Payback Festival

payback„Do something good, while having a good time.“ Unter diesem Motto stand die erste Auflage des Payback-Festivals, im Strombauamt in Greifenstein. Am 5. und 6. Juni rockten Bands zugunsten des Entwicklungshilfe-Vereins Payback.

30 Minuten von Wien, direkt am Donauufer gelegen, bietet das Strombauamt eine nahezu perfekte Festival-Location. Auch das Wetter spielte mit und lieferte am ersten Tag strahlenden Sonnenschein, gute Vorzeichen also für ein gelungenes Festival.

Mit der Metal-Band Entwerter ging es gleich energiegeladen los. Obwohl der große Publikumsandrang noch auf sich warten ließ, lieferten die vier Musiker eine gute Show und machten unter den anwesenden Festival-Mitarbeitern ordentlich Stimmung. Vor allem der Sänger der Band lieferte – mit solider instrumentaler Unterstützung seiner drei Kollegen – eine unterhaltsame Show, ausgefüllt mit teils humorigen teils sozialkritischen Ansagen zwischen den Liedern. Trotz des leider kleinen Publikums hatte die sympathische Band sichtlich Spaß an ihrem Gig und überzeugte mit einer vollen und energischen Ladung Metal. Ein perfekter Auftakt!

Weiter ging es mit Fate Decided Otherwise aus Wien. Ihr deutlich vom Punk angehauchter Rock stellte einen doch recht starken Kontrast zur Musik von Entwerter dar. Trotzdem stand die Band der ersten in Sachen Energie nicht viel nach. Leider schaffte sie es nicht so sehr Stimmung unter den noch immer nicht wirklich zahlreichen Zuschauern zu machen. Trotzdem ein gelungener Gig, mit hohem Unterhaltungswert für alle Punkfans.

Für eine Auflockerung der bisher eher harten Töne sorgte der kurze Auftritt der sympathischen Singer/Songwriterin Maria Stern, die nur mit ihrer Akustikgitarre und Stimme ausgerüstete – und von ihrem kleinen Sohn auf der Bühne unterstüzt – auf satirische und humorvolle Weise doch bitterböse Kritik an Wirtschaft und der heimischen Politik (u.a. mit einem „Loblied“ auf Jörg Haider und den Kärtner Ortstafelstreit) lieferte. Leider waren ihre drei Lieder recht kurz, ein längerer Auftritt hätte sich gelohnt, angesichts der begeisterten Reaktion des Publikums.

Kurz nach 20:00 erklommen The Code die Bühne. Je später die Uhrzeit desto mehr Zuschauer versammelten sich auf dem Festivalgelände, die offensichtlich Gefallen an dem geradlinigen, eingägigen Alternative Rock der internationalen Formation fanden. Zwei Musiker der Band waren maßgeblich an der Organisation des Festivals beteiligt und konnten nun auch neben ihrem Organisationstalent ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Der Auftritt stellte eine weitere Bereicherung für das Festival dar.

Als vorletzte Band waren schließlich Tanaka an der Reihe. Mit ihrem deutschsprachigen Indie Pop/Rock reiht sich die dreiköpfige Band nahtlos unter Gruppen wie Tocotronic und Co. ein. Mit sozialkritischen Texten und einer gehörigen Portion Spaß brachte die Band ihren knapp eineinhalbstündigen Auftritt, für den routiniert über die Runden und zeigten, daß sie ein würdiger quasi-Headliner waren.

Headliner des ersten Tages waren The Attention! Mit eigenem Vintage-Equipment und Kleidung im Gepäck, ganz im Stile ihrer offensichtlichen Vorbilder aus den 60ern nahmen sie das mittlerweile doch schon auf eine ansehnliche Zahl angewachsene Publikum mit auf eine kleine Zeitreise. Die Band, die mittlerweile durch einen beachtlichen Tourplan in ganz Europa auf sich aufmerksam, überzeugte von Beginn an das Publikum durch ihre klassischen Rockriffs, eingängige Gesangsmelodien und old-fashioned Grooves. Auch wenn die offensichtliche Rückbesinnung auf die Anfänge des Rock ’n‘ Roll sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, reagierten die anwesenden Zuseher mit sichtlicher Begeisterung und ließen dem Drang zum Tanzen freien Lauf. Nach über einer Stunde entließen die Headliner ein müdes, aber zufriedenes Publikum in die erste Zeltnacht des Festivals, das am folgenden Tag um 15:00 seine Fortsetzung fand.

Den Anfang machte die junge Band Subcutain aus Wien, die sich mit ihrem melodiösem Rock gepaart mit schrillen Keyboardsounds als würdiger Opener des zweiten Festival-Tages erwiesen. Der Bassist der Band der an diesem Nachmittag seinen allerersten Gig absolvierte, konnte wie seine Kollegen auch auf ganzer Linie überzeugen.

