Wir sind nicht die perfekte Welle!

Seit mittlerweile 23 Jahren malträtieren Alkbottle die Trommelfelle der heimischen Rockfans. Mit Hymnen wie „No Sleep Till Meidling“, „Fliesenlegen“, „6 Bier“ oder „Rockstar in Austria“, 160.000 verkauften Tonträgern und jetzt auch noch einem Amadeus hat der 5er seinen Status als Österreichs als berüchtigste Heavy Rock Band bis in alle Ewigkeit zementiert. Backbeat hat Roman Gregory, Christian Zitta, Marco Billiani, Didi Baumgartner und Christoph „Mad“ Ullmann zum Interview getroffen. Von Alexander Schöpf

Auf eurem letzten Album gibt es den Song „Rockstar In Austria“. Wie ist es ein Rockstar in Österreich zu sein?
Gregory: Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Rock-Szene in Österreich wird immer mehr zurück gedrängt. Die Radios ignorieren den heimischen Markt sowieso und die Veranstalter greifen mittlerweile nur noch auf das zurück, was sich kommerziell rentiert und das sind zur Zeit DJ’s oder Coverbands. Es gibt ja von allen großen Bands mittlerweile auch mehrere Bonsaiversionen (Tributebands, Anm. d. Red.). Ein junger Musiker mit eigenem Material hat praktisch keine Chance mehr, folglich tendiert er auch dazu nur mehr Covers zu spielen, um von der Musik leben zu können. Dadurch wird aber die Vielfalt massiv eingeschränkt und langsam das kreative Potential in diesem Land ausgetrocknet.

Was wäre nach dieser ernüchternden Analyse euer Tipp für junge österreichische Bands?
Billiani: Im besten Fall was G’scheites lernen.

Gregory: Eigentlich kann ich jeder jungen Band, sowie wie jedem guten Fußballer, nur empfehlen, dieses Land so schnell wie möglich zu verlassen. Und das ist ein Armutszeugnis für ein Land der Musik. Ich habe keinen wirklich brauchbaren Rat, außer: „Schaut, dass ihr so schnell wie möglich da raus kommt!“

Aber ist es nicht auch so, dass die meisten Bands den Arsch gar nicht hoch kriegen und mehr als zufrieden sind, wenn sie drei Konzerte im Jahr spielen?
Gregory: Wenn das das Ziel ist, dann ist es eh ok. Unser Anspruch war aber immer ein anderer. Wir wollten im besten Fall davon leben, was aber in den 23 Jahren, in denen es uns gibt, gerade einmal eineinhalb Jahre gelungen ist.

Billiani: Mit Ach und Krach. Aber damals waren unsere Lebenserhaltungskosten auch noch wesentlich geringer. Wenn du eine Familie ernähren musst, schaut das schon wieder anders aus. Und das ist mit Musik natürlich ein Drahtseilakt.

Ullmann: Man braucht definitiv viel Liebe zur Sache.

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Habt ihr eure Entscheidung Dialekt zu singen, jemals bereut?
Gregory: Man stößt mit dem Dialekt natürlich schnell an seine Grenzen. Als wir mit unserem zweiten Album hier in Österreich Gold geholt haben, hat eine Plattenfirma Deutschland das Album raus gebracht hat und wir haben davon immerhin 4.000 Stück verkauft. Der erste Wunsch dieser Plattenfirma war, dass wir ein Best Of in hochdeutscher Sprache veröffentlichen. Das haben wir natürlich nicht gemacht, und damit war unsere Karriere in Deutschland auch schon wieder beendet. Wir würden es heute nicht anders machen. Wir sind eben nicht die perfekte Welle, sondern einfach nur ein kräftiger Schluck mit einem möglicherweise unguten Beigeschmack (lacht).

Das aktuelle Album heißt „Für immer“. Das erste mit Schlagzeuger Christoph Ullmann. Verändert sich grundsätzlich die Arbeitsweise, wenn ein neues Mitglied dazu kommt?
Gregory: Nein, kein Strich. Vielleicht sind wir durch Christophs Einstieg etwas effizienter geworden, aber die prinzipielle Arbeitsweise hat sich nicht sonderlich geändert. Wir suchen nur neue Mitglieder aus, die gut ins Bandgefüge passen. Es wäre ja ein Schwachsinn, wenn plötzlich einer dabei wäre, der so nicht arbeiten kann, sich den weißen Schal über die Schulter haut und sagt: „Streichen Sie mich vom Plakat.“ Aber das hatten wir natürlich auch schon (lacht).

Ihr habt diesmal auch erstmals sozialkritische Texte geschrieben. Was war der Auslöser dafür?
Gregory: Es wurde an der Zeit unseren Fans auch eine gewisse geistige Entwicklung zuzumuten. Wir sind keine 18 mehr und es hat keiner was davon wenn wir das dritte „6 Bier“ schreiben. Wenn man Familie und Kinder hat, kommen ganz andere Themen zum Vorschein. Aber wir bringen sie schon auch mit viel Schmäh rüber.

Wie waren die Reaktionen auf die Texte?
Gregory: Die Reaktionen sind durchaus positiv. Natürlich gibt es auch immer Leute, die sagen: „So wie am Anfang seids aber nicht mehr.“ Und da kann man nur sagen: „Ja, du hast recht.“ Aber das haben die Leute auch schon gesagt, nachdem wir 1993 das erste Album veröffentlicht haben.

Ihr habt einen ganz speziellen Fan, den Oliver, für den ihr auch den Song „Bottlehead“ geschrieben habt. Seit wann begleitet er euch schon?
Gregory: Sein erstes Konzert von uns hat er 1994 gesehen und seitdem steht er in der ersten Reihe. Und er hat teilweise auch die erste Reihe ausgefüllt (lacht). Er ist mit der Zeit einfach aufgefallen. Er hat teilweise unter unserem Bus geschlafen. Mittlerweile ist er nicht nur unser treuester Fan sondern auch unser Mitarbeiter. Wir haben ihn irgendwann in die Crew integriert, da er eine Tour hätte nicht mitfahren können, weil er keine Kohle hatte. Und da haben wir ihn dann als Roadie mitgenommen. Mittlerweile ist er unverzichtbar.

Billiani: Beim Frühstück hab ich ihm immer die Geschichten erzählt, was wir früher aufgeführt haben und er ist mit riesigen Augen vor mir gesessen und hat sich das alles angehört und war komplett begeistert.

