Another Vision »Off The Leash«

Another Vision präsentierten letzten Samstag ihre Debüt-EP »Off The Leash« im Wiener rhiz und wir waren mit dabei. Außerdem haben wir für euch in die Platte reingehört.
von Patrick Tilg

Eröffnet hat den Abend das Earl Mobley Trio, ein Seitenprojekt zweier Mitglieder von der New Wave Band Vague. Sie erzeugten zu dritt einen zerbrechlich sphärischen LoFi-Sound, der das Publikum gut aufwärmte und die für den Abend geplante Zeitreise gekonnt in die Wege leitete.

Die Show von Another Vision begann dann mit dem ersten Track der neuen EP. Man hörte Kirchenglocken im Intro und es folgten böse knarzige Bässe die bis zum Ende des Konzerts immer wieder kommen sollten. Die Band war vom ersten Moment an präsent und überzeugte nicht zuletzt mit einem stimmigen Bühnenbild. Eine auf die Musik abgestimmte Strobo-ähnliche Lichtshow referenzierte sogar auf das Musikvideo zu ihrem Song »Stranger«.

Die Initialen der Band „AV“, wie sie selbst es gerne abkürzen, könnten also auch für Audiovision stehen, denn die Ton- und Bildebene ergaben zusammen ein schönes Gesamtkunstwerk. Man wusste zudem ab dem Moment als sie in ihren spacigen, silbernen Oberteilen auf die Bühne kamen, welche Soundwelt einen erwarten wird.

Es war ein Abend voller schimmernder bis düsterer Synthesizer die durch den rhiz-Bogen des Wiener Gürtels schossen und zum Tanzen animierten. Die Band brachte damit eine interessante Symbiose von elektronischen Klängen und akustischen Drums auf die Bühne. Über dieses Klanggeflecht legte sich schließlich die Stimme des Sängers und sein relativ zurückhaltendes Gitarrenspiel.

Aber nun zur EP. Another Vision setzen auf haptische Tonträger und präsentierten ihre Debüt EP auf frisch gepresstem Vinyl. Das Cover bastelten sie übrigens am Vormittag des Releasetags, da aufgrund der beseelten Adventszeit die Lieferung der Hüllen nicht rechtzeitig bei der Band ankam. Auf dem Plattencover sieht man Teddy – den Band-Hund (siehe Foto). Denn der EP-Titel »Off The Leash« hat nicht nur einen Hundebezug, sondern verweist auf die Comics von Rupert Fawcett.

Teddy führt uns auch zur aktuellen Single »Trumpets«, denn im Musikvideo dazu spielt er eine tragende Rolle. Der Song selbst erinnert mit seiner Leichtigkeit und den wolkenartigen Brass-Synthesizern teilweise angenehm an Metronomy. Auch die vorherige Single-Auskopplung »Mad« überzeugt mit schillernden Arpeggios, kommt aber noch etwas bedrohlicher daher.

Die EP ist auf eine gute Art und Weise nostalgisch, denn die Musik erinnert zwar stark an die 80er Jahre, dennoch wirkt die Band aber nicht, als versuche sie diese wieder heraufzubeschwören. Nach dem Konzert erzählten sie uns in einem kurzen Gespräch, dass sie gerne mit der Dichotomie alt/neu, sprich digital/analog arbeiten. Dies passiert aber nicht etwa, weil sie restaurativ die 80er Jahre imitieren wollen, sondern weil sie reflektiert mit den damals gängigen Synthesizern experimentieren und dadurch dieser spezielle Sound entsteht. Der Roland Juno 106 ist übrigens der – wenn man so will – Lieblingssynthesizer der Band. Da sein warmer und anschmiegsamer Sounds in einem schönen Kontrast zu den massiven Drumbeats und den rauen Bässen steht.

Insgesamt könnte man sagen, dass den drei Wahlwienern ein schönes Synth-geladenes Debüt gelungen ist, zudem man sowohl tanzen kann, als auch mit der Straßenbahn durch das neblige, frühwinterliche Wien gondeln. Another Vision verzichten dabei auf überproduzierte Pop-Gesten und überzeugen vielmehr mit einem Hauch Rauheit.

Die EP »Off The Leash« sollte man sich auf jeden Fall anhören, wenn man Depeche Mode oder New Order mag und montags gerne ins Cabaret Fledermaus geht.

 

Die nächsten Live-Termine:

6. Feb.2020 – Schlot, Linz

7. Feb.2020 – Club Wakuum, Graz

 

Fotos: © Paul Sprinz

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