Für gänzlich neue Klänge sorgte anschließend das Rap-Duo Die Wolltens aus Kais. Bei ihrem ersten Auftritt vor Publikum überzeugten die zwei Wortakrobaten mit fetten Beats und Rhymes und einer kräftigen Portion Humor. Besonderen Anklang fand die, für das Publikum zur freien Entnahme bereitgestellten, Kiste Bier der bevorzugten Marke Kaiser.

Wieder zurück in rockigen Gefilden, brachten die diesjährigen Gewinner des Local-Heroes Bandcontests The Austereties, die Stimmung mit ihrem erfrischenden Indie-Rock, der Marke Franz Ferdinand und Co., auf ihren ersten Höhepunkt. Mit anscheinender Leichtigkeit spielte sich die Musiker durch ihr circa einstündiges Programm und hinterließen mit ihrer Professionalität einen bleibenden Eindruck bei den Zusehern.

Ungewollte Abkühlung brachte, der kurz darauf einsetzende Regenschauer. Das Bühnenequipment wurde kurzerhand in Plastik verpackt und das Konzertgeschehen in die kleine Halle verlagert. Dort verkürzte der Voice-Artist Michael Krappel alias Fii, Urgestein der österreichischen Beatbox-Szene und Begründer der Band Mauf,  die Wartezeit auf besseres Wetter, mit seiner kurzweilig beeindruckenden Solo-Show.

Zum Wetterumschwung und der wieder strahlenden Abendsonne, schaffte die Band Hotel Prestige mit ihrem gefühlvollen, folkigen Gitarrenpop-Songs die passende Stimmung. Die eingängigen Melodien und durchdachten Lyrics, meist dreistimmig gesungen, regten zum Nachdenken und Schwelgen. Der Auftritt war sicher der emotionalste des Festivals und hinterließ auch einen demenstprechenden Eindruck bei den Besuchern des Festivals.

Mit ihrem Synthie-Gitarren Rocksound läuteten die Wiener Supermarket die Nacht und somit die letzten Stunden des Payback-Festivals ein. Auf ihrer Myspace Seite beschreiben sie ihren Stil mit den Worten „Space-Stoner-Ambient“, doch so ganz scheint ihre Suche nach dem „eigenen“ Sound noch nicht abgeschlossen zu sein. Das Set wirkte teilweise noch zu unentschlossen – man fühlte sich teilweise an die frühen Air erinnert, was durchaus positiv zu verstehen ist.

Als vorletzte Band bescherte die Band Fadin´ to Whiteout, rund um Mastermind Klaus Hinteregger, das Publikum mit waschechten Indie-Rockhymnen und vermochte es die Festival-Besucher ordentlich in rhythmische Bewegung zu versetzten. Im Programm war auch der hitverdächtige Song  „Where I Belong“ aus der aktuellen, gleichnamigen EP und auch neue Songs die einen Vorgeschmack auf das geplante Debutalbum  gaben. Die Band sorgte mit ihrem sympathischen Auftritt für den ersten echten Höhepunkt des Abends.

Den Abschluss des Abends und auch des Festivals, machte die östereichisch-französische Band Plexus Solaire. Die Band spielte sich mit ihren ausschließlich in französisch gesungen Songs sofort in die Herzen des zu diesem Zeitpunkt schon sehr zahlreichem Publikums. Die Musik ist eindeutig dem Rock zuzuordnen, dabei kommen typisch französische und folkige Elemente nicht zu kurz und geben der Band ihren eigenständigen Sound. Nach einem stimmungsgeladenen Set spielte die Band als letzten Song ihre Hitsingle „Malheureux“ aus ihrem aktuellen Album „Sant Detours“, der im letzen Jahr nach oftmaligen Airplay auch auf dem Sampler FM4 Soundselection erschien. Als Zugabe,  „Apelle moi“ ebenfalls aus „Sant Detours“, in einer extended Live-Version. Plexus Solaire waren auf alle Fälle ein würdiger Headliner des Festivals und konnten mit ihrem Auftritt in allen Belangen überzeugen.

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Alles in Allem war diese erste Auflage des Payback-Festivals eine gelungene Veranstaltung und ein Beweis dafür, dass man auch mit ausschließlich heimischen Bands, zwei Festivaltage qualitativ hochwertig füllen kann. Die Tatsache, dass das Geschehen zu einem guten Zweck veranstaltet wurde, macht die Sache umso schöner.

Bericht: Matthias Rigal Alexander Csurmann

Foto: Payback-Festival

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