Hey, wie war eigentlich die Kleio Records Tour?

Das österreichische Label Kleio Records tourt derzeit mit einigen hauseigenen Bands durch das Land. Am 15. November haben sie im Wiener Fluc Halt gemacht, die Bands Listen to Leena, James Choice & the Bad Decisions sowie Please Madame mit im Tourbus.

Die oberösterreichische Band Listen to Leena machte den Anfang. Bisher hatte ich die Band noch nicht auf dem Radar. Nach ihrem Auftritt hat sich das jedoch geändert. Ihr alle könnt sie gleich auf euer Radar setzen! Auf der Bühne befand sich eine für Pop übliche Formation mit Stimme, Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug, durch die wegen der zusätzlichen Posaune eine frische Brise weht. Die Mitglieder von Listen to Leena sind keine Neulinge in der Musik, das ist schnell ersichtlich bzw. hörbar. Der Schlagzeuger haut beeindruckende Grooves raus, die trotzdem zur poppigen Musik passen, der Keyboarder zeigt sein Können in einem fetten Solo, der Bass wird hier weniger als Rhythmus, sondern als Melodieinstrument eingesetzt und die Sängerin!… Ach, hört es euch einfach an, dann kann ich aufhören zu schwärmen.

Die zweite Band, James Choice & the Bad Decisions bringen sofort und ohne Anstrengung viel Energie auf die Bühne. Jede Gelegenheit wird genutzt um einen gemeinsamen Akzent der Band zu machen. Richtige Akzentreiter eben. Durch die Ausgefeiltheit der Arrangements und die Mehrstimmigkeit erhält die Musik von James Choice & the Bad Decisions eine besondere Färbung, die ihren eigenen Stil ausmacht. Ein hoher Anspruch an die eigene Musik ist bei ihnen spürbar: Sogar in den Rhythmus des Shakers scheinen viele Gedanken investiert worden zu sein.

Nach den beiden ersten Bands fallen Please Madame, die dritte Band des Abends, ein wenig aus der Reihe. Die Songs sind einfacher gestrickt, die Schlagzeugbeats auf ein Minimum reduziert, ebenso wie die Gitarrenmelodie. Persönlich haben mir dabei die Überraschungsmomente gefehlt, die Anlass zu einem kleinen oder großen Grinsen geben, wie etwa überraschende Stops, verspieltes „Gitarrengedudle“ oder besondere Schlagzeugfills. Diese asketische Rohheit besitzt dennoch einen gewissen Reiz und radio- und tanztauglich wird ihre Musik damit auf alle Fälle.

Der Abend war nicht nur ein guter Konzertabend, sondern konnte auch zeigen, wie ernst das Label Kleio Records, trotz der erst kurzen Zeit seines Bestehens, genommen werden kann und möchte. „Einerseits war die Tour eine Möglichkeit für die Bands zu spielen und sich dem Publikum zu präsentieren und andererseits um zu zeigen, uns gibt es nicht nur in Wien, sondern auch in den Bundesländern“, sagt Jonathan Gabler, der Gründer und Betreiber von Kleio Records. Über einzelne Bands und Labels hinausgehend veranschaulichen Abende wie dieser, was die österreichische Musiklandschaft zu bieten hat und dass sie es wert ist, gehört zu werden.

Zum Abschluss muss ich leider noch ganz kurz „sudern“. Die Fluc Wanne: Räumlich ist das Fluc für einen Veranstaltungsort sehr ungewöhnlich mit seiner Schlauchform, was es schwierig macht, zentral vor der Bühne zu landen. Das Backstage muss über eine Stiege direkt neben der Bühne betreten werden und deshalb wird man während des Konzertes immer wieder abgelenkt, wenn jemand ein- und ausgeht oder Füße am Ende der Treppe neben den Köpfen der Bandmitglieder hin- und herlaufen. Und: Es gibt eine einzige Damentoilette. Eine, ja genau, richtig gelesen, eine 1!

Falls ihr gerne mehr über Kleio Records herausfinden möchtet, dürft ihr euch schon auf Montag freuen, denn da erscheint unser Interview mit Jonathan Gabler, dem Gründer und Betreiber des Labels.

 

Text: Mira Achter

Fotos: Michael Lackner

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