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Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Marlene Brüggemann

In dieser Ausgabe von „Backstage“ haben wir uns dem Ton gewidmet. Die Live-Tontechnikerin Marlene Brüggemann erzählt uns im ersten Teil davon, wie sie zu ihrem Beruf gefunden hat, dem Tourleben und ihren Wünschen für 2021. Nachzuhören gibt es das Interview auch in unserem ersten Podcast auf Anchor.
Nora Blöchl

Klänge und Geräusche – Phänomene mit denen sich Marlene Brüggemann schon seit ihrer frühen Kindheit beschäftigt. Aufgewachsen ist sie in der klassischen Musik, mit einer Bratsche und dem Orchester. Nachdem sie ihr Bachelorstudium in Philosophie abgeschlossen hatte, gabs dann ein großes Fragezeichen: Journalismus, den Master oder doch etwas völlig anderes? Und irgendwann war ganz klar, dass Klänge auch Gegenstand ihres Broterwerbs werden sollten, nämlich in der Position als Tontechnikerin.

Nach dem Motto Learning by Doing stürzte sie sich 2016 mit Mentorin Gitti Petri in ihr erstes Festival, das Leise Art Festival. Und das, ohne zu wissen, was ein XLR-Kabel ist. „Wenn ich mir das jetzt so überlege, ist das eigentlich unvorstellbar. Ich habe da die gesamte Bühnentechnik gemacht, ohne zu wissen, was ein XLR-Kabel ist. Das habe ich dann ziemlich schnell herausgefunden.“, erklärt sie im Interview und lacht. Nun steht sie im B72 und im Tanzquartier Wien hinter den Reglern und mischt die Dives live auf Tour.

Sich auf Live-Konzerte zu spezialisieren, hatte nach der Ausbildung in der Tontechnikschule tone-art einen rein pragmatischen Grund. Mit 26 wollte Marlene ihr Geld damit verdienen, Musik zu mischen und konnte sich kein eigenes Studio leisten. Den Push gabs dann nach viel nicht entlohnter Arbeit mit den ersten Aufträgen, die nach und nach von Künstler_innen und verschiedenen Häusern hereinkamen.  Es dauerte auch nicht lange bis sie außerhalb Österreichs unterwegs war. Mit den Dives tourte sie durch Deutschland, Italien, Ungarn, Tschechien, Serbien und Slowenien. Auch eine größere Tour durch Luxemburg, Frankreich und wieder Deutschland wäre geplant gewesen, doch leider lässt das Tourleben noch etwas auf sich warten. In Erinnerungen schwelgen kann man aber wohl noch: „Auto, Pommes und Schnarchen!“, so beschreibt sie es und natürlich viel Arbeit hinter dem Pult. Vor Konzerten hat Marlene natürlich ein Ritual – sie liegt auf einer Couch, raucht eine und unterhält sich mit den Leuten von der Venue.

Kommunikation ist generell ein sehr wichtiges Thema für ihren Arbeitsbereich: „Ich versuche immer eine Kommunikationsbasis zu schaffen, die sehr offen ist. Man muss viel und klar kommunizieren. Das ist mir sehr wichtig. Man muss das Vertrauen der Musiker_innen erlangen und das bekommt man nur, indem man Interesse zeigt, sich mit der Musik auseinandersetzt und fragt, wie sie sich das vorstellen.“

Aufträge stehen aufgrund der aktuellen Maßnahmen gerade nicht an der Tagesordnung, weswegen Marlenes Arbeitsalltag jetzt eher im Buchhaltungsbereich liegt, der ja eigentlich den kleinsten Teil ausmachen sollte. Zur Pandemie steht sie aber ganz klar: Von der Illusion, nach Corona zur präpandemischen Normalität zurückzukehren, gilt es sich zu verabschieden. „Es weiß niemand, wann es vorbei sein wird und es macht auch keinen Sinn, zu glauben, dass das dann einfach so weg ist.“ Aufeinander acht zu geben und für alte Menschen und Personen mit Vorerkrankungen Abstand zu halten, steht für Marlene außer Frage.

Trotzdem verweist sie auch auf Studien, die belegen, dass die Ansteckungsgefahr in großen Sälen mit raumlufttechnischer Anlage eher gering ist. „Man sollte pragmatisch an diese Situation herangehen und ich denke, dass man da nur hinkommt, wenn man das alles ein bisschen differenzierter betrachtet, indem man mit Untersuchungen neue Erkenntnisse gewinnt und die auch für sich verwendet.“ Ob das Bedürfnis in Österreich vorhanden ist, pragmatisch und wissenschaftlich im Veranstaltungsbereich vorzugehen, stellt sie jedoch in Frage.

Auf die Frage, was sie sich bis zum Ende des Jahres 2021 wünscht, folgt eine kleine Pause und sie scherzt: „Es fragt mich selten jemand, was ich mir wünsche.“ Ihre Antwort kommt dann aber sehr schnell: „Einfach arbeiten zu können! Der größte Wunsch wäre es, meinen Job nicht erzwungenermaßen aufgeben zu müssen. Es kann natürlich sein, dass sich das nicht ausgeht. Aber mal positiv: Ich wünsche mir hinterm Pult zu stehen und die Magic Moments dort zurück!“

Fotos von Theresa Pewal (Titel) und Tina Bauer (Sidebar)

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