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Kœnig »Messing«

»Messing« heißt das neue Album des musikalischen Alleskönners Lukas König, mit dem er nicht nur eine Fülle neuer, spannender Songs vorlegt, sondern auch mit den stilistischen und klanglichen Erwartungshaltungen seiner letzten beiden Studioproduktionen als Solokünstler bricht.
von Maximilian Zeller

Während sich das letzte Album »Best of 28« (2017) und die selbstbetitelte EP »kœnig« aus 2015 vor allem den Bereichen Hip-Hop und Pop widmeten – und König den Gesangspart sowie das Spielen von Schlagzeug und Synthesizern in einer Person vereinte –, steht auf »Messing« besonders das Experimentieren und Erforschen von Klangwelten im Zentrum. Der Fokus liegt dabei auf einer sehr reduzierten Instrumentierung des Schlagzeugs: Fast ausschließlich Becken dienten zur Erzeugung der auf dem Album enthaltenen Sounds. Der Titel legt hierbei einen Verweis auf das Wortspiel „messing around“ nahe, welches in diesem Fall vor allem als „herumbasteln“ verstanden werden kann. Durch die verschiedenen Spieltechniken, die ausgefallenen Mittel zur Klangerzeugung (beispielsweise mit Metallvibratoren oder Essstäbchen) und die spielerische Verwendung von Effektgeräten wirkt das Album wie ein stetiges und akribisches Tüfteln am Sound.

Nachdem Lukas König bei seinen ersten beiden Soloalben selbst für Produktion, Aufnahme und Mixing zuständig war, arbeitete er diesmal mit dem Produzenten Nik Hummer zusammen. Dieser war bereits zuvor an der Produktion der Platte »Accelerated Frames of Reference“ der Band Mopcut beteiligt, auf der König Schlagzeug spielt und die von seinen zahlreichen Projekten »Messing« klanglich vermutlich am nächsten steht. Zudem ist »Messing«, im Gegensatz zu seinen vorherigen Veröffentlichungen, nicht auf Laub Records erschienen (bei dem er auch selbst Mitbegründer ist), sondern auf dem Wiener Label Ventil Records.

Obwohl das Becken beinahe das einzige gespielte Instrument ist, lebt das Album besonders von seinem durchgängigen Abwechslungsreichtum. Das bezieht sich aber nicht nur auf die unterschiedlichen Sounds, sondern auch auf die zu hörenden Stilrichtungen und deren Auslotungsversuche, was besonders bei den drei Feature-Songs erkennbar ist. Im Gegensatz zu diesen, führt »Hot Springs« – mit etwa fünf Minuten das längste Stück – am Beginn zunächst aber in die eher noiselastigeren Ausschweifungen des Albums ein. Es setzt sich aus einer einzigen dronigen Klangwolke zusammen, die scheinbar kontinuierlich und in Nuancen variiert und moduliert wird. Das darauffolgende »Handrolls«, das in Zusammenarbeit mit der britischen Sängerin Elvin Brandhi entstand, bricht bereits durch die vokale Einleitung mit dem Sound des vorherigen Stücks. Stilistisch könnte man den Song beinahe dem Pop zuordnen, wobei er das Genre durchaus an seine Außengrenzen zu drängen versucht. Eine etwas brachialere Spielweise wird erstmals auf »Ceres« vorgestellt. Dessen Ende klingt beinahe so, als würde ein Becken zu Boden fallen, was bei dieser Art zu spielen gar nicht so abwegig ist . Die beiden Features »Mr. Kiwi’s« (mit dem New Yorker Rapper Sensational) und »Sesselleiste« (mit Coco Béchamel) gehen in Richtung Hip-Hop und enthalten neben den Beckenklängen zusätzlich auch Synthesizer-ähnliche Sounds. Besonders letzteres Stück ist aufgrund des beeindruckenden und harten Textes von Coco Béchamel zusammen mit dem darunterliegenden und abgehackten Spiel Königs ein persönliches Highlight des Albums. Die letzten Nummern auf »Messing« rücken danach wieder verstärkt das Becken und das damit klangliche Experimentieren in den Vordergrund.

Insgesamt ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Album voller klanglicher Experimentierfreude, dessen Live-Umsetzung besonders interessant wird und durch den visuellen Aspekt des Beckenspiels von König zusätzlich bereichert wird.

Cover-Foto: Rania Moslam

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