A Wop Bopaloo Bop!: Die OldSchoolBasterds im Portrait

Jerry Lee, Johnny, Stanley, Charlie und Hank Basterd – gemahnt ja eher an eine räudige Banditengang, die im Wilden Westen Postkutschen ausgeraubt hat. Weit gefehlt: dahinter verbirgt sich eine Rock’n’Roll-Band der alten Schule, die sich Musikstandards der 50er Jahre virtuos zu eigen macht. Backbeat bat Schlagwerker Charlie Basterd zum Gespräch. Von Martin Macho

Von wegen The day the music died! Die OldSchoolBasterds wühlen sich seit Herbst 2010 tief in den Musikfundus der Fifties ein. Den geborgenen Kleinoden wird höchste Sorgfalt zuteil: Originaltreue und Hingabe zum Detail sind den Virtuosen der alten Schule allemal wichtiger als das flache Revival mit Staubschicht.

Akribie und Übernahme damals gängiger Technik
Ganz gleich ob Rock’n’Roll, Boogie, Gospel oder Calypso, die fünf Könner beherrschen schlichtweg alles. In der klassischen Besetzung Gesang, Gitarre, Standbass, Klavier und Schlagzeug sind die OldSchoolBasterds durch akribisches Einleben in das Liedmaterial immer verdammt nah am Original.

Die Songschemata der 50er haben aber auch – oder gerade – für Spitzenmusiker vom Schlage der Basterds die eine oder andere Falltür eingebaut. „Es ist scheinbar einfach, 50er-Musik zu spielen, mit wenigen Akkorden und wenig abwechslungsreichen Grooves, verglichen mit den Beats aus den 70ern bis heute. Man muss dadurch aber höllisch bei dem aufpassen, was man alles nicht tun darf. Die Palette der unerlaubten Dinge ist sehr groß“, weiß Charlie um die ganz besondere Krux bei der Erarbeitung des Songrepertoires.

Völlig anders gelagert ist die Sache beim Gesang. In dem Wissen um die herausragende Qualität des Harmoniegesangs der damaligen Zeit sind Chorproben regelmäßiges Pflichtprogramm. „Ohne drei- bis vierstimmig zu singen, klingt es einfach nicht nach Fifties. In den 50er Jahren gab es ja für den Leadsänger zusätzlich zu den Instrumentalisten eigene Gesangsgruppen als Begleiter. Wenn du dir zum Beispiel anhörst, wie extrem gut Crying In The Chapel bei Elvis klingt – für Musiker, die keine Profisänger sind, kaum zu schaffen. Aber wir bemühen uns.“

Wie überhaupt die Regeln, denen die Musik der Basterds unterliegt, in den Rang alttestamentarischer Gebote gehoben werden. Der Drummer dazu: „Wir nehmen das sehr ernst. Unser Hauptanspruch ist, dass die Nummern so echt wie möglich sind. Wenn wir Little Richard spielen, muss das dieselbe Energie wie damals haben. Oder bei Harry Belafonte ist es das Ziel, den Song karibisch rüberkommen zu lassen.“

On stage streben die Basterds das Echtheitszertifikat an. „Damit es tatsächlich alt klingt, benutzen wir alte Instrumente. Das alles ohne Kompressoren, ohne Gates. Unser Sänger Stanley versucht seine Lead Vocals mithilfe digitaler Technik nach dem charakteristischen Fader-Hall-Sound klingen zu lassen. Die Bass Drum war in den 50ern im Mix kaum auszumachen. Das ist für Live-Tontechniker, die den heutigen Pop-Standard im Ohr haben, natürlich ungewohnt. Die schreien dann ‚Kick!‘, ‚Kick!‘, und wenn’s nicht voll kracht, sind sie unzufrieden.“ Die durchwegs positiven Resonanzen nach Live-Shows belohnen die Bemühungen.

Dieselbe Authentizitätsklausel wird für die Band auch im Studio schlagend: „Wenn du so willst, ist es noch echt handgemachte Musik. Die einzelnen Titel werden allesamt unter 50er Jahre-Bedingungen aufgenommen, wir spielen alles gleichzeitig im gleichen Raum. Das bedeutet, wenn sich einer einmal verspielt, war’s das mit dem Take. Entweder lässt man den Fehler drin, oder man macht es noch einmal. Der Moment soll eingefangen werden, ohne Netz. Keine Pro Tools-Glattbügelung, kein Auto-Tune.“

Umtriebigkeit im Studio und live
Auf zwei CD-Produktionen können Charlie Basterd und Co. schon stolz verweisen. Ein Coveralbum mit dem Titel No. 1 ist gleichsam die Vierkant-Essenz der 50er: I’m Walking, Tutti Frutti, Summertime Blues oder Johnny B. Goode sind nur einige der 16 Klassiker, vor denen die OldSchoolBasterds sich in überzeugender Manier musikalisch verneigen. „Wir wollten eigentlich nie eine Platte mit Covers machen“, berichtet Charlie, „aber dadurch, dass die Band so cool geworden ist, haben wir es riskiert. Alles über eine große Firma, die an uns herangetreten ist, das Album in deren Filialen zu vertreiben. Wir haben 1.000 CD’s produziert, mit großem Aufwand hergestellt und schick aufbereitet. Und dann ist die Firma plötzlich abgesprungen. Ist aber egal, wir verkaufen regelmäßig CD’s über unseren Online-Shop und auf Konzerten.“ Dagegen stellt das Album Holy Sh*t Weihnachtsstandards als originellen Kontrapunkt vor. Noch nicht spruchreif ist eine Produktion mit Eigenmaterial, Charlie versichert den Fans jedoch dahingehende Daueranstrengungen.

Die Live-Aktivitäten der Band oszillieren zwischen künstlerischer und finanzieller Wertschöpfung. Zwischen ausgesuchten Veranstaltungen mit hohem Aufmerksamkeitsfaktor beim Publikum, und den großen Events, bei denen die Basterds darum ringen müssen, nicht zum Beiwerk zu verkommen. „Natürlich spielen wir gern im Kulturverein für Leute die kommen, um uns zuzuhören. Ist halt geldmäßig weniger interessant wie beispielsweise eine Gala für die Ennstal-Classic. Wir machen beides, weil wir das Ding auch irgendwie finanzieren müssen.“

Der Altersquerschnitt bei Basterds-Konzerten straft Don McLeans eingangs erwähnte lyrische These der verblichenen 50er-Musik eindrucksvoll Lügen. Wenn Charlie Basterd ins Publikum blickt, sieht er, „Leute, die die Zeit noch selbst erlebt haben, neben ganz jungen, die von der Energie dieser Musik mitgerissen werden.“ Am Tag, als das Flugzeug vom Himmel fiel, mögen Holly, Valens und Bopper vielleicht draufgegangen sein, deren Musik erfreut sich bester Gesundheit.

Um nicht zu rührselig zu werden: allen nostalgischen Puristen erteilt selbst Charlie Basterd eine gehörige Abfuhr: „Früher war es um nichts besser als heute, anders war es. Nur ist es durch die heutigen Möglichkeiten für Leute, die kein Instrument im herkömmlichen Sinne beherrschen, sicher leichter. Jetzt kannst du mit Netbook und Mikro auch schon produzieren.“

Womöglich sogar im Duckwalk.

Ente.

Die OldSchoolBasterds im Internet:
www.oldschoolbasterds.com

Foto: Werner Reiter

 

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