Das p.p.c. Graz im Portrait

Das Grazer project pop culture kann für sich beanspruchen, verlässliche Konstante im sonst eher flüchtigen heimischen Musikbusiness zu sein. Abseits des so genannten Mainstreams betreiben Programmchef Dietmar Tschmelak und sein Team dort seit mittlerweile 10 Jahren Popkulturpflege auf bemerkenswertem Qualitätslevel. Von Martin Macho

Wenn in Österreich Popkultur zum Projekt erhoben wird, sind das meist zahnlose Episoden mit festgelegtem Anfang und voraussagbarem Ende. Die Halbwertszeit erwähnenswerter Nachwirkungen kommt der Dauer des Kopfschüttelns darüber ziemlich nahe. Demgegenüber ist das p.p.c. in der Grazer Neubaugasse der Projektphase eigentlich schon lange entwachsen. Im Namen klingt vielleicht noch nach, was Ende der 90er Jahre Ansporn für einige junge lokale Veranstalter war. Mit Ausnahme des Orpheums verfügte Graz damals nämlich über keine nennenswerte Location, die sowohl preis-, als auch austattungsmäßig günstig gewesen wäre.

Der chronische Mangelzustand schrie förmlich nach ehebaldigen therapeutischen Maßnahmen. Dietmar Tschmelak, der Programmverantwortliche des p.p.c., erinnert sich: „Ich habe damals versucht, wichtige Veranstalter, wie zum Beispiel Stefan Auer vom Zeiger, alle an einen Tisch zu bringen. Das war schon deswegen wichtig, weil Graz ja 2003 Kulturhauptstadt werden sollte.“ Der „Therapeutenkongress“ verständigte sich in weiterer Folge auf das Vorhaben, die Räumlichkeiten des Theatro in der Neubaugasse mit Hilfe der Stadt neu zu adaptieren. Der Plan gelangte zeitgerecht zur Umsetzung, im Jänner 2003 öffnete das „project pop culture“ pünktlich seine Pforten. Bereits im Jahr zuvor war das p.p.c. als Gesellschaft aus der Taufe gehoben worden.

Den Verschiedenlichkeiten im Segment Popmusik Rechnung tragend, profilierte sich die Location fortan als beständiges Veranstaltungszentrum von internationalem Renommee. „Es war uns immer wichtig, viele unterschiedliche Acts ins p.p.c zu bringen,“ betont Dietmar Tschmelak die programmatische Stoßrichtung. „Es soll eine Bühne für Live-Konzerte sein, aber auch DJ-Geschichten aus dem sehr interessanten internationalen elektronischen Umfeld. Dazu gibt es sehr viele Clubs von regelmäßigen Veranstaltern aus der Stadt: Elektro, Hip-Hop, Drum & Bass, und auch Rock’n’Roll.“ Eingesetzte personelle Ressourcen sind bedarfsabhängig und variieren demnach je nach Art der Veranstaltung. „Weil beispielsweise ein Club ganz einfach weniger Personal benötigt als etwa eine Live-Show,“ so der Programmchef.

In klarer Abgrenzung zum herkömmlichen Discobetrieb sind im p.p.c. die Inhalte vorrangig. Dabei orientiert sich die Zusammenstellung der Events unverkennbar am alternativen Musikumfeld. Gefragt nach bisherigen Höhepunkten ziert sich Dietmar Tschmelak nicht mit Bescheidenheit, und das völlig zurecht. Die Liste der bisher aufgetretenen Künstler kann als Maßstab für ähnliche Projekte im Indie-Alternativ-Sektor gelten. Zudem bildet sie die Reichweite und erworbene Bedeutung des project pop culture eindrucksvoll ab. Viel Spaß all denjenigen, die hier noch die Highlights suchen wollen (die Aufzählung sei hier nur auszugsweise wiedergegeben): „Aus Deutschland von Jennifer Rostock über Kraftklub, Madsen, Beatsteaks, Tomte, Blumfeld, Clueso bis hin zu Blumentopf;The Cat Empire aus Australien; aus England Frank Turner; große Metalshows wie Sepultura; Björn Dixgard von Mando Diao; im DJ-Bereich zum Beispiel Pendulum oder Fritz Kalkbrenner. National hat bei uns auch schon so ziemlich alles gespielt: die Staggers, Red Lights Flash, Bauchklang, Kreisky,Naked Lunch, Guadalajara, 3 Feet Smaller, Effi, die Vamummtn…“

Selbstredend ist den p.p.c.-Machern besonders an der Förderung heimischer Popmusik gelegen. Durch die enge funktionelle Verwobenheit mit dem Grazer Independent-Radio Soundportal kann jungen Bands und Interpreten sowohl live als auch on air die Chance zur Aufmerksamkeitserzeugung geboten werden. Albumrelease-Shows von Newcomern gehören ebenso zu den Fixpunkten des p.p.c.-Programms wie das Styrian Stylez-Festival, bei dem drei Konzerttage lang ausschließlich steirische Künstler performen. Schließlich war das p.p.c. auch Mitinitiator des heute größten nationalen Bandcontests Local Heroes Austria. Der wird mittlerweile in allen österreichischen Bundesländern ausgetragen, die steirische Vor-Ausscheidung findet immer noch auf den stages in der Neubaugsse statt.

Um state of the art zu bleiben, und für Bands wie Publikum den gewohnten Qualitätsstandard erhalten zu können, richtet sich der Einsatz budgetärer Mittel zu einem beträchtlichen Teil auf die technische Instandhaltung. Die Investitionen in taugliche Ton- und Lichtanlagen sind kostenintensiv, wie Dietmar Tschmelak einräumen muss, doch heiligt scheint’s der Endzweck auch Finanzmittel: „Der Sound im p.p.c. ist wirklich top, und das soll auch so bleiben.“

Mit drei bis fünf Shows jede Woche, das ganze Jahr hindurch, ist das p.p.c. beispielgebend für die größtmögliche Kultivierung von Unterhaltung, Life-Style, Pop. Im Zentrum stehen immer noch die Bühne und die auf ihr Agierenden. Durch die Aussparung von Genregrenzen und die Verquickung von heimischen mit internationalen Musikarbeitern wird der Austausch unter Künstlern ohne Trennstriche möglich.

Das project pop culture:

Neubaugasse 6
8020 Graz

Tel.: +43 (0)316 814141-33
Fax: +43 (0)316 814141-331
Mobil: +43 (0)650 8141418

www.popculture.at

 

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