Welcome to the machine

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Welche Wege zum Erfolg gibt es? Von welchen Faktoren  ist dieser abhängig? Und haben es österreichische Musiker besonders schwer sich international zu etablieren? Die Dokumentation „Welcome to the machine“ geht genau diesen Fragen auf den Grund und lüftet dabei die Geheimnisse des Erfolgs von internationalen Größen der Musikbrache. Im Interview mit backbeat erzählt der Regisseur Andreas Steinkogler alles über die Entstehung seines Debütfilms.


Dein Film heißt „Welcome to the machine“, was steckt hinter diesem Titel?
Der Titel ist eine Anlehnung an den gleichnamigen Song von Pink Floyd, der sich kritisch mit dem  Musikbusiness auseinandersetzt. Ursprünglich sollte es nur der Arbeitstitel sein aber er hat sich mittlerweile so manifestiert, dass ich entschieden habe ihn beizubehalten.

Wie bist du eigentlich zum Film gekommen?
Ich komme aus der Filmbranche, wo ich anfänglich hauptsächlich in der Werbung tätig war. Danach bin ich relativ schnell in die VJ-Szene rein gerutscht, habe eigene Visuals gemacht und habe angefangen meine ersten Kurzfilme zu drehen. Danach habe ich erste Musikvideos gedreht und in weiterer Folge für die Musikbranche gearbeitet. Aus meinen ersten Versuchen längere Filme zu machen, ist mangels passender Drehbüchern leider nichts geworden.

Und woher kam die Idee für „Welcome to the machine“?
Für die ursprüngliche Idee, aus der letztendlich der jetzige Film entstanden ist, wurde ich durch die Band eines Freundes (Anm.d.Red. The New Vitamin) angeregt. Da die Band relativ schnell Erfolge verbuchen konnte, wollte ich einen Film über die österreichische Musikszene machen und darin aufzuzeigen warum es heimische Bands eigentlich immer sehr schwer haben sich durchzusetzen und gleichzeitig mögliche  Formeln wie es doch funktionieren kann aufzuzeigen.

Wie bist du an das Projekt herangegangen?
Ich habe begonnen ein Konzept zu erarbeiten und nebenbei schon die ersten Aufnahmen mit der Band gemacht. Als ich das Konzept fertig hatte wurde mit bewusst, dass die Umsetzung dieses Projekts mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen würde, und die österreichische Musikszene dafür wohl ein etwas zu kleiner Rahmen sei. Da ich mit dieser Dokumentation etwas von internationalem Format schaffen wollte, begann ich das Drehbuch noch mehrmals zu überarbeiten und weitete das Konzept auf die internationale Musikbranche aus.

Wie hast du dich zu den Fragestellungen zum Thema inspirieren lassen?
Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Buch „Popstar in 100 Tagen“ von Christian Hentschel gestoßen. Ich fand es bis zu einem gewissen Grad sehr anregend, auch wenn es natürlich nicht so einfach funktionieren kann, wie es der Buchtitel verheißt. Also ließ ich mich inspirieren, nahm mir die mir am wertvollsten erscheinenden fünfzehn Ratschläge raus und entschloss mich den Film als einen Art dokumentarischen Ratgeber zu konzipieren.

Und wie funktioniert dein Ratgeber?
Der Film agiert dabei auf drei Ebenen. Erstens gibt es Interviews mit nationalen und internationalen Musikern aus verschiedensten Genres, die dabei über ihre Geheimnisse und Rezepte zum Erfolg sprechen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf internationalen Künstlern aber natürlich wollte ich auch die heimische Musikszene und somit die ursprüngliche Idee, bis zu einem gewissen Grad berücksichtigen. Auf der zweiten Ebene kommen Experten aus der Branche, das heißt Musikmanager, Labelbetreiber und so weiter, zu Wort.  Und auf der dritten Ebene kommen österreichische Bands zum Einsatz, die die gewonnen Erkenntnisse und Ratschläge sogleich anwenden und überprüfen, wofür ich sie auch die ganzen zwei Jahre über begleitet habe.

Wie sehen die Vorbereitungen für so ein ambitioniertes Filmprojekt aus?

Die Vorbereitungen für eine Dokumentation sind einfacher  als für einen Spielfilm, da der finanzielle Aufwand im Vorfeld  nicht so groß ist. Neben einer Idee, braucht man eine gute Kamera die man permanent zu Verfügung hat. Man braucht Willen und Leute die zu Beginn bereit sind auch unentgeltlich mitzuarbeiten und eine gesunde Portion Größenwahn, der einen den Mut gibt ein solch großes Projekt überhaupt in Angriff zu nehmen.

„Welcome to the Machine“ ist dein Debütfilm und gleichzeitig hoch ambitioniert. Was waren die größten Herausforderungen?

Die Schwierigkeiten und unangenehme Nebenerscheinungen, wie zum Beispiel die Sorgen um Förderungen, ergeben sich erst während des Entwicklungsprozesses. Leider hat man als Newcomer in Österreich fast keine Chance auf eine staatliche Unterstützung. Deshalb muss man sich als Filmemacher um jegliche Form finanzieller Hilfe und Promotion selbst kümmern. Leider ist dies auch sehr zeitaufwendig. Anders gesagt das schwierigste an diesem Projekt waren eigentlich nicht die Dreharbeiten an sich, sondern das ganze Drumherum.

Der Film wartet mit internationalen Künstlern und Bands auf, wie hast du den Kontakt zu diesen Leuten hergestellt?

Wir sind natürlich nicht um die Welt gereist um diese Leute zu interviewen, denn das wäre sich budgetär niemals ausgegangen. Aber zum Glück gibt es hier ein Wien eine große Dichte an Konzerten von großen Namen und so haben wir versucht diese Leute vor Ort zu erreichen.

Kannst du ein Paar Namen nennen?

Ich habe versucht aus jedem Genre Bands zu finden, die erstens schon einen Namen haben und zweitens auch schon lange genug im Geschäft sind um wirklich hilfreich über ihre Philosophie des Erfolgs zu erzählen. Aus dem Hip-Hop sind Cypress Hill und Grandmaster Flash dabei, aus dem Metal Sektor unter anderem Megadeth oder Apocalyptica und One Repuplic ist einer der größeren Pop-Acts.

Der Film versucht ja, aufgrund dieser Interviews so etwas wie ein Ratgeber für den Erfolg zu sein. Bist du mit dem Ergebnissen die sich aus den Gesprächen ergeben haben zufrieden?
An dieser Stelle muss ich natürlich vorsichtig sein, damit ich die Auflösung des Films nicht verrate.  Der interessanteste Aspekt der sich für mich aus den Gesprächen ergeben hat, ist sich die unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen der einzelnen Protagonisten miteinander verknüpfen. Ich muss aber auch sagen, dass die Doku sich selbst und ihr Programm nicht vollkommen ernst nimmt und deshalb in erster Linie als eine unterhaltende und auch lustige Geschichte zu sehen ist und weniger als ein informeller Ratgeber. Wenn sich junge Bands und Künstler Tipps daraus mitnehmen können ist das natürlich schön, aber sie sollen mir danach keine bösen Mails senden, wenn es mit dem Erfolg doch nicht geklappt hat.

Der Film ist derzeit in der Fertigstellung und wird voraussichtlich Ende dieses, bzw. zu Beginn des kommenden Jahres auf den ersten Festivals zu sehen sein. Bis dahin kann man sich über  Neuigkeiten zu „Welcome to the machine“ auf der Homepage des Regisseurs www.andreas-steinkogler.at informieren.

Interview: Alexander Csurmann

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