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Schlagzeug spielen – in Zeiten wie diesen

Für viele Personen gestaltet sich das Schlagzeugspielen und -üben im Moment schwierig. Vor allem wenn man in einer Wohnung wohnt, sind die Möglichkeiten zu Hause Schlagzeug zu üben sowieso schon eingeschränkt. Kommen dann noch Ausgangsbeschränkungen dazu, die face-to-face Unterricht sowie den Zugang zu Proberäumen erschweren, fallen auch die Alternativen dazu weg.
Damit ihr trotz dieser widrigen Umstände am Schlagzeug fit werden und bleiben könnt, haben wir hier ein paar Tipps für euch gesammelt, welches Equipment ihr in der Wohnung wie am besten nutzen könnt und wie ihr weiterhin an Unterricht kommt.
von Mira Achter

Das Equipment:

Als wohnungstaugliches Drumset, mit Bassdrum, Snaredrum, Toms und Becken eignen sich besonders zwei Alternativen – ein modifiziertes, akustisches Schlagzeug oder ein elektronisches Drumkit.

Um das akustische Schlagzeug an Wohnungslautsärke anzupassen, braucht ihr spezielle Becken, Felle und Practicepads. Preislich bewegt man sich dabei zwischen 270€ und 460€, insofern man ein Drumset zur Verfügung hat, das man umrüsten kann. Als Schlagzeug reicht ein billiges Einsteiger-Set völlig aus – es muss nicht gut klingen können.

Anstatt der Snaredrum besorgt euch ein Quiet-Tone-Pad von Sabian. Dieses hat einen echten Metallrahmen, wie eine Snare, wodurch es möglich ist, Rimshots zu spielen sowie integrierte Gummifüßchen, mit denen man es auf eine richtige Snare stellen kann. Dadurch vibriert der Snare-Teppich mit und man erhält einen leisen Snare-Sound. Außerdem entspricht die Oberfläche des Pads einem „coated“ Fell, sodass man sogar das Besenspielen damit üben kann.

Als Ersatz für herkömmliche Becken gibt es spezielle Beckensets, die wesentlich leiser sind. Das Blech ist bei diesen mit unzähligen kleinen Löchern übersät. Die Originalserie stammt von Zildjian und heißt derzeit „L80 Low Volume“, aber es  gibt solche Becken auch von anderen Herstellern und als billigere Nachbauten zu kaufen, die vollkommen ausreichend sind.

Für die Tomfelle eignen sich „Remo Silent Stroke“-Felle. Genauso wie die Becken sind sie mit kleinen Löchern ausgestattet und dadurch wesentlich leiser als übliche Felle. Alternativ gibt es auch Übungsgummis, die man auf den Tomfellen platziert, um diese leiser zu machen. Während bei Silent Stroke Fellen der Rebound stärker ist als bei üblichen Fellen, ist er bei Gummipads geringer – welchen Kompromiss ihr lieber eingeht, liegt bei euch!

Eine ähnliche Entscheidung muss man auch bei der Bassdrum treffen. Hier gibt es wieder die Möglichkeit, ein Silent Stroke Fell mit zu starkem Rebound oder ein Übungsgummi bzw. Übungspad, das die Bassdrum gänzlich ersetzt, mit zu wenig Rebound zu verwenden. Mein Ausweg aus diesem Dilemma war es, ein herkömmliches Fell zu verwenden, mich zu bemühen leise zu spielen und auf das Wohlwollen der Nachbar*innen zu hoffen.

Dieses Setup eignet sich besonders dazu, Bewegungsabläufe, Technik und Swing zu üben. Schwieriger ist es, sich auf diesem Set mit Sound und Improvisation auseinanderzusetzen oder Punk- und Rocksongs zu spielen.

Eine andere Lösung für ein vollständiges Drumset sind E-Drums, die man nicht nur kaufen sondern sogar leihen kann. Am preislichen Spektrum bewegt man sich dabei zwischen 350€ für ein  und 4.500€

Sie haben den Vorteil, dass sie darauf abzielen, den Sound eines akustischen Schlagzeugs so gut wie möglich wiederzugeben. Zugleich bieten sie aber auch viele außergewöhnlichere Klänge zum Experimentieren an.  Es gibt dabei jedoch zumindest die folgenden zwei Haken: Erstens die Proportionen – die „Trommeln“ sind kleiner als bei einem üblichen Schlagzeug und die Abstände zwischen diesen sind geringer. Dadurch bewegt man sich anders über das Set als bei einem akustischen Schlagzeug. Zweitens das Feeling – das Material der Pads eines E-Drum-Sets verhält sich anders als ein übliches Fell., wodurch Gefühl und Rebound anders sind. Auch die Becken werden dabei meist durch Gummi-Pads ersetzt, die das Gefühl des Metalls nicht nachahmen können. Nichtsdestotrotz gibt es einige Anwendungen, für die sich E-Drums besonders gut eigenen. Wenn ihr gerne improvisieren, Rock Songs üben oder am Grooven arbeiten wollt, seid ihr mit den E-Drums gut beraten.

Sollten euch diese zwei Möglichkeiten zu laut, teuer oder groß sein, gibt es aber noch genügend weitere Alternativen fürs Üben. Es gibt verschiedenste Übungspads für Hand und Fuß, die vor allem helfen, Technik und Koordination zu verbessern. Ich weiß, ich weiß, das hört sich für viele erstmal super langweilig an. Aber stellt euch vor, ihr geht in ein paar Wochen (Monaten?) wieder in euren Proberaum oder Unterricht und auf einmal könnt ihr das Sechzehntel-Fill in diesem einen Song spielen, das euch bisher immer zu schnell war!

Beim Kauf von Übungspads gibt es ein sehr großes Angebot. Überlegen solltet ihr euch dabei vor allem, ob ihr einen Rahmen oder unterschiedlich klingende Regionen haben möchtet, um damit unterschiedliche Trommeln/Klänge imitieren zu können. Üblicherweise reicht aber ein Pad ohne Schnickschnack aus, um eure Technik fit zu bekommen.

 

Üben ohne Schlagzeug oder Pad

Ja, auch das ist möglich! Vieles kann man auch ohne Oberfläche, auf die man schlägt üben. Ihr braucht dazu nur eure Vorstellungskraft. Vor allem Koordinationsübungen aber auch Grooves und Fills lassen sich so üben. Es geht dabei darum, sich Schritt für Schritt vorzustellen, dass man eine bestimmte Bewegung bzw. einen Bewegungsablauf macht. Durch das Vorstellen der Bewegung muss man sich in Erinnerung rufen, welche Gliedmaßen gleichzeitig oder nacheinander welche Bewegungen machen. Wenn ihr den Bewegungsablauf flüssig durchdenken könnt, ohne euch zu bewegen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, den Groove auf einem Luftschlagzeug zu üben. Ihr könnt diese Technik zum Beispiel anwenden, um berühmte, komplexe Grooves zu lernen – zum Beispiel ein paar Funk Grooves von David Garibaldi (Tower of Power) oder den berühmte 16-Shuffle-Groove in Rosanna (Toto).

 

Der Unterricht

Unter den aktuellen Einschränkungen wird zwar kein face-to-face Unterricht angeboten werden, aber viele Musikschulen und Privatlehrer_innen haben auf online Angebote umgestellt. Wenn ihr euch nach interaktivem Lernen sehnt und lokale Lehrende unterstützen wollt, lohnt es sich, Online-Unterricht von Lehrer_innen in eurer Umgebung zu nehmen, anstatt euch durch die endlose Masse an Youtube-Tutorials zu klicken. Um eure Technik fit zu bekommen, bietet beispielsweise die Beatboxx Online Technik-Workouts in der Gruppe an. 

 

Viel Spaß beim Üben!

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