Der Senkrechtstart des Raumfahrers: Thomas Petritsch alias Effi

Als Astronaut startete der Grazer Thomas Petritsch mit dem gleichnamigen Debütalbum vor zwei Jahren in den unwägbaren Raum zwischen Himmel und Hölle. Jetzt endlich meldet Effi sich bei der wartenden Fanbase durch die Veröffentlichung des Nachfolgers Closer zurück. Ab 8. März ist das gute Stück bei uns im Handel. Von Martin Macho

So ein Senkrechtstart hat einiges zu bieten. Nach geglücktem Lift-Off im Jahr 2011 traf Effi auf jubilierende Kritikerchöre, auf verstärktes Independentradio-Airplay und auf erfolgreiche (Support-)Tourneen im In- und Ausland. Nicht zu vergessen die Kollaboration mit Regisseur Andreas Prochaska für den Soundtrack zu dessen Kinorenner „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“.

Musikalischen Schwellenängsten gegenüber ist der 27-jährige immun. Den zwänglerischen Kategorisierungsversuchen aller hauptberuflichen Stilfetischisten entwischt er so spielerisch. Das durchaus wörtlich. Der Werkzeugkoffer Effis ist nur mit Lastkran zu hieven, beinhaltet er doch immerhin Gitarre, Ukulele, Bass, Klavier, Keyboards, Drums und Mundharmonika. Obenauf liegt dann noch sein Laptop. Die Single Muzik vom neuen Werk zeigt auf, worum es letzten Endes immer nur geht. Ein Allrounder, der handwerklich aus dem Vollen schöpfen kann, ist Effi; ein neugieriger und beflissener Selbstgeschulter, der an den lässigen Selbstläufer nicht recht glauben mag; ein Schwereloser dennoch, der sich mit Closer näher zur künstlerischen Vollendung hintreiben lässt. Trotzdem noch Zeit für ein kurzes Interview, Astronaut Thomas? Oder, um mit David Bowie zu sprechen: “Can you hear me, Major Tom?“

Wie würdest du Closer musikalisch und inhaltlich charakterisieren?
Es ist auf alle Fälle ein sehr breit gefächertes Werk mit vielen Einflüssen geworden. Da kommen Elemente des Blues, der Klassik oder des Indie vor. Wie der Name vermuten lässt, ist Closer eine Annäherung, eine Annäherung an die Perfektion. Jeder Künstler will ja jedes nächste Album noch besser als das vorherige machen. Somit ist Closer einen Schritt weiter und näher. Daher letztlich auch der Albumname .

Wie unterscheidet sich die neue CD vom Vorgänger Astronaut?
Closer ist mit Sicherheit eine Weiterentwicklung, obwohl einige Elemente sehr ähnlich sind. Das Ganze ist durchaus reifer geworden. Das hängt natürlich auch mit dem persönlichen Älterwerden zusammen. Produktionstechnisch hat sich auch was verändert. Wir haben uns hier sicher mehr Gedanken über die Produktion und die Soundästhetik gemacht. Im Großen und Ganzen klingt Closer erwachsener, denk ich.

Hat es so etwas wie ein übergeordnetes Leitthema, ein Konzept gegeben?
Ja, das Grundthema war die allgemeine Konzeptlosigkeit. Ich mag es persönlich nicht so gern, wenn ich mir ein Thema vorgebe, und mich damit quasi selbst einschränke. Ohne Vorgabe war ich eigentlich recht frei, auch in den Musikrichtungen. Die große Kunst war es natürlich, das alles zu verbinden, und einen roten Faden zu finden. Das Konzept ergibt sich bei meiner Arbeitsweise immer im Prozess. Das dauert halt dann eben je nachdem über ein halbes Jahr oder Jahr, oder vielleicht auch nur drei Monate. Jedenfalls ist für mich der Konzeptbegriff im Entstehungsprozess drinnen.

Stimmt es, dass Closer auch mehr Ensembleprojekt mit Band ist?
Ist richtig. Es sind mehr Parts von anderen Musikern eingespielt worden und weniger dieses „ganz allein“.

Ist Effi mittlerweile ganz generell eher zum Bandprojekt geworden?
Live haben wir eigentlich schon früh angefangen als Band zu spielen, und die Songs umzusetzen. Was die Produktion betrifft, ist es so wie beim ersten Album gewesen. Alle Lieder sind aus meiner Feder, und produktionstechnisch war von mir schon das meiste vorgedacht. Mit dem Produzenten, Alexander Nefzger, habe ich um einiges intensiver als beim ersten Album zusammen gearbeitet. Aber Effi ist schon noch ein Soloprojekt. Ich schreibe ja die Songs und arbeite sie aus, die Band kommt dann erst später dazu.

Welche Instrumente spielst du auf Closer?
Ich spiel Gitarre, Klavier, Bass und Ukulele.

Wie entscheidend ist für dich als Multiinstrumentalist dann die Nutzung digitaler Klangmöglichkeiten?
Die ist sehr wichtig. Wir haben heute Möglichkeiten, die gab’s vor, sagen wir, 20 Jahren noch nicht. Es hat zwar schon Samples und so gegeben, die waren aber viel schwerer zugänglich als heute. Heutzutage kannst du am Computer schon super Samples verwenden und selbst digitale Klänge erzeugen. Ich bin ein großer Fan davon. Hab ich auch im neuen Album immer wieder eingebaut, synthetische Klänge und so weiter. Schon was sehr Schönes.

Bist du im Erlernen von Instrumenten und Aneignen von Wissen ausschließlich autodidaktisch unterwegs?
Ja komplett, bei allem. Mich hat das mit etwa 16 Jahren zu begeistern begonnen, und dann habe ich mir das selbst beigebracht. Bei mir war es einfach eine Interessensfrage. Wenn ich mich für was interessiere, kippe ich da rein und bring mir das bei. Am Computer ist es noch leichter. Ich bin ja gerade noch in die Internetgeneration hineingefallen. Du kannst dir das auf verschiedene Arten beibringen, schaust auf Youtube nach, oder siehst dir irgendwelche Tutorials an oder liest irgendwas in bestimmten Online-Foren nach. So kommt man ziemlich schnell auf neue Sachen.

Wie war dein Werdegang als Musiker?
Angefangen hat das ganz klassisch, mit einer Band in der Schule. Wir haben damals Sachen nachgespielt, ich am Bass. Nebenbei hab ich mir Gitarre beigebracht und angefangen ein bisschen am Klavier zu klimpern. So hat sich das langsam entwickelt. Später hab ich begonnen, die ersten eigenen Songs zu schreiben und noch eine Band gegründet (Goodbye Kitty, Anm. d. Red.). Daraufhin hab ich mir die Computersachen angeeignet, als die aufgekommen sind und erschwinglich waren. Nicht wirklich spektakulär.

Wo ist im Moment dein Arbeitsmittelpunkt?
Der ist in Graz. Dort entstehen die Songs. Die Arbeit fängt dabei immer im Kleinen an, mit Gitarre, Ukulele oder am Klavier. Da ist eine Idee, und die arbeitet man aus, baut rundherum ein Arrangement. Fürs Erfinden eines Songs braucht man ja eigentlich nicht viel. Maximal ein Instrument, wenn überhaupt. Schreiben tu ich im Schlafzimmer, im Arbeitsraum oder auf der Couch. (längere Pause) Am Klo eigentlich noch nicht. (lacht)

McCartney hat Yesterday angeblich am Klo geschrieben …
Hab ich gehört. Wär vielleicht auch einmal eine Möglichkeit!

Wieder ernsthaft, was steht für Effi als Nächstes zu tun an?
Proben für die Live-Umsetzung. Die nächsten Auftritte stehen ja schon. Da sind wir jetzt grad ziemlich intensiv dabei. Und danach schreib ich einfach ein drittes Album. Das wird dann meine Abendplanung! (lacht)

Das neue Album Closer // VÖ 8.3. 2013

Livetermine
1.3. Graz – PPC
9.3. Linz – Posthof
5.4. Wien – Chaya Fuera
6.4. Salzburg – Rockhouse
11.4. Innsbruck – Weekender
12.4. Lustenau – Carini Saal
13.4. Haslach (OÖ) – Join.Listen.Help Festival
18.4. Klagenfurt – Kamot
19.4. Feldbach -Zentrum (tbc)
20.4. Wr. Neustadt – Triebwerk
26.4. Mödling – Red Box (+ Clara Luzia)

 

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