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Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Mike Tscholl

Nach Einblicken in die Abläufe und Aussichten eines Clubbetreibers, werfen wir diesmal einen genaueren Blick darauf, wie es Mike Tscholl in diesen Tätigkeitsbereich gezogen hat und welche Voraussetzungen man dafür seiner Meinung nach mitbringen sollte.

 

Schon lange bevor das Loft am Wiener Gürtel das Licht der Welt erblickt hat, war Mike Tscholl am Koordinieren und Planen von Veranstaltungen. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er bereits in verschiedensten Bereichen organisatorisch tätig. Bereits damals war ihm klar, dass er sich auch in Zukunft dieser Arbeit widmen will.

„Ich habe damals schon ein relativ großes Event im Hafen Innsbruck mit über 900 Leuten mitorganisiert. Der Zuständige vom nächsten Event hat dann gemeint, er bräuchte jemanden für die Organisation der Alp Challenge in Motocross/BMX/Skateboard. Da waren Sportler dabei, die man aus Computerspielen kennt – wie Bob Burnquist, Mat Hoffman und diese ganzen Legenden. Gespielt haben Tommy Lee und Fettes Brot, das war alles sehr lustig und mein Start in dieses Tätigkeitsfeld. Da habe ich aber schon gewusst, dass es das ist, was mich auf Dauer interessiert.“

So hat Mike in weiterer Folge etwa auch das Heidenspaßfestival im niederösterreichischen Nitzing organisiert, bei dem sich vorwiegend heimische Acts aus dem Bereich Punk, Ska, Rock n‘ Roll und Hardcore die Ehre gaben.

Über die Jahre als Veranstalteter und Clubbetreiber konnte er vor allem einen Generationenwechsel in puncto Musikgeschmack feststellen. „Wie wir mit dem Loft angefangen haben, sind natürlich viele Leute zu uns gekommen, die wir persönlich gekannt haben und die dementsprechend vor allem in Richtung Alternative, Punk oder Ska unterwegs waren. Irgendwann ist diese Generation halt rausgewachsen aus dem Ganzen und nicht mehr so viel weggegangen. Dann ist eine neue Generation gekommen, die andere Musik gehört hat – vor allem Elektro ist populärer geworden. Es ist sehr spannend zu erleben, wie sich das mit der Zeit ändert. Wobei 90er und 2000er-Events nach wie vor immer gehen.“

Er selbst habe schließlich auch schon verschiedene Musikphasen durchlebt. „In meinen jungen Jahren habe ich auch viel HipHop gehört, vor allem in meinen Skater-Zeiten in Innsbruck. Später dann eben viel Punk, Ska, Rock’n’Roll und Hardcore.“

Nach besagten jungen Jahren zog es Mike schließlich 2001 nach Wien, wo er sich in einigen Bereichen versucht hat, bevor er sich 2006 in die Selbstständigkeit wagte. „Ich habe auch elf Monate lang in einer Werbeagentur gearbeitet, aber ziemlich schnell gemerkt, dass das ganze System dort nix für mich ist.“ Es folgten Tätigkeiten im Veranstaltungs- Sampling- und Promotionbereich, ehe irgendwann das Loft seine ganze Hingabe beanspruchte. „Das ist natürlich ein Fulltimejob, wenn du einen Club betreibst. Wir haben ja auch alles selbst gemacht und gebaut, nur über Eigenmittel.“

Ein Fulltimejob ohne konkreten Arbeitsalltag allerdings, denn fixe Zeiten gibt es für Mike – bis auf die montäglichen Getränkebestellungen – kaum. „Im Grunde schreibe ich einen Haufen Emails und führe einen Haufen Telefonate, neben Booking und Besprechungen. Daraus besteht die Organisation hauptsächlich, wobei dann immer irgendwelche Sachen dazukommen, die man nicht geplant hat.“

Um eine Location zu betreiben, brauche es vor allem Praxiserfahrung, ist sich Mike sicher. Man müsse bereits in diesem Bereich gearbeitet haben, sonst sei es nahezu unmöglich. Natürlich komme es auch darauf an, wie groß die Location ist. „Wenn es groß ist, brauchst du ein Team, bei dem jeder seinen Bereich hat und wo die Zuständigkeiten klar verteilt sind, sonst gibt’s da schnell einmal Reibereien. Aber vor allem musst du es gerne tun, sonst macht es wenig Sinn. Wenn du es nur tust, um groß Kohle zu machen, bist du damit an der falschen Stelle, weil nur mit Clubs oder Bars wird man nicht reich. Außer wenn du eine bestimmte Gruppe ansprichst und Sektflaschen um zehntausend Euro verkaufst oder so. Aber in einem normalen Betrieb kenne ich keinen, der davon reich geworden ist. Es haben aber die meisten einen guten Job damit, von dem sie leben können – wenn es hinhaut. Und wenn es nicht hinhaut, macht man eh irgendwann zu.“

 

 

Interview: Moritz Nowak

Fotos: Mila Zytka

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