Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Jasmin Rilke

Eigentlich lautet der Titel dieser Kolumne ja „Backstage“. In dieser und der nächsten Ausgabe wird es aber um eine Person gehen, die meistens vor der Bühne ihren Platz einnimmt – die Tontechnikerin Jasmin Rilke. Sie steht in den Wiener Venues Fluc, Venster99 und B72 regelmäßig am Mischpult und war dieses Jahr mit „Gewalt“ und „Petrol Girls“ auf Tour. Heute berichten wir hier, warum sie Tontechnikerin wurde, welche neuen Tricks sie in ihren Livesound einfließen lässt und warum sie die Livesituation liebt. 
von Mira Achter

Dass sie heute hauptberuflich als Tontechnikerin am Mischpult steht, betrachte sie als einen glücklichen Zufall. Den Anfang ihrer Laufbahn machte sie eigentlich auf der Bühne mit der Gitarre in der Hand, als sie am „Pink Noise Girls Rock Camp“ teilnahm. Aus diesem Umfeld erhielt sie den notwendigen Anstoß und die Motivation, um Tontechnikerin werden zu wollen: „Zuvor wusste ich nicht einmal, dass es das gibt. Das existierte nicht in meiner Welt.“

Jasmin hat damals sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. Sie war arbeitslos, wusste nicht genau, was sie machen sollte und hat sich einfach als Tontechnikerin versucht. Mit viel Hartnäckigkeit und einer großen Portion Glück ergatterte sie einen durch das AMS finanzierten Kurs für Studiotechnik und legte daraufhin in den Clubs Venster99 und Fluc als Livetechnikerin los. „Anfangs habe ich schon noch eine Zeit gebraucht, bis ich dann wirklich sagen konnte: Ich weiß was ich da tue. Da muss man einfach reinspringen und es machen. Man macht dann viel Scheiße und lernt daraus.“

Nach fünf Jahren als Tontechnikerin hat sie aber noch nicht ausgelernt. Es gibt immer irgendwo ein neues Mischpult, ein neues Setup einer Band oder neue Instrumente. Manchmal muss man auch Musikrichtungen mischen, die man noch nie gehört hat und diese neue Klangästhetik im Livemix umsetzen.

Überraschend ist, dass Jasmin eigentlich keine Musik hört. Sie sagt ganz ehrlich: „Ich muss mir immer so viel Scheiße anhören, das reicht dann.“ Wenn ihr eine Band nicht gefällt, versucht sie sich einfach auf den Sound und ihr Mischpult, anstatt auf die Musik zu konzentrieren. „Da darf man nicht denken, man würde ausschließlich tolle Bands mischen. Das ist aber natürlich ganz subjektiv und Geschmackssache.“

Tontechniker_innen können sowohl im Studio- als auch im Livebetrieb eingesetzt werden. Jasmin ist mit ihrer Position als Livetechnikerin zufrieden, die Studioarbeit ist ihr zu viel „Fummelarbeit“. „Da geht es oft darum da eine kleine Automation, hier 1 Dezibel dazu und dort 1 Dezibel weniger zu machen.“

Das hält sie aber nicht davon ab, sich Studiotricks zu suchen und diese bei Konzerten einzusetzen. Im Moment arbeitet sie daran, Parallelkompression Live anwenden zu können. „Man komprimiert dabei nicht den Kanal selber, sondern schickt das Signal noch in einen anderen Kanal. Diesen zweiten Kanal komprimiert man und schiebt ihn zu dem ersten, den man unbearbeitet lässt, dazu. Den komprimierten Kanal kann man dann richtig arg zusammenmatschen. Wenn man das zum Beispiel fürs Schlagzeug verwendet, bekommt man einen punchigen und räumlichen Sound.“ Dabei muss man immer auswählen, welche der Instrumente man wirklich parallel komprimieren möchte. Die Anlage hat nur eines gewisse Kapazität und diese will man optimal nutzen. Das ist auch wesentlich bei der Einstellung des Equalizers: „Die meisten Leute schneiden die unteren Frequenzen weg, die den Klang undefinierter machen. Ich schneide aber auch immer die ganz hohen Frequenzen weg, weil sie nur Energie verbrauchen, man sie aber nicht hören muss.“

Einen großen Reiz hat die Livesituation für Jasmin auch, weil sie den Stress dabei genießt – alles muss schnell gehen, sobald die Band da ist. Und wenn das Konzert fertig ist, hat man das Projekt abgeschlossen. Im Studio gibt es im Gegensatz dazu nie den Punkt, an dem es wirklich abgeschlossen ist – man kann das Ergebnis immer noch weiter verfeinern.

 

Foto: Gingerdope

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