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Guter Sound ist Geschmackssache – mit Jasmin Rilke

In dieser Ausgabe von „Backstage“ widmen wir uns, wie schon im November, einer Person, die ihren Platz nicht – wie für diese Kolumne üblich – hinter, sondern vor der Bühne einnimmt.  Im Fokus steht wieder die Tontechnikerin Jasmin Rilke. Heute richten wir das Spotlight auf  die Arbeitsverhältnisse von Tontechniker_innen, die Do’s und Dont’s des Livesounds und die Reize, die das Touren für Jasmin hat.
von Mira Achter

Ein sehr großer Teil der Tontechniker_innen ist selbstständig beschäftig, kaum jemand ist in einem Angestelltenverhältnis. Genaue Zahlen für Österreich gibt es dazu jedoch nicht. Für die Personen selbst, ist das nicht immer ganz einfach: „Ich sehe mich eigentlich als ganz normale Arbeiterin und mein Verdienst entspricht dem. Zugleich habe ich aber ziemlich viele Abgaben zu zahlen.“ Die Venues können es sich oft nicht leisten, jemanden anzustellen und in der Folge werden die Abgaben auf die Tontechniker_innen abgewälzt. Mittlerweile befindet Jasmin sich aber in einer Position, in der es sich finanziell gut ausgeht.

 Was es bedeutet, „guten Sound“ zu machen, ist wohl Geschmackssache. Aus Jasmins Perspektive sollte nicht alles klinisch sauber und „pipifein“ sein. Gute Tontechniker_innen macht eine gute Kommunikation mit den Künstler_innen aus. Man sollte vorausschauend arbeiten und einen guten Mittelweg zwischen schnell sein und gehetzt sein finden. Ist man zu gestresst, schleifen sich Fehler ein. „Das musste ich aber auch erst lernen. Am Anfang hatte ich schon immer das Gefühl, ich wäre gestresst. Das habe ich mittlerweile nicht mehr.“

 Don’ts gibt es in der Livetechnik laut Jasmin kaum, solange der Sound funktioniert. „Es gibt immer wieder Leute, die sich lustig machen, dass jemand etwas komisch macht, zum Beispiel ein vermeintlich falsches Mikro für etwas verwendet. Das finde ich bescheuert. Wenn es funktioniert, ist es egal wie.“

Sie erzählt von einigen Fehlern, die sie selbst schon gemacht hat: „Ich habe nach dem Soundcheck alles auf Stumm geschaltet, sogar den Masterfader. Als das Konzert anfing, habe ich alle Kanäle aufgemacht aber es klang total komisch, bis ich verstanden habe was los ist. Oder ich habe auch schon öfters die Einlassmusik während des Konzerts laufen lassen. Solange die Bands wenig Pausen zwischen den Songs machen, merkt man das aber auch nur schwer.“

Das Jahr 2019 war für Jasmin Rilke ein gutes. Nachdem sie zwei Jahre viel in denselben Konzertlocations in Wien gearbeitet hat und dort jeden Handgriff schon in und auswendig kannte, war sie dieses Jahr so viel auf Tour wie noch nie. Dreimal war sie mit der Berliner Industrial/Noise Band „Gewalt“ und einmal mit „Petrol Girls“, einer Britisch-Österreichischen Post-Hardcore Band unterwegs. Fast jeden Abend musste bzw. durfte sie mit einem neuen Mischpult arbeiten. Nach einer Einführung in jedes neue Pult, klappte das auch meistens problemlos. „Manche der Mischpulte sind mit einem Workflow konzipiert, der nicht intuitiv für mich ist. Es gab da zwei Mischpulte, bei denen ich ziemlich geschwitzt habe.“ Spannend war für sie auch, welche unterschiedlichen Venues sie gespielt haben – von winzigen Räumen für 50 Personen, bis zu großen Hallen.

Zu den Vorzügen einer Tour gehört auch der bessere Verdienst. Man arbeitet nicht nur 2-3 Mal die Woche, sondern jeden Abend. Dazu kommt, dass man ständig unterwegs ist und neue Orte sieht. „Es ist als ob man die ganze Zeit auf Urlaub ist, aber eben während diesem arbeiten muss. Unterwegs sein ist super! Ich liebe es im Auto mitzufahren und rauszuschauen.“

 

Foto: Martyna Wisniewska (IG: Gingerdope)

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