Szenen. Nischen. Subkulturen. – Is Punk really dead?

Jeder Musik seine Szene? In dieser neuen Reihe beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichsten Subkulturen und musikalischen Nischen. Von den Metalheads, über die Technoszene bis hin zu Punker*innen. Und genau hier starten wir auch und stellen uns die Frage: Is Punk really dead?

Von Magdalena Zimmermann

 

Musik dient in vielerlei Hinsicht als ein Mittel der sozialen Ordnung. Unterschiedliche Musikgeschmäcker suggerieren Zugehörigkeiten zu bestimmten gesellschaftlichen Klassen und Subkulturen. Das Bild eines Klassik hörenden Professors, der Samstagabend gerne die Oper besucht, lässt sich einfacher und leichter mit den eigenen Vorannahmen vereinbaren, als dass eben dieser sich am Gürtel im Chelsea herumtreibt und sich in Moshpits verausgabt. Musik dient demnach zur Einordnung anderer, aber auch zur eigenen Selbstdefinierung. Die Musik die ich höre, die Musik mit der ich mich identifiziere, die Musik bin ich auch selbst und ich möchte auch, dass andere das sehen und sie mich so wahrnehmen. Somit sind innerhalb unserer Gesellschaft unterschiedlichste Szenen und Subkulturen vorzufinden, die sich durch eigene, ganz szene-spezifische Codes von anderen abgrenzen. Seien es nun Dinge wie das Tragen bestimmter Kleidungsstücke, spezifische Frisuren aber eben auch Weltanschauungen und politische Einstellungen.

Innerhalb dieser Subkulturen wird ein bestimmtes Interesse – hier eben die Musik – geteilt. Szenen bieten einerseits ein Höchstmaß an individueller Freiheit, sind nicht durch Mitgliedschaften definiert und unterliegen auch keinen institutionellen Zwängen. Auf der anderen Seite wird ein Zusammensein mit gleichgesinnten Anderen geschaffen. Man ist sich also zumindest in dem ähnlich, dass man sich mit dem Rest nicht ähnlich ist. Es werden Events organisiert, Plena veranstaltet und eben vor allem Musik produziert, gehört und gefühlt. Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl und das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das die eigene Subjektivität überschreitet.

Es gibt eine vielfältige Anzahl unterschiedlichster Musikszenen. Sei es nun die Subkultur des Hip-Hops, die Techno-Szene oder auch Milieus, die sich aus der Metal-Musik entwickelt haben. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich anhand der Musik definieren und sich durch diese von den anderen Subkulturen unterscheiden.

Die Punkszene beispielsweise ist geprägt durch Rebellion, Nonkonformismus und Dilettantismus. Der Duden definiert den Begriff des Punk direkt übersetzt als Abfall oder Mist. Die Ästhetisierung des scheinbar Hässlichen stellt einen der grundlegenden Gedanken des Punk dar. Ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Punks lässt seine Anfänge innerhalb des Milieus der britischen Pubszene erkennen. Der spätere Leadsänger der Sex Pistols, John “Johnny Rotten” Lydon war bereits im Jahr 1974 Teil davon und trieb sich durch die Pubs in England. 1975 formierten sich dann die Sex Pistols und spielten innerhalb von zwei Monaten neun Konzerte. Beim ersten Gig wurde ihnen bereits nach fünf Songs der Strom abgedreht, da sie mit ihrer Musik mit gesellschaftlichen Konventionen und Normen brachen. Es war auch die Zensur, die ihnen endgültig das Flair des Undergrounds zusprach, genau durch diese konnten sie sich eine Stellung innerhalb der Londoner Subkultur erarbeiten. Punk entwickelte sich jedoch nicht nur aus der Tradition der Pubbands heraus, sondern auch als antagonische Bewegung, die sich eben genau gegen diese Pubbands wendete. Diese ließen zu wenig Platz für politische Implikationen und das aggressive Soundbild des Punks. Der Durchbruch gelang den Sex Pistols dann durch den

Medienskandal in der Bill Grundy Show, der es schaffte, den Punk als Subkultur in die Schlagzeilen der Boulevardpresse zu bringen. Der Gitarrist Steve Jones, sprach dort die streng tabuisierten “Four-letter Words” live im TV aus und die Subkultur des Punks wurde nahezu jedem ein Begriff. Die Sex Pistols gingen dann, neben den Ramones und The Clash als die “Großen Drei” des Punks, in die musikalischen Geschichtsbücher ein.

Das Ganze ist mittlerweile schon fast 50 Jahre her. 50 Jahre in denen sich die Subkultur des Punks stets verändert und gewandelt hat, unterschiedlichste einzelne Subkulturen, Musikrichtungen und wiederum eigene Szenen aus der der Punkszene entstanden sind. Nonkonformität blieb dabei immer Teil der Selbstpositionierung, Desillusionierung auch. Punk sein spielt sich demnach nicht nur auf der Ebene der Musik ab, sondern wird auch, wie in anderen Subkulturen üblich von anderen szenespezifischen Codes begleitet. Die Schaffung von eigenen Medien, die in den 80ern entstandenen Fanzines, sind auch heute

innerhalb der Szene noch von großer Bedeutung. So meinte auch Jello Biafa von den Dead Kennedys einst: “Don’t hate the media, become the media.” Doch nicht jeder Punk sehnt sich Anarchie herbei, trägt Nietengürtel, bohrt sich Sicherheitsnadeln durch alle möglichen Körperteile und rasiert sich einen Irokesenschnitt. Das Ganze lässt sich heute nicht mehr so leicht in eine Schublade packen, auch wenn in den Köpfen der Menschen scheinbar noch immer oft dieses spezifische, negative behaftete Bild der Punks vorherrscht.

Doch was ist Punk eigentlich für die, die Punk Musik machen? Was ist Punk heute? Und ist Punk wirklich tot? Wir haben der österreichischen Ska-Punkband “The Pisshands” einige Fragen gestellt.

 

Was ist Punk für dich?
Kevin: Arschlecken und Rasur – Bela B
Spuddl: Blödsinn
Ole: Pittinger und Pogo

Wie definiert sich die Punkszene?
Kevin: Un-Uniformität
Spuddl: über geilen Sound
Ole: gar nicht

Wie sieht ein:e klassiche:r Punker*in für dich aus?
Kevin: Un-uniformiert
Spuddl: Super sexy
Ole: klassisch halt

Wie grenzt sich Punk musikalisch von anderen Musikrichtungen ab?
Kevin: schnell, hart, politisch
Spuddl: schneller, härter, eventuell politischer
Ole: Scheiß auf Kommerz, fuck auf Faschos und Kampf dem Kapital

Was muss jeder gute Punksong beinhalten?
Kevin: Arschlecken und Rasur
Spuddl: Strophe, Refrain, Break und Bass Solo
Ole: Pittinger & Pogo

 


Foto: (c) Kalman Kiss (AkediA live @ p.m.k. Innsbruck, 16.10.21)