Reverend Backflash – von Bier – und Goldschnipselregen

Am 29. September präsentierten Reverend Backflash in der Arena ihr neues, live aufgenommenes Album „Too Little, Too Late“. Was ihr alles verpasst habt, falls ihr nicht dabei wart, könnt ihr hier nachlesen.

Selbst beschreiben Reverend Backflash ihre Musik zwar als Rock’n’Roll fernab aktueller Trends, dennoch ist das Ganze, vor allem bei Live-Auftritten sowie auf ihrem neuen Album, in modernen Sound gehüllt und das ist auch gut so! Sie wirken dabei jedoch nicht, als ob sie verzweifelt versuchen etwas Vergangenes am Leben zu halten oder die großen Ikonen des Rock’n’Roll nachzuahmen. Darin unterscheiden sie sich klar von vielen anderen aktuellen Bands des Genres, was vor allem im Vergleich zu den Supportbands deutlich hervortritt. Reverend Backflash sind sozusagen das Gulasch der Musik: Die Ausnahme in der Musik, die alt besser schmeckt als frisch.

Für ihr Release-Konzert haben sich die Herren die kleine Halle in der Arena ausgesucht und sie auch sehr gut gefüllt. Die richtige Atmosphäre und guter Sound waren also schon mal gesichert. Den Anfang des Abends machten die Atomic Playboyz sowie Johnny Firebird. Beide bemühten sich alle verfügbaren Stilmittel einer Punk-Bühnenshow auszupacken: Spucke spucken, Bier spucken, eine Bierdusche nehmen, in gespucktem Bier duschen, und Bier aus der Unterseite des Mikroständers trinken. Vor allem Johnny Firebird hatten die eine oder andere Hymne, à la Donots im Gepäck und wurden vom Publikum gut aufgenommen. Obwohl ich sicher bin, dass die Atomic Playboyz einen soliden Auftritt geliefert haben, wurde der bleibende Eindruck leider vor allem durch den ungebetenen „Gastauftritt“ des Sängers bei der Hauptband des Abends geprägt. Nicht okay, nicht cool! Jack, der Leadsänger von Reverend Backflash, nutzte jedoch die Möglichkeit, um allen Anwesenden zu zeigen, wie man jemanden auf sehr nette Weise von der Bühne wirft: mit dem Arm um die Schulter.

Während es bei den Supportbands noch möglich war, sich viele Gedanken über die Auftritte zu machen und die eine oder andere Notiz zu nehmen, war das ab dem ersten Song von Reverend Backflash nicht mehr möglich. Für die Dauer ihres Konzerts war ich einfach nur Fan. Sänger Jack spuckt die Zeilen unter exzessiver Nutzung seiner Gesichtsmuskeln nur so aus. Leadgitarrist Stevo muss schon nach wenigen Songs das T-Shirt loswerden, um uns seine vor Schweiß glänzende Brust zu präsentieren. Luke, der Bassist, spielt voll abgeklärt mit seinem verschmitzten Grinser, als ob er gerade irgendwas angestellt hätte und Max, der Schlagzeuger „ballert mega tight, oida“. (So steht das jedenfalls in meinen nach-dem-Konzert-Notizen)

So stark, wie bei nur wenigen anderen Formationen ist hier klar, das ist eine Band. Ihr Auftritt ist, obwohl die Persönlichkeiten der Einzelnen klar hervortreten, nicht darauf ausgelegt eine Person in den Vordergrund zu stellen oder das Geltungsbedürfnis einzelner Mitglieder zu befriedigen. Wie das einer Album-Releaseshow gebührt, wurden auch einige Specials, wie Riesenluftballons oder auch ein Goldschnipselregen, eingebaut – alles optisch auf das neue Album, Videos und Fotos abgestimmt.

Reverend Backflash haben mit ihrem neuen Album und ihrem Release-Konzert gezeigt, sie wollen Mehr und Größer und haben dabei auch beim Publikum Bock auf mehr zurückgelassen. Zum Schluss möchte ich noch allen ans Herz legen, Reverend Backflash auf (mindestens) einem Konzert ihrer anstehenden Tour zu besuchen. Tut euch den Gefallen!

 

Ihr wollt weiterlesen? Hier gehts zu unserem Interview mit Max Heller!

 

Fotos 1, 4 & 5: Chris Lendl

Fotos 2 & 3: Samuel Colombo

Text: Mira Achter