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Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Katharina »Kate« Krachler II

Im ersten Teil haben wir von Kate Krachler erfahren mit welchen Künstler*innen sie bereits zusammenarbeiten durfte, was sie an ihrer Arbeit als Lichttechnikerin besonders schätzt und wie sie mit der aktuellen Situation umgeht. Diesmal beleuchten wir ihren Job noch etwas genauer, erfahren was für sie eine gelungene Lichtshow ausmacht und wie ein Tour-Alltag bei ihr so aussieht.
Von Patrick Tilg

Kate selbst macht weder Musik, noch würde sie sich selbst als Technik-Nerd bezeichnen, viel mehr macht sie alles nach ihrem persönlichen Empfinden und mit der Erfahrung, die sie bis jetzt gesammelt hat. Würde sie ein Instrument spielen, dann wäre es das Schlagzeug. Nicht nur ist der Beat in der Musik ein guter Impuls für ihre Lichtshows, sondern auch der Sound der Cowbell hat es ihr besonders angetan.

Ihre Engagements entstehen meistens durch Empfehlungen anderer Techniker*innen, da es sich schnell herumspricht, wenn man mehr macht, als nur den On-Off-Knopf zu betätigen. „Es ist auch so, dass wir in Österreich meiner Einschätzung nach mehr Bedarf an talentierten Techniker*innen haben, als tatsächlich vorhanden. Ich habe das Gefühl, dass bei den Bands in den vergangenen Jahren das Bewusstsein dafür sehr gestiegen ist, wie wichtig eine Lichtshow für ein gutes Konzert ist.“ So passiere es z. B. oft, dass Substituten einspringen müssen, die mit der Musik gar nicht so vertraut sind und die Show darunter leidet.

Ihre Produktionen würde sie selbst, als kleine bis mittelgroße Produktionen einordnen, bei denen der Anspruch meistens vor allem darin besteht, mit einem geringen Budget, eine möglichst professionelle Show ohne Abstriche zu präsentieren – egal in welcher Venue. Dabei mag Kate intime Clubshows genauso, wie große Open Air Bühnen. In den kleineren Clubs ist es aufgrund der begrenzten Möglichkeiten oft eine größere Herausforderung die Lichtshows wie geplant durchzuführen. „Genau das macht aber oft den Charme aus, weil eben nicht alles da ist und man „Workarounds“ schaffen muss.“ Genauso genießt sie es aber hinter einem, „Meer aus Menschen“ zu stehen. Auch das unterschiedliche Verhalten der Musiker*innen selbst beobachtet sie dabei gerne. Manche fühlen sich im Club wohler, weil sie einen lockeren Umgang mit dem Publikum haben können, andere schätzen die Distanz und Abgrenzung des Publikums auf großen Bühnen. Aber zurück zum Licht.

Wenn sie mit Bands unterwegs ist, hat sie fast immer auch selbst eigene Scheinwerfer mit, um für die Basics zu sorgen und nicht ganz abhängig von den Licht-Settings vor Ort zu sein. „Das wären dann z. B. Scheinwerfer hinter der Band am Boden um schöne Silhouetten zu bilden, einen Backdrop zu beleuchten oder Licht von der Seite, um die Musiker*innen von einem anderen Punkt aus anzuleuchten. Es ist außerdem immer gut zumindest ein „selbstgebautes“ Element auf der Bühne zu haben, um für ein Alleinstellungsmerkmal und den richtigen „Wow“-Effekt zu sorgen.“

Neben den speziellen Bühnenelementen, und ihren eigenen Scheinwerfern spielt aber auch der Hazer eine große Rolle. „Nebel ist essenziell bei einer Lichtshow und ich lege auch sehr großen Wert darauf, dass dieser vorhanden und gut verteilt ist.“ Nur wenn auf der Bühne richtig der Rauch aufgeht, sieht man die Strahlen des Lichts richtig gut und dadurch kann dann eine spannende, fast cineastische, Atmosphäre erzeugt werden. Dazu sind für Kate auch konventionelle Scheinwerfer nötig, denn die moderneren, einfacheren Modelle – die heute meist im Einsatz sind – können die Wärme und das Dimm-Verhalten der klassischen Scheinwerfer so gut wie nie imitieren. Apropos nachahmen: Kate lässt sich nur selten von bestehenden Lichtkonzepten inspirieren – „[…] ich orientiere mich an der Musik und den Künstler*innen dahinter und versuche zu erspüren, was ich bei der Musik fühle bzw. was, wie in Szene gesetzt werden soll.“ Konkrete Vorstellungen oder Konzepte der Bands stehen zwar immer an erster Stelle, aber dennoch hat sie meist freie Hand und kann so sie ihre eigenen Ideen umsetzen.

Ein weiteres Kriterium, das für einen tollen Konzertabend notwendig ist, sind die lokalen Crews. Stimmt die Motivation und sind Freundlichkeit und Know-how vorhanden, so kann laut Kate nicht mehr viel schiefgehen. Aber auch ein gutes Catering schadet nie, denn „wenn man merkt, dass sich die Menschen Mühe geben, ist alles, was nicht so rund läuft halb so wild.“

Jungen Lichttechniker*innen empfiehlt sie möglichst viel Erfahrung mit den unterschiedlichsten Bands und Venues zu sammeln und so an einer gewissen Vielseitigkeit zu arbeiten. „Es ist meiner Meinung nach nicht so wichtig, sich ständig mit dem neuesten Equipment am Markt zu beschäftigen, sondern eher zu lernen, welche simplen Möglichkeiten es gibt einen gewissen Look zu erzielen.“ Und auch den Bands würde sie raten, wenn nur irgendwie möglich von Anfang an mit Lichttechniker*innen zusammenzuarbeiten. Das wäre ja auch die optimale Option für junge Techniker*innen viel Erfahrung zu sammeln und so würden beide davon profitieren, denn ein Konzert mit richtiger Lichtshow erzeugt auf und vor der Bühne eine wunderbare Stimmung, die keiner wirklich missen will. Achtet also in Zukunft, sobald der ganze Wahnsinn vorbei ist, welche Stimmungen nur durch das Licht allein erzeugt werden können.

Fotos: Philipp Hirtenlehner (Fließtext) und Ralph König (Sidebar)

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