fbpx

Backbeat Science: Holz und Hölzer

Fein gebürstetes Aluminium oder die natürlichen, einzigartigen Formen einer schönen Holzmaserung können Schlagzeuger-Herzen höher schlagen lassen. Es ist jedoch nicht nur die Optik, auf die das Material eines Schlagzeugs Einfluss nimmt. Jeder, der sich einmal selbst neues Equipment zugelegt hat, kennt das Dilemma: Sollte die Snaredrum aus Metall oder Holz sein? Was für Metalle und Hölzer werden verarbeitet und wie verändern diese den Sound des Instruments? Dieser Artikel versucht ein wenig Klarheit in die neblige Welt der Schlagzeug Materialien zu bringen.
Adam Zehentner

Natürlich ist das Material nicht der einzige Faktor, wenn es um den Klang einer Trommel geht. Wenn man es streng nimmt, ist er nicht einmal unter den Top drei Faktoren. Die Bauart, Konstruktion, Gratung oder auch die Maße eines Kessels tragen wohl am meisten dazu bei, wie das Endresultat klingt. Warum also mit Materialen beschäftigen? Das Material spielt vielleicht nicht die größte Rolle, jedoch kann man nicht abstreiten, dass es doch einen Unterschied machen kann. Es färbt den Sound in seinem Grundcharakter. Jeder weiß, dass Holzkessel ein wenig weicher klingen als jene aus Metall. Und auch innerhalb der Materialtypen gibt es Unterschiede. So kann man einem Buchenkessel andere Eigenschaften zuordnen als einem aus Ahorn. Und auch der Messingkessel wird ein wenig anders klingen als der aus Stahl. Es geht also darum eine gewisse Vorstellung oder einen Anspruch an den Sound eines Schlagzeugs zu haben und diesen schon bei der Auswahl des Materials zu beachten.

Die Klassiker unter den Hölzern
Doch nun ans Eingemachte. Holz ist das Material, das die meisten Leute für ihr Schlagzeug favorisieren. Auch wenn das bei der Snaredrum ein wenig anders aussieht, werden doch die meisten Schlagzeuge aus Holz gefertigt. Generell eignen sich dafür Harthölzer am besten. Der Klassiker hierbei ist wohl Ahorn. Man kennt es vor allem von den großen Herstellern aus den USA wie z.B. Gretsch und Ludwig. Klanglich ist dieses Holz der Allrounder unter den Mitstreitern, weswegen es wahrscheinlich auch so oft zum Einsatz kommt. Es klingt sehr voll und ist auch in den tieferen Frequenzbereichen ausgewogen. Wer jedoch auf einen tieferen Grundton abzielt, sollte sich eher mit den dafür vorgesehenen Holzarten beschäftigen, doch dazu später mehr. Zuerst gehen wir in die andere Richtung. Die Birke kann dem Ahorn sehr ähnlich sehen und auch klanglich gleichen sich die zwei Holzarten. Was sich unterscheidet, ist, dass die Birke in den unteren Frequenzbereichen nicht so präsent ist, dafür aber offener klingt als Ahorn. Es ist somit ein sehr neutraler Sound. Geografisch gesehen sind Birken in Asien sehr verbreitet und werden deshalb dort auch viel verwendet. In Europa gibt es beispielsweise sehr viel Buchenholz. Dieses wird mittlerweile auch sehr oft vom deutschen Hersteller Sonor verwendet. Klanglich kann man das Buchenholz als linear bezeichnen. Es gibt also keine offensichtlichen Bereiche, die durch die Verwendung von Buchenholz hervorgehoben werden. Darum eignet es sich für Musiker und Musikerinnen, die sich alle Wege offen halten wollen.

Tiefenbetonte Hölzer
Kommen wir nun zu den etwas spezielleren Hölzern wie z.B. Bubinga. Es ist ein sehr edler Werkstoff und bewirkt einen etwas tieferen Grundsound. Es eignet sich also, wenn man einen wuchtigen aber nicht zu dumpfen Sound verfolgt. Durch die Anhebung der unteren Frequenzbereiche verliert man natürlich ein wenig Offenheit und Brillanz. Das Holz ist ein Tropenholz und deshalb sollte man sich vor dem Kauf vergewissern, dass es zertifiziert ist. Ist es dies nicht, läuft man Gefahr die illegale Abholzung der Regenwälder zu unterstützen, was man natürlich keines Falls tun sollte. Da es gar nicht so einfach ist zertifiziertes Tropenholz zu finden, kommen wir nun zur Alternative von Bubinga: Walnussholz. Es ist ebenfalls ein Garant für einen etwas tieferen Grundton und bietet dabei einen sehr soliden Attack. Es wächst außerdem an vielen verschiedenen Orten und stellt somit keine Gefahr für unser Klima dar. Die letzte Holzart, die den Bassbereich bedient und die wir hier aufzählen wollen ist, die Eiche. Eichenholz klingt richtig satt im unteren Bereich und kann sich somit bei Walnuss und Bubinga mit einreihen. Welches der drei schlussendlich das richtige ist, wenn man einen tieferen Grundton verfolgt, ist schwer zu sagen. Wie gesagt spielen hier noch eine ganze Menge anderer Faktoren eine Rolle.

Die Klassiker unter den Metallen
Neben den Hölzern spielt auch die Verarbeitung von Metall eine große Rolle beim Schlagzeugbau. Es gibt zwar noch Manufakturen, die Schlagzeuge komplett aus Metall fertigen (LINK SCHAGERL), jedoch ist es heutzutage eher üblich, dass nur die Snaredrum aus Metall gemacht ist. Warum ist das so? Wahrscheinlich weil die Snare sehr durchsetzungsstark sein muss, was uns zum Hauptunterschied zwischen Holz und Metall führt: Metall klingt so wie man es sich vorstellt, nämlich härter als Holz. Außerdem kommt es oft vor, dass Metall ein wenig mehr Obertöne liefert. Doch auch hier gibt es intern wieder Unterschiede. Der am meisten verwendete Werkstoff ist sicherlich Stahl. Eine Stahlsnare kann man wohl als sehr durchsetzungsstark bezeichnen. Sie hat viele Höhen und eignet sich für laute Schlagzeuger und Schlagzeugerinnen, die gerne mit vielen Rimshots spielen. Der nächste Werkstoff, den wir beleuchten, ist Aluminium. Auch hier ist „durchsetzungsstark“ das Wort, das am besten passt. Der Unterschied zu Stahl liegt vor allem im Sustain, d.h. in der Dauer wie lange der Kessel schwingt und singt. Aluminium klingt ein wenig kürzer, was wohl an der geringeren Dichte des Materials liegt.

Die besonderen Metalle
Eine ganz andere Richtung schlägt man ein, wenn man sich für eine Trommel aus Kupfer entscheidet. Kupfer hat als Werkstoff für Instrumente eine lange Tradition und wird auch heute noch gerne verwendet. Das Markenzeichen von Kupfer ist die Präsenz. Kupfersnares haben eine einzigartige Ansprache. Egal ob ganz leises oder lautes voluminöses Spiel, sie klingt immer klar und spricht sofort an, was beim Einsatz in einem Orchester sehr Vorteilhaft ist. Der Mittelweg zwischen Kupfer und Stahl wäre wohl Messing. Messing hat ein ähnliches Dursetzungsvermögen wie Stahl, jedoch behält es seine Klarheit selbst bei lauten Rimshots. Klanglich liefert das goldene Metall deutlich mehr Bässe als seine Konkurrenten. Ebenfalls sehr Bass betonend ist der Werkstoff Bronze. Er ist wohl der dumpfste von allen Metallen, auch wenn Metalle an sich wohl nicht als dumpf bezeichnet werden können. Was ihn sonst noch auszeichnet ist, dass er sehr moderat klingt und deshalb für laute Musik vielleicht nicht ganz so gut geeignet ist. Man könnte ihn auch als den gemütlichsten Werkstoff unter den Metallen bezeichnen.

Es gibt natürlich noch mehr Hölzer, Metalle und auch andere Materialen, die im Schlagzeug- und Trommelbau verwendet werden, auf die wir hier nicht eingegangen sind. Das ist aber auch nicht der Anspruch dieses Artikels. Es soll nur hervorgehoben werden, dass das Material beim Suchen eines gewissen Sounds eine Rolle spielen kann. Auch wenn es andere Faktoren gibt, mit denen sich der Klang besser steuern lässt, so bildet das Material einen klanglichen Startpunkt ab, von dem aus man seinen Sound einstellt. Auch beim Spielen fühlt man einen Unterschied zwischen Holz und Metall. Es ist ein Zusammenspiel von Haptik, Optik und natürlich dem Klang des Materials. Deswegen ist es nicht uninteressant sich damit auseinanderzusetzen.

Beiträge zum Stöbern