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Max Plattner Trio – II

Das österreichisch-italienische Max Plattner Trio veröffentliche Anfang April sein Debütalbum mit dem schlichten Namen „II“. Das Trio besteht aus Bass, Schlagzeug und Saxophon und kann durchaus als klassische Jazzcombo gesehen werden. Auch die Musik klingt zunächst sehr vertraut und weckt Erinnerungen an Berühmtheiten wie Bill Evans oder Keith Jarrett. Bei genauerem Hinhören und vor allem beim Durchhören aller Tracks nacheinander bemerkt man aber schnell einen zeitgenössischen Einfluss. Es gelingt dem Album durch den klassischen Einschlag sicher sehr gut das Interesse von Jazzliebhaber*innen zu wecken, und überrascht im nächsten Moment mit doch sehr modernen Zügen.
von Adam Zehentner

Die klangliche Landschaft, mit der man bei diesem Album konfrontiert wird, klingt Anfangs so wie man sie  von einem Jazztrio erwartet: Die dumpfen Kontrabass Klänge werden getragen durch einen eher dezenten Schlagzeugsound, damit genügend Platz vorhanden ist, um das Saxofon als ikonisches Soloinstrument in den Mittelpunkt zu setzen. Es scheint als, ob dieser simple Grundsound der Ausgangspunkt und die Inspiration des Gesamtkonzepts ist. Dennoch werden immer wieder Rhythmen abgerissen, unkonventionelle Sounds kombiniert oder unübliche Songstrukturen aufgebaut. Gewissermaßen das, was Jazz ausmacht. Im Gegensatz zu überladenen Freejazz Nummern die wie unzählige Farbkleckse auf einer Leinwand wirken, schafft es das Max Plattner Trio, dass man das Gefühl von Vertrautheit beim Hören nie verliert. Das Bild, was hier gezeichnet wird, sind eher harmonische Farbwechsel als stark abgegrenzte Flecken. Die tragende Rolle für diese Wechsel des Sounds trägt hierbei der Bass. Nicht nur das Wechseln zwischen Kontrabass und E-Bass macht hier den nötigen Unterschied aus, sondern auch was und wie gespielt wird, ist ausschlaggebend. Von einzelnen simplen Abläufen über Akkorde bis hin zu minimalistischer Begleitung ist alles vertreten. Die anderen beiden Instrumente sind klanglich eher gleichbleibend. Es sind zwar auch unterschiedliche Sounds auszumachen, bei der Sanredrum beispielsweise, jedoch sind diese Unterschiede nicht so gravierend wie beim Bass. Dafür steuern Saxofon und Schlagzeug gekonnt das Komplexitätslevel. Seichte, das Ohr verwöhnende Solos begleitet von dezenten Brushbeats wie zu Beginn des Songs „Neuschnee“, stehen im Kontrast zu jazzig schnellen Tonfolgen und hektischem Schlagzeug-Krawall. Auch wenn der Sound an sich, vor allem auch im Mix, sehr schlicht gehalten ist, wird sich hier nicht gescheut auch mal auf den Putz zu hauen. An einzelnen Stellen könnte man meinen man hört sich gerade eine Progressive-Rockband an, wenn da nicht das Saxofon wäre, was einen immer wieder daran erinnert, dass es sich hier um eine Jazzkomposition handeln muss.

Die wahre Gestalt dieses Albums kann man erst erkennen, wenn man es als ein Ganzes betrachtet. Abgesehen vom Spannungsbogen der sich sehr gut auf und ab bewegt wirkt die Musik an sich sehr filmisch. Nicht selten hat man das Gefühl sich in einer Szene aus einem alten Agentenfilm zu befinden. Es wirkt wie eine auf sich aufbauende Erzählung. Auch deswegen eignet es sich sehr gut, um am Stück durch gehört zu werden, wobei hier wohl gesagt werden muss, dass es durchaus auch bewusst gehört werden sollte. Es wäre wohl falsch es bei einer geselligen Runde im Hintergrund laufen zu lassen. Man sollte sich außerdem auch auf ein gewisses Maß an Abstraktheit vorbereiten.
Die erste Nummer „Cooking“, kann man als einen groovigen Einstieg bezeichnen. Danach wird die Grundstimmung ein wenig dunkler. Diese angespannte Stimmung findet sich immer wieder auch in anderen Songs und bildet ein wichtiger Teil des Gesamtbilds. Auch wenn man immer wieder durch leichte Swings und fröhliche klingende Melodien, zu denen auch die Singleauskopplung „Il Nano Masticatore“ zählt, aufgemuntert wird, sind es doch die schweren intensiven Nummern wie beispielsweise „Root of Pie“ die nach dem Hören noch einige Zeit nachwirken. Für alle Schlagzeugenthusiast*innen gibt es mit „Punctum“ ein besonderes Schmankerl in Form eines Schlagzeugsolos. Auch wenn ein Solo live bzw. mit dem visuellen Aspekt vielleicht meistens spektakulärer wirkt, ist es doch etwas Besonderes, wenn man gezwungen ist einfach zuzuhören und der Komposition des Solos nur mit seinen Ohren zu folgen. Abgesehen von diesem Highlight fehlt es in den Songs nicht an musikalischer Raffinesse und es wird das Gefühl vermittelt, dass es sehr viel Spaß machen muss diese Lieder zu spielen. Es ist ein Album mit Höhen und Tiefen, mal laut mal leise aber vor allem sehr lebendig. Durch die immer wieder auftretende intensive Stimmung und Ernsthaftigkeit bekommt die Musik eine Tiefe die man auch im Finale des Albums „Appartenenza“ wieder deutlich zu spüren bekommt.

Fotos: © MoniQue Foto

Album Artwork: © Fekry Helal

 

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