Roland Hanslmeier

Diesmal haben wir einen Drummer des Monats, der vielseitiger nicht sein könnte. Roland Hanslmeier spielt in Jazz-Kombos, macht Live-Electro und gibt außerdem bei der Grazer Indie-Band Granada den Takt an. Im Gespräch mit BACKBEAT erzählte er uns, wie er zur Musik kam, wie man bei jedem Konzert 120 Prozent geben kann und was Pop-Musik für ihn bedeutet. 
Von Patrick Tilg
Roland Hanslmeier

Du spielst ja in verschiedensten Bands und Projekten. Vom Austro-Indie-Pop bis zu polyrhythmischem Jazz. Aber von welcher Musikrichtung kommst du und welche Bands haben deinen musikalischen Werdegang am meisten geprägt?

Ich habe schon in so vielen verschiedenen Bands gespielt, dass ich in meinem Leben bis jetzt immer wieder so Phasen von Musikstilen hatte. Meine erste Band war eine Punk-Rock-Band, dann gab’s die „Metaller“ Zeit mit Hardcore/Death Metal und Double Bass. Dann entdeckte ich den Jazz und spielte auch in Latin- und Reggae-Bands. Jetzt spiele ich in Pop-, Electro- und Jazz-Bands und für mich war die Abwechslung schon immer eine spannende Herausforderung. Die meiste Zeit meines musikalischen Werdegangs habe ich aber bestimmt der Jazzmusik gewidmet. Da gibt's natürlich einige Schlagzeuger die mir mein Leben lang Mentoren sein werden. Um nur ein paar zu nennen: Roy Haynes, Elvin Jones, Adam Nussbaum, Ari Hoenig, Brian Blade, Eric Harland, Bill Stewart usw. Sowie mich auch Drummer wie Thomas Pridgen und Sput Searight total vom Hocker hauen.

Gibt es denn auch österreichische Künstler_innen, ohne die du heute vielleicht nicht Musik machen würdest?

Ich glaube, wenn mich mein Vater nicht mit 4 Jahren zum Falco Konzert nach Graz mitgenommen hätte und ich in den darauffolgenden Jahren mit ihm nicht diverse Rock- und Pop-Konzerte (Deep Purple, David Bowie, Rolling Stones …) besucht hätte, wäre ich vielleicht nie auf die Idee gekommen selbst Musiker zu werden.

Und war dir sofort klar, dass es das Schlagzeug wird oder musstest du dich erst langsam an dein Werkzeug annähern?

Mit dem ersten Snare-Schlag war ich verliebt! Mit 10 Jahren hatte ich meine erste Schlagzeugstunde und ich wusste ganz genau, dass ich Schlagzeug spielen und Musiker werden will. Aber ich war immer sehr dahinter viel zu üben, blieb hin und wieder sogar der Schule fern um stundenlang meine Grooves und Fills zu üben. Mit 12 Jahren spielte ich in meiner ersten Band, mit der ich die ersten Auftritte hatte. Ich hatte hervorragende Schlagzeuglehrer und Professoren die mein Talent unterstützten und mir das nötige Wissen über Technik und Spielweisen vermittelten. Und ich erkannte sehr früh, dass es unheimlich viel Spaß und Freude bereitet Konzerte zu spielen.

Was spielst du für ein Live-Set, hast du lieber ein kompaktes Jungle Kit oder fährst du gerne das volle Programm?

Live spiele ich eigentlich immer ein relativ überschaubares Set. Bass Drum, zwei Toms, zwei Snares, zwei HiHats, zwei bis drei Becken. Natürlich ändere ich je nach Band und Musikstil die Größen der Trommeln und das Tuning sowie natürlich die Becken und Sticks. Also bei Granada 22“BD 13“Tom 16“Tom 14“ Snare 12“ Snare und bei Jazz Bands spiele ich 18“ BD 12“Tom 14“Tom 14“ Snare.

Wie siehst du deine Rolle in den Band-Projekten? Verstehst du dich selbst eher als Live-Musiker oder bist du auch im Songwriting-Prozess involviert?

Gemeinsam mit Granada im Proberaum an neuen Ideen herumzuexperimentieren und an Grooves zu basteln macht für mich einen Teil eines produktiven Songwriting-Prozess aus. Anders bei meiner Band dem Roland Hanslmeier Quintett. Für mein Album „Polaroid“ habe ich alle Songs selbst geschrieben. Da sitze ich dann stundenlang am Klavier herum und suche nach interessanten Akkordfolgen und Melodien. Dann wechsle ich wieder zum Schlagzeug und überlege mir den Rhythmus, singe die Melodie oder programmiere einen Track am Computer. Es ist wie ein kleines Labor, in dem nach einiger Zeit ein Song entsteht.

Wenn du es dir aussuchen müsstest: Studio oder live?

Ich könnte mir nicht vorstellen nur im Studio zu arbeiten. Ich finde es spannend auf Tour zu gehen und diese auch im Vorfeld gut zu planen. Es fühlt sich für mich fast immer so an wie eine Klassenfahrt. Man sieht tolle Städte und hat sehr viel Spaß und gibt 120 % jeden Abend auf der Bühne um eine gute Show zu spielen!

Wie schaffst du es jeden Abend 120 Prozent zu geben? Und falls es doch nicht immer gelingt, was war deine absolut schlimmste Live-Erfahrung?

Ich glaube, dass mich das Publikum egal wie groß es ist, antreibt und zu diesen 120 % bringt. Natürlich pushen wir uns auch unter einander auf der Bühne. Egal mit welcher Band ich unterwegs bin, wenn alles auf der Bühne rund läuft ergibt das eine ganz spezielle Energie unter uns Musikern, aber auch für das Publikum. Meine absolut schlimmste Live-Erfahrung war als mir mit ca.20 Jahren mal ein Bass Drum Beater während dem Konzert gebrochen ist! Ich kann mir das bis heute nicht erklären, wieso der Beater brechen kann. War bis heute aber auch der einzige Beater der dran glauben musste. Hab dann noch versucht einen Ersatz zu bekommen aber wir spielten trotzdem weiter und meine Floor Tom wurde einfach zur Bass Drum bis mir eine andere Fußmaschine gebracht wurde – sehr spannender Moment!

Roland Hanslmeier

Fotos: © Carina Antl

Spielst du lieber in großen Hallen oder bevorzugst du die kleinere intime Club-Atmosphäre?

Große Hallen oder Festivals haben schon seit meiner Kindheit etwas Magisches für mich. Ich finde es faszinierend, was für eine Kraft in einem großen Publikum steckt und wie eine Band mit diesem ein Konzert feiert und die Musik zelebriert. In diesem Sommer haben wir mit Granada auf einigen der größten Festivals im deutschsprachigen Raum gespielt und im Oktober war ich wieder mit meinem Jazz-Quintett in den österreichischen Jazzclubs unterwegs. Ich finde, es hat beides was für sich. In kleine enge kompakte Clubs wo das Publikum fast greifbar nah ist, passieren oftmals die spannendsten und emotionalsten Konzerte.

Was sollte Pop-Musik deiner Meinung nach bewirken?

Texte sind vergleichbar mit Gedichten, sie bieten viel Platz für Interpretation. Der Autor kann was ganz anderes gemeint haben als es das Publikum wahrnimmt. Akkorde sind die Farbe der Musik. Man kann also die Texte in verschiedene Stimmungen packen und mit dem Beat/Groove wird diese noch mehr verstärkt. Im besten Fall wird daraus dann ein guter Song. Und im allerbesten Fall macht der Text Sinn und man berührt damit sein Publikum, bringt es zum Nachdenken, Lachen oder sogar Weinen.

Wie unterscheidet sich für dich am Schlagzeug ein Konzert mit Granada, von deinen anderen Projekten, etwa dem Roland Hanslmeier 5tet?

Der größte Unterschied ist, dass ich bei meinem Quintett für alles verantwortlich bin. Ich komponiere alles selbst, führe das Publikum durchs Live-Programm, checke die Tour, buche die Hotels und plane alles rundherum. Bei Granada teilen wir uns diese Aufgaben auf. Da gehts für mich eher drum einen satten und fetten Groove als Fundament hinzulegen und die ganze Truppe zusammenzuhalten. Im Jazz habe ich viel mehr Freiheiten und Improvisationsflächen, daher kann ich auch mal ganz neue und spontane Ideen einwerfen um damit einen Song anders entstehen zu lassen.

Welchen Groove hörst du als erstes, wenn du erfährst, dass du die Drums für einen mainstream-tauglichen Pop-Song arrangieren musst? Gibt es da einen Groove der so gut wie immer zieht?

So gut wie immer geht eigentlich der Billie Jean Groove von Micheal Jackson. Aber ich versuche immer den Song zu unterstützen und nach dem passenden Sound zu suchen. Passendes Tuning der Snare, der Toms sowie die richtige Auswahl der Becken kann einem Song die richtige Farbe verpassen. Aber natürlich kommt es am meisten darauf an wie man spielt. Es geht für mich beim Recorden immer um den richtigen Moment den man einfängt. Vergleichbar mit einem Polaroid Foto.

Musst du noch Projekte spielen, die dir wenig Freude bereiten oder kannst du dir immer aussuchen mit wem du zusammenarbeiten willst?

Ich habe so gut wie nie in meinem Leben mit Leuten gespielt dich ich persönlich nicht mochte und mit denen ich keinen Spaß auf der Bühne hatte. Jedes Projekt macht mir daher Freude und kein Konzert fühlt sich nach Arbeit an!

Immer spannend für Musiker, die noch am Anfang stehen: Wo lernst du deine Mitmusiker meistens kennen?

Auf Konzerten und natürlich auch durch mein Studium an der Kunstuniversität Graz.

Also ist es auf jeden Fall ratsam möglichst viele Konzerte zu spielen und die Uni – wie so oft – nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern vor allem auch als Networking Space zu nutzen. Danke dir für das spannende Interview und alles Gute weiterhin. Aprospos: Was sind deine Pläne für die 20er Jahre?

Es gibt sehr viele Pläne fürs nächste Jahr! Mit Granada arbeiten wir an der dritten CD. Mit dem Fabian Supancic Trio werden wir auch eine CD veröffentlichen und eine Tour planen. Mit dem Roland Hanslmeier 5tet stehen auch schon einige Konzerte fest. Im Mai wird es noch eine Tour mit einer Schweizer Sängerin geben, sowie Konzerte mit meiner Electro Band Kaelani. Und ich werde natürlich weiterhin Stücke komponieren und hab auch endlich mal wieder ein bisserl Zeit zum Üben. Ich freue mich auf alles was sich sonst noch so ergeben wird. Aber es schaut schon mal gut aus für das neue Jahr!

 

DdM Steckbrief:

Lieblingsgroove: Medium Swing
Lieblingsfill: tutu tutu tutu tutu bambam!

 

 

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