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Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Gabriel Hyden

Nach unserem Ausflug in die Welt des Sounds und einem kleinen Einblick in den Alltag eines Bookers, geht es in unserer dritten Ausgabe von Backstage. Abseits des Rampenlichts, um die Kunst des Musikvideos. Wir haben den Filmemacher, Fotografen und Musiker Gabriel Hyden ein paar Fragen gestellt und so einen kleinen Einblick in das Geschäft mit dem Bewegtbild bekommen.
Von Patrick Tilg

Musikvideos sind spätestens seit MTV nicht mehr aus der Popmusik wegzudenken. Ob als reklameartiges Promotion-Video, wie es vor allem anfangs üblich war, als künstlerischer Handgriff der das Image der Musiker_innen unterstreichen soll oder sogar als Akt der Provokation. Gabriel Hyden hat uns in einem Gespräch erzählt, was für ihn das A und O eines guten Musikvideos ist, ob ein Musikvideo sich auch mal von der Musik lösen darf und warum beim Filmen nichts über natürliches Licht geht.

Bevor wir so richtig in die Musikvideotheorie eintauchen, wollen wir euch im ersten Teil der Kolumne aber erst einmal mit seinen Arbeiten vertraut machen und einen kleinen Überblick über sein bisheriges Schaffen geben. Initiator für Gabriels Laufbahn war nicht – wie erwartet – die Musik, sondern das Skaten. „Das alles kam von einer dritten Leidenschaft: Skaten und Skatevideos zu machen. Im Grunde sind diese nichts anderes als Musikvideos. Bewegtbild mit Liedern.“ Skaten brachte ihn also zum Filmen und die oft sehr gute Musik der Skatevideos verleitete ihn schon bald selbst mal eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Nur naheliegend, dass er bald darauf die ersten Musikclips drehte. Außerdem erkannte er den Vorteil tolle Kamerafahrten mit Hilfe der Skates hinzubekommen, ohne auf teure Dollys der Filmindustrie oder auf ein Auto angewiesen zu sein.

Pro Jahr dreht er mittlerweile durchschnittlich an die 15 Musikvideos. Davon auch für namhafte Bands wie Leyya, Naked Cameo oder Oehl. Allein im Jänner 2020 waren es bereits drei Projekte. Manchmal wären ihm weniger zwar auch recht, „aber es ist und bleibt ein Brotjob“ und deshalb müssen möglichst viele Clips realisiert werden. Den größten Zeitaufwand in seinen Produktionen birgt die Suche nach den passenden Locations. Er ist ständig auf der Suche nach Stimmungen, die passen könnten. „Die erste Berührung mit dem Licht und den Formen der Natur, des Materials. Da sprudelt es.“ Und deshalb kommt er am liebsten noch vor dem Drehstart zu den Locations, um erst einmal etwas reinzuschnuppern und die Gegebenheiten kennenzulernen. Wenn er den passenden Ort dann gefunden hat, packt er am liebsten ein kleines Team (Styling, Kameraassistenz, Regieassistenz, Darsteller) in ein Auto und fährt gemeinsam dorthin. Die Magie passiert dann meistens dort.

Von diesen rund 15 Produktionen im Jahr gibt es meistens drei, die ihm richtig gut gefallen und mit denen er am Ende auch wirklich zufrieden ist. Die Arbeit entspricht also keineswegs immer seinen künstlerischen Vorstellungen. „Die Durchschnittsband hat €1500 Euro Budget und kann sich die Vorsteuer nicht zurückholen.“ Es bleibt also am Ende nicht viel für ihn übrig. „Sehr wenig sogar … Aber ich habe Freizeit und damit Freiheit. Die ist mir sehr viel Wert.“ Diese Freiheit genießt er auch am Set sehr gerne, denn am liebsten ist ihm, wenn die Bands oder Labels ihn nicht zu sehr in seinen Ideen und Schaffen einschränken oder versuchen zu lenken. Wenn er freie Hand hat, gelingen wie er findet meist die besten Clips.

Auf die Frage hin, ob er das Musikvideo als unabdingbares Element einer Single-Veröffentlichung hält, verwies er auf seine Band Vague, die bereits einige Singles ohne Video released haben. Aber „[…]es funktioniert bei weitem nicht so gut. Die Musikplattformen springen da leider kaum auf. Ich bin trotzdem der Meinung, dass eine echte emotionale Bindung zu einem Lied wichtiger ist, als ein Video dazu. Wenn wir nicht die Chance bekommen ein neues Lied zu hören, während wir aus der Straßenbahn träumen, ohne dabei in einen Bildschirm schauen zu müssen dann verliert die Musik etwas ungemein Wichtiges. Erst da wird Musik so richtig inspirierend. Ich würde sogar dafür plädieren Videos eine Woche später zu releasen.“

Neben seinen Musik- und Filmprojekten ist Gabriel außerdem ein begeisterter Fotograf. „Die Fotografie gibt mir eine wunderbare Ruhe. Wann immer ich genug habe von Filmprojekten wende ich mich ihr zu.“ Besonders faszinierend am stehenden Bild findet er, dass es dazu einlädt vom Vorher und Nachher zu träumen. Das versuche er auch immer mehr in seine filmischen Arbeiten einfließen zu lassen, weil es das Schöne am Medium Musikvideo sei, eben nicht alles genau zu erklären, sondern Lücken in der Erzählung zu lassen.

Sowohl bei seinen Foto-Arbeiten als auch in seinen Musikvideos erkennt man eine ihm immanente Bildsprache, die relativ schnell seine Handschrift erkennen lässt. Als sein Geheimnis dafür sieht er vor allem das natürliche Tageslicht. Er hat sich viel mit Objekten in verschiedenen Lichtstimmungen beschäftigt, was ihm dabei geholfen hat die richtige Stimmung festzuhalten. Dabei gilt es, so Gabriel, die feinen Unterschiede zu erkennen.

„Ich glaube die Leute schätzen das. Es ist natürlich auch aus der Not heraus geboren, aber mit ein wenig Geduld bekommt man eben ein kleines Geschenk von Mutter Natur. Da darf man dann nicht zögern und muss drehen. Vielleicht den Drehplan kurz über Bord werfen.“

Das doch recht kleine Budget der meisten Bands spielt also eine große Rolle. Es ist ausschlagend dafür, dass er sich an der Ruhe der Fotografie zu entspannen weiß und außerdem für seine Bildsprache, die ohne natürliches Licht wohl kaum dieselbe wäre.

Wenn er sich zwischen Film, Fotografie und Musik entscheiden müsste, würde er die Fotografie wählen.

 

Foto: (c) Tim Cavadini

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