Christoph Karas

Für Christoph Karas geht es mit den üblichen Vorsätzen ins neue Jahr: Jeden Tag an seinem Spiel sowie dem seiner Schülerinnen und Schüler zu arbeiten. Der neue beatboxx-Lehrer im Interview über gute Pädagogen, verschiedene Wege zum gleichen Ziel und die Tücken des Blues.

 

Du bist gerade am Sprung in Richtung Proberaum. Wie sieht deine derzeitige Übungsroutine aus?

Ich übe schon recht viel und regelmäßig. Meistens am Vormittag, weil ab Nachmittag Unterricht, Proben oder Gigs anstehen. Das kommt immer auf den Tag an. Ich versuche jeden Tag zwei, drei Stunden fix einzubauen, habe aber auch Phasen – zum Beispiel in den Ferien – in denen ich versuche, bis zu acht Stunden durchzudrücken. Aber für mich ist Üben teilweise richtige Entspannung. Man ist alleine in einem Raum und nimmt sich Zeit – das ist in gewisser Hinsicht mein Ausgleich.

Du hast ursprünglich mit Blockflöte begonnen. Diesen Einstieg in die Musik nehmen recht viele. Woran liegt es, dass viele mit diesem Instrument anfangen?

Rein pädagogisch gesehen ist es so, dass man am besten mit der Stimme bzw dem Singen anfangen sollte und Flöte kommt dem Singen noch am nächsten, da man selbst den Ton erzeugt und nicht über einen Mittler, wie bei Gitarre oder Klavier. Heutzutage ist es aber schon Standard, dass man mit musikalischer Früherziehung beginnt, bei der viel Rhythmik dabei ist. Das finde ich auch wesentlich besser als Einzelunterricht, nicht zuletzt aufgrund der sozialen Komponente. In der Gruppe macht es einfach mehr Spaß. Das wäre wohl auch bei mir so gewesen. Allerdings hat es mir sicher nicht geschadet, obwohl ich gerne schon früher mit Schlagzeug angefangen hätte.

Mit wieviel Jahren war es dann soweit?

Mit sechs Jahren circa. Ich habe zum Glück einen Lehrer gehabt, der mir freie Hand gelassen hat und nicht nur die kleine Trommel spielen hat lassen. Das habe ich nämlich damals total verweigert. Auch Notenlesen habe ich gehasst. Lustigerweise bin ich jetzt beim Unterrichten genau anders herum drauf. Ich will schon, dass von Anfang an klar ist, was eine Note ist und wie das funktioniert. Man muss es eben gut vermitteln können und den Sinn dahinter klarmachen.

Ist das nicht auch eine Frage des Alters?

Ja sicher. Meine erste Frage ist generell immer: Braucht man Noten, um Musik zu machen? – Was mit einem klaren Nein zu beantworten ist. (lacht)

Was ist, wenn jemand mit Ja antwortet?

Dann ist es auch okay. In dem Fall muss man eben das freie Spielen mehr forcieren und dazu anregen. Es sind im Grunde zwei verschiedene Wege zum gleichen Ziel: Musik zu machen. Als Lehrer ist es deine Aufgabe, den jeweils richtigen Weg dorthin zu finden. Aber die Noten zu verstehen, ist eine wichtige Grundkompetenz. Dabei geht es vor allem darum, sich Sachen selbstständig erarbeiten zu können. Ich habe am Anfang selbst nicht gerne Noten gelesen und das ganze System lange nicht verstanden, aber immer sehr gute Pädagogen als Lehrer gehabt. Bei einem davon habe ich dann zu dem Punkt gefunden, an dem ich auf die Noten wirklich angewiesen war. Ich wollte damals unbedingt Drum ’n Bass spielen können und bin dabei relativ schnell an meine technischen Grenzen gestoßen. Darüber bin ich dann vermehrt auf Rudiments gekommen und um alles zu verstehen und mir drauf zu schaffen, bin ich um die Noten nicht mehr herumgekommen.

Den ersten guten Pädagogen hast du in Melk gehabt?

Ja, das war bei Werner Raubek an der dortigen Musikschule. Er hat nie einen so rigiden Zugang gehabt, dass man die Lust verloren hätte, sondern ist immer sehr persönlich auf einen eingegangen. Bei ihm habe ich bis zu meiner Matura – und auch ein Jahr danach noch – Unterricht gehabt, also eine lange Zeit, in der man sich sehr gut kennenlernt.

Wie ging es dir dann mit dem Umstieg aufs Konservatorium zu Peter Gabis?

Peter Gabis hat eine ganz eigene Art zu unterrichten. Im Gegensatz zur Musikschule, habe ich am Vienna Konservatorium relativ wenig Material bekommen, weil er davon ausgeht, dass man erst einmal herausfinden muss, wo man hin will. Das war am Anfang ein bisschen ungewohnt, aber das Schöne daran ist, dass man mit der Zeit selbst draufkommt. So gesehen war es ein sehr angenehmer Umstieg von Musikschule auf Jazzstudium.

Und wo wolltest du damals musikalisch hin?

Am Anfang des Studiums wollte ich das ganze Spektrum des Jazz kennenlernen, die Schlagzeuger und Techniken besser verstehen. Irgendwann war auch das Bedürfnis da, alles schneller spielen zu können. Das alles war aber nie vorgegeben, sondern der Eigeninitiative überlassen. Natürlich ist man bei einem Jazzstudium Richtung Jazz unterwegs, aber es sind dann auch Sachen wie Drum ’n Bass dazugekommen. Wobei man um einiges natürlich nicht herum kommt, wenn man bestimmte Sachen lernen will. Da ich derzeit mit der Vienna Blues Association spiele, bin ich draufgekommen, wie schwer dieser Stil im Grunde ist. Blues ist echt ein ganz eigenes Kapitel, so simpel es oft klingt. Der Teufel liegt aber im Detail, wenn man Shuffle spielt. Schulmäßig geht es um die erste und die letzte Triole, aber im Grunde hängt alles davon ab, wie eng oder breit du diese Noten anlegst. Da geht es um Mikrotiming. Dazu kommt die unglaubliche Dynamik, die bei uns häufig entsteht.

Hast du vor deinen ersten Versuchen an der Blockflöte bereits Schlagzeug spielen wollen? Was hat dein Interesse daran letztlich geweckt?

Ja! Also laut meinen Eltern habe ich auf allem gespielt – auf Kübeln, Geschirr und sonstigem Zeug. Irgendwann habe ich dann beim Schlagzeugunterricht zuschauen und ausprobieren dürfen. Das war groß, laut und man konnte draufhauen – damit wars für mich eigentlich schon entschieden. (lacht)  Da ich aber doch noch ein bisschen jung war, ist es zuerst eben die Blockflöte geworden. Allerdings mit Aussicht auf baldiges Schlagzeugspielen.

Welche Musik hast du dann in den weiteren Jahren für dich entdeckt?

In meiner Jugend bin ich recht in Blink-182 rein gekippt. Das eignet sich natürlich super zum Schlagzeugspielen. Ich habe dann in einer Hardrockband begonnen, was auch seine Spuren hinterlassen hat und wodurch ich auch danach immer wieder gerne Rock gespielt habe. Natürlich lernt man durch den Unterricht auch Jazz kennen, schaut sich viele Videos an und entdeckt somit über das Schlagzeugspielen viele neue Stile für sich. Dadurch, dass der Jazz zu dieser Zeit auch viel moderner geworden ist, haben sich Sachen wie Fusion, Hip Hop und Drum ’n Bass dazu gemischt. Die meisten Sachen entdecke ich aber nach wie vor über die jeweiligen Drummer, die ich mir auschecke.

Welche Drummer waren das in letzter Zeit?

Mark Giuliana beispielsweise. Der ist einer, der viele neue Türen geöffnet hat. Das Gleiche habe ich aber auch schon bei Elvin Jones oder Tony Williams empfunden. Das waren für mich richtige Entdeckungen. In letzter Zeit höre ich viel Mehliana, das Projekt von Brad Mehldau und Mark Giuliana. Aus gegebenem Anlass, seit ich im Trio PRIM spiele, auch wieder viel Esbjörn Svensson Trio. In Sachen Hip Hop war es anfangs Eminem, dann Wu-Tang Clan, während dem Studium J Dilla, The Roots oder auch Chris Dave And The Drumheads – falls man das noch als Hip Hop bezeichnen kann. Wobei diese Schubladen eh nicht so genau zu nehmen sind.

Du warst einige Jahre bei der Rockband Cornerstone engagiert. Welche Richtung und Projekte verfolgst du im kommenden Jahr?

Cornerstone war wirklich super für mich. Inklusive der internationalen Tourneen, die wir absolviert haben. Aber irgendwann wollte ich dann doch in eine andere musikalische Richtung gehen. Ich werde im kommenden Jahr viel mit Vienna Blues Association spielen, da stehen ein paar Tourneen ins Haus. Außerdem mit dem Jazztrio PRIM, bei dem wir seit ein paar Wochen einen neuen Bassisten an Bord haben. Dabei wird es in nächster Zeit vor allem ums Booking gehen und im Sommer sollte dann eine Deutschland-Tour anstehen.

Hattest du eigentlich von Anfang an vor, von der Musik zu leben?

Eigentlich schon, da habe ich nie an einen Plan B gedacht. Zwischendurch macht man sich natürlich hin und wieder Gedanken, weil es nicht immer leicht ist. Ich habe, bis auf meine Matura, nie etwas anderes gemacht oder gelernt. Einige Studentenjobs habe ich nebenbei ausgeübt, aber mein Fokus ist immer auf der Musik gelegen und dieses Fokussiert-Sein ist auch wichtig, wenn man sein Hobby zum Beruf machen will.

 

Steckbrief:

Lieblingsbecken:  Murat Diril 14“ Hihat

Lieblingsgroove:  Bumm-Tschak, ganz klassisch.

Lieblingsfill:  Eine Pause im richtigen Moment.

 

 

Interview:  Moritz Nowak

 

Weitere Links zu Christoph Karas:

https://www.bluesassociation.com/

https://www.facebook.com/viennabluesassociation/

http://www.prim-trio.at/

https://www.facebook.com/primtrio/

 

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