten beeinflusst?
Gavin Harrison, Thomas Pridgen, Jan Haußels.

Könntest du versuchen, deinen Lieblings-Drumsound zu beschreiben?
Knusprig, trockener Beckensound.

 

Bei einem Livevideo vom Musikprojekt Hirngspinster sieht man dich nicht hinter den Drums, sondern an der Gitarre – greifst du also doch hin und wieder zur Gitarre zurück?
Ja, Gitarre habe ich als Kind von meinem Papa gelernt, in der BAKIP weiterentwickelt und darin maturiert. Für mich ist der Zugang zum Gitarrespielen ein anderer – weniger verkopft. Durch das Schlagzeugspielen konnte ich mein rhythmisches Verständnis (kombiniert mit den bereits gelernten Zupftechniken) intuitiv anwenden, ohne es zusätzlich extra üben zu müssen.

In welchem/n Genre(s) fühlst du dich am meisten zuhause?
Swing, Rock, Blues

Was hörst du denn zurzeit privat für Musik?
Zurzeit höre ich viel Leonard Cohen, Sophie Hunger, Alex Abert, Gogo Penguin und Tom Waits.

Streamst du deine Musik oder legst du lieber eine gute Platte auf?
Ich lege keine schlechten Platten auf, aber streamen tu ich öfter.

Wieder zurück zum Musik machen: In welchen Musikprojekten spielst du aktuell?
Ich spiele zurzeit mit Thirsty Eyes, Hirngspinster, Kong Fusion (seit Kurzem) und ich habe ein Solo-Projekt, das ich in der Videosession vorgestellt habe.

Dann lass uns da mal reinhören:

 

Erzähle uns etwas über den Track, den du in der beatboxx performt hast!
Das Stück, das ich in der Videosession spiele, heißt »Cleithrophobia«, also die Angst, eingesperrt zu sein. Alle Instrumente wurden von mir komponiert, eingespielt und (noch nicht fertig) gemischt.

Was steht bei dir in diesem Jahr noch an?
Mit Thirsty Eyes ist ein Single-Release und ab Mai eine Deutschland/Österreich/Schweiz-Tour geplant. Mit Hirngspinster und Kong Fusion stehen einzelne Konzerte in Österreich und Bayern an und die erste Single von meinem Soloprojekt wird in den nächsten Wochen released.

Und zum Schluss: Wie trinkst du deinen Kaffee?
In der Früh in einer kleinen Tasse schwarz. Am Nachmittag mit einem Schuss Hafermilch.

 


LINKS:

Hirngspinster – Insta

Thirsty Eyes – Insta

Kong Fusion – Insta

Foto: Alex Koller