Müde sein – die neue Single von Jo Stöckholzer

Der Tiroler Multiinstrumentalist Jo Stöckholzer wohnt seit bald zwei Jahren in Berlin und veröffentlichte letzten Freitag mit »Müde sein« die erste Single seit längerer Zeit. Wir erzählen euch, welche Erfahrungen wir beim Hören seiner neuer Nummer hatten und was der Musiker sonst noch so treibt.
von Patrick Tilg

Nach den ersten Sekunden des neuen Songs könnte man behaupten sein neuer Wohnsitz Berlin ist herauszuhören. Denn auch wenn noch immer der Innsbrucker die Songs schreibt, klingt der Track großstädtischer als sein bisheriges Werk. Wobei Innsbruck sich ja auch gerne wie eine Großstadt gibt. Jedenfalls findet man in der neuen Single »Müde sein« tief-düstere Bässe und clubbige Klavierakkorde, wie man sie etwa von Moby kennt, genauso wie dubige bis folkige Gitarren die ab und an versuchen die durchaus gewollte Trägheit des Songs aufzuheben.

Das Video dazu ist passenderweise beklemmend. Es tut weh zuzusehen und man würde gerne wegschalten. Doch man schaut, getrieben von der Musik, hin und ist gespannt was passieren wird, wann sein Gesicht aufhört zu verzerren. Nämlich dann, wenn er in Dauerschleife schläft.

Jo Stöckholzer will mit dem Song, wie er selbst sagt, seinen Hörern mitgeben, dass sich keiner etwas aufzwingen lassen sollte. Weder von anderen, noch von sich selbst. Wenn man müde ist, soll man müde sein. Wenn man nicht mehr da sein wird, kann man nicht mehr müde sein. Dann ist es aber auch zu spät, mal nicht mehr müde zu sein.

Trotz des ein oder anderen großen Pop-Moments schafft es Jo Stöckholzer herrlich unkonventionell zu bleiben. Zum ersten Mal hat er alles selbst in die Hand genommen, das Songwritting, die Aufnahme und sogar den Mix. Nachdem er mit seinem Debüt Album Erfahrung in einem größeren Studio gesammelt hatte, stammt jetzt alles aus seinen vier Wänden. Und das hört man auch. Der Song klingt sehr privat und nah am Körper. Ähnlich wie wir es im Video sehen. Nah am Körper, nah an sich selbst, was sowohl die Pop-Momente als auch das Großstädtische wieder völlig bricht. Entgegen vielen aktuellen Trends und Kunstfiguren versucht er seine Emotionen nicht zu verstecken, sondern betont bzw. vertont diese sogar.

Veröffentlicht hat der Wahl-Berliner seine neue Single über sein eigenes Label unserallereins. Das Label ist als Plattform für Pop-Musik abseits des Mainstreams gedacht und es stehen angeblich auch noch viele weitere spannende Künstler_innen in den Startlöchern.

Müde ist der Musiker also keinesfalls. Wie der Produzent von den Berliner Indie-Rockern Tipps für Wilhelm sagt: „Von wegen ‚in Dauerschleife schlafen‘ – Jo Stöckholzer ist sicherlich einer der umtriebigsten Künstler unserer Zeit.“ Bei den Tipps für Wilhelm ist Jo übrigens seit einiger Zeit ein fixer Bestandteil.

Bekannt ist er vor allem auch für seine aufwändigen Live-Videos. Ob die Kahlrasur seiner damals langen blonden Mähne während seinem Konzert vor 2 Jahren im Innsbrucker Treibhaus oder die Live-Loop-Action quer durch das Gebäude des Innsbrucker Metropol Kinos. Er weiß, wie er sein Publikum für sich gewinnt und es hält. Zum ersten Mal steht jetzt also wieder seine Musik im Vordergrund und dementsprechend gelungen ist ihm auch seine Arbeit als Produzent.

 

Foto: © unserallereins

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