Double-Drum-Tech-Talk

Die Drum-Techs von Bilderbuch und Wanda im Interview

Damit ein Konzert über die Bühne gehen kann, sind viele Menschen und Handgriffe, die im Hintergrund agieren und passieren notwendig. Alex Kerbl und Peter Schiendorfer nehmen als Drum-Techs von Bilderbuch bzw. Wanda genau eine solche Position ein. Ziel ist es dabei sogar, während der Konzerte so wenig wie möglich für das Publikum sichtbar zu sein. Wir haben die beiden zu einem Interview getroffen, um herauszufinden, was sie vor, während und nach einem Konzert machen, was alles schief gehen kann und was den Schlagzeugsound der beiden Bands ausmacht. 
von Mira Achter

Ihr seid zwar beide als Drum-Techs auf Tour unterwegs, aber kommt eigentlich aus recht unterschiedlichen Richtungen. Was macht ihr außer diesem Job und wie spielt das hinein in eure Arbeit als Drum-Tech? 

Peter: Für mich war immer klar, ich will mit Musik arbeiten. Welche Rolle ich übernehme, das war mir relativ egal. Ich habe vor sechs Jahren begonnen Tontechnik an der SAE zu studieren.  Ich habe dann irre schnell die Chance bei Wanda bekommen. Wenn ich an die Anfangszeit zurückdenke, das Adrenalin, die Nervosität, das erste mal auf den großen Bühnen, da war noch keine Souveränität, Gelassenheit und Coolness.

Alex: Ich bin auch immer noch nervös. Wenn du vor Leuten spielst, willst du, dass das läuft, egal ob du auf oder hinter der Bühne bist. 

Peter: Wanda haben mir das Vertrauen geschenkt und mich aufblühen lassen. Da kann ich mich richtig austoben, mir was überlegen und vorschlagen und dann auch ausprobieren. Egal ob das ein neues Stativ, ein neues Mikrophon, eine neue Mikrophonierungsart, ein neues Fell oder ein neuer Snare-Teppich ist. Nebenbei bin ich auch oft bei Produktionen im Studio dabei und mache zum Beispiel das Setup und stimme das Schlagzeug hin. Meine Arbeit wird dabei immer detailreicher und das gefällt mir enorm. Es kommen immer mehr Leute zu mir, die wirklich an dem Sound arbeiten wollen und für die es nicht nur darum geht, welche Snare oder welche Becken sie nehmen sollen.

Alex: Ich komme eher von der musikalischen Seite. Ich habe Schlagzeug studiert und immer in verschiedensten Bands gespielt und ausgeholfen, zum Beispiel bei Milk+, Cari Cari, Leyya oder den Steaming Satellites. Leider in keiner Band, die ständig unterwegs ist. Anders als Peter, der das Instrument dadurch kennenlernt, dass Bands zu ihm kommen, die einen bestimmten Sound wollen, habe ich das durchs Live Spielen sowie im Studio gelernt. Jede Band in der man aushilft, will einen anderen Sound haben und ich muss da nicht meinen Stempel draufdrücken. Meine Aufgabe ist es nicht den Sound für ein paar Gigs zu verändern, sondern ihn zu reproduzieren. Dabei lernt man ziemlich viele Facetten davon kennen, wie etwas funktionieren kann. Dadurch verstehe ich als Drum-Tech schneller, welchen Sound jemand möchte. Der Job ist aber etwas ganz anderes, als Musiker zu sein. Man baut zwar genauso das Schlagzeug auf, aber jemand anderer bedient es dann. Daran muss man sich gewöhnen, aber wenn man das geschafft hat, ist es trotzdem gut. Es geht dabei ja darum, dass die ganze Crew das gemeinsam stemmt und bei Festivals x-tausend Leute, die mit einem guten Gefühl nach Hause gehen sollen, beschallt. Und da ist jeder der mitarbeitet, verantwortlich. 

Gab’s schon Worst-Case-Szenarien, die wahr geworden sind? 

Alex: Nein, Gott sei Dank nicht! Es ist noch nie ein Fell während der Show gerissen. Am blödesten wäre es, wenn das Kick-Fell reißt. Dann müssten wir nämlich das ganze Schlagzeug auseinanderreißen. Für die Amps und Gitarrensimulationen haben wir Ersatz mit. Beim Schlagzeug haben wir auch das meiste. Snare und Becken gibt es extra, auf ein Tom kann man verzichten, wenn es reißt. Normalerweise haben wir aber keine extra Kick mit, das bedeutet, wir müssten das Fell wechseln und könnten in der Zwischenzeit nur ein Trigger-Pedal verwenden. 

Peter: Wir haben immer ein riesengroßes Patch dabei. Wenn es einen Riss gibt, kann man das auf das Fell kleben. Es klingt zwar scheiße, aber es funktioniert. Es gibt trotzdem immer wieder Sachen, die nicht perfekt laufen. Einmal hatten wir eine Showunterbrechung, weil Wasser in einen Verteiler gekommen und der Strom flöten gegangen war. Was das Schlagzeug betrifft ist es aber auch unser Job, zu schauen, ob noch alles passt. Ich stimme das Ding, schaue wo Probleme sind und tausche das dann gleich aus.

Welches Wissen war notwendig, damit ihr den Job bekommen habt und ihn machen könnt? 

Alex: Bilderbuch ist eine Band, die ihren Scheiß beisammen hat. Sie wissen, welchen Sound sie wollen und kennen sich technisch super aus. Deshalb musste ich keine besonderen Qualifikationen haben. Ich weiß was Pille (Anm.d.R. der Schlagzeuger von Bilderbuch) auf der Bühne braucht, damit er sich wohlfühlt, weil ich auch selber weiß, was ich haben will, wenn ich einen Gig spiele. Und als Basics muss man einfach wissen, wie man das Schlagzeug auf- und abbaut und welche Schrauben man drehen muss, wenn während dem Gig etwas kaputt geht. 

Peter: Als Drum-Tech muss eine gewisse Grundkenntnis über das Instrument da sein. Aber die wichtigste Komponente an dem Job ist meiner Meinung nach die soziale Kompetenz. Wenn du mit dem Menschen nicht kannst, wenn du engstirnig bist und nur deine Linie verfolgst und nicht lernst, wie der andere gewohnt ist zu arbeiten, dann wird das nicht funktionieren. Das entwickelt sich auch, wenn man sich besser kennenlernt. Dann finden Ratschläge und Veränderungsvorschläge ein ganz anderes Gehör. Weil ich nebenbei auch für Studioproduktionen arbeite, lerne ich oft neue Sachen, die ich Lukas (Anm.d.R.: Schlagzeuger von Wanda) vorschlage und bei ihm ausprobiere. Es gibt aber auch Sachen, die ich anders cooler finden würde. Ich weiß aber, das ist der Sound den er haben möchte und akzeptiere, dass das so ist. 

Was ist für euch bei der jeweiligen Band das wesentliche am Schlagzeugsound? 

Alex: Naja, bei Bilderbuch ändert sich das. Zuerst waren es tief gestimmte Trommeln und dicke Felle mit Dämpfungsring. Jetzt spielt Pille eine relativ knackig, knochige Kick auf der er offen spielt, weil die Trommel dann mehr resoniert und auch die Toms sind offen gestimmt. Dazwischen war er mit einem E-Schlagzeug unterwegs. Darum gibt es am Schlagzeug nicht DEN Bilderbuch-Sound. 

Gibt es nicht zumindest bei der Snare bestimmte Anforderungen oder Vorstellungen, wie sie klingen soll?  

Alex: Natürlich ist das Snarefell ordentlich festgezogen, damit es richtig knackt. Wir wechseln bei den Fellen immer hin und her zwischen Ambassador und Emperor Fellen von Remo. Das Ambassador hält leider nicht so lange und klingt dafür super, das Emperor klingt hingegen nicht so geil, hält aber länger.  

Was ist wesentlich für den Schlagzeugsound bei Wanda? 

Peter: Da kommen mehrere Komponenten zusammen: Zum einen muss er zum Sound der Band passen, wie er durch die Studioaufnahmen festgelegt ist. Dabei ist die Snare eher tief und bauchig gestimmt gewesen. Dazu kommt dann, dass Lukas eine gewisse Vorstellung davon hat, welchen Sound er für sein Spielgefühl braucht. Wenn man immer nur eine tiefgestimmte, lockere Snare spielt, macht das nicht so viel Spaß. Und die dritte Komponente ist die technische Komponente, weil der Sound mit den Monitor- und FOH-Sounds (Anm.d.R.: FOH-Sounds ist das, was das Publikum hört) noch abgestimmt werden muss. Je nach Raum und Position im Raum ist eines der drei kleinen Toms im Frequenzbereich der Snare. Sie schwingt also mit, wenn man das Tom spielt. Da muss ich mich dann mit Lukas und der Technik abstimmen und beispielsweise das Intervall der Toms verändern. 

Wie kann man sich den typische Arbeitsablauf an einem Konzerttag auf Tour vorstellen? 

Alex: Weil auf der letzten Bilderbuch-Tour immer relativ viele Bühnedeko aufgehängt werden musste, war das immer als erstes dran. Bevor das fertig ist, habe ich noch keinen Platz auf der Bühne. Später, wenn mal die Instrumente stehen, kann man nicht mehr zu den Traversen auf denen das alles befestigt ist. Sobald das fertig ist und die Drum-Riser stehen, baue ich alles auf, mikrophoniere, verkabele alles und mache den Linecheck. Danach gibt es noch den Soundcheck mit der Band. Bei der Show geht es dann darum, Schlagzeug bzw. Schlagzeuger zu betreuen plus Percussion und den Percussionisten. Bei dem aktuellen Setup sind die Riser sehr hoch, weshalb ich während der Shows immer hinter den Risern war. Die Leute merken nicht, dass ich dort stehe und wenn etwas ist, muss ich nicht über die halbe Bühne rennen. Wenn die Show vorbei ist, schaut man, dass man so schnell wie möglich die Bühne wieder frei macht, damit die Rigger die Sachen wieder von den Traversen bekommen und einräumen können. (Anm. d.R.: Rigger sind dafür zuständig, Boxen, Lampen und Dekoration an den Gerüsten und Traversen zu montieren). Fertig eingepackt nach der Show sind die Sachen um halb zwei, bis der LKW geladen ist, ist es halb drei. Dann fahren wir mit dem Nightliner los. 

Peter: Wir arbeiten mit einer Produktionsfirma zusammen, von der Ton und Licht kommt. Das heißt, wir müssen uns nicht um alles kümmern. Sie arbeiten meistens schon um acht Uhr früh. Für uns Backliner ist um 10 offizieller Beginn. Wir machen dann auch einen Linecheck, wo wir alles schon grob einstellen. Der Soundcheck war meistens zwischen 14 und 15h. Nach der Show sind wir meistens um 23.30 fix fertig. Weil die Produktionsfirma dabei ist und jeder weiß was der andere macht, können wir relativ gut parallel arbeiten. Das hat uns oft den Arsch gerettet! Wir hatten einmal 8 Stunden Verspätung, das heißt wir sind um 17h angekommen und haben es trotzdem geschafft pünktlich anzufangen.

Danke für das Interview!

 

Foto links: Max Hartmann

Foto rechts: privat

Beiträge zum Stöbern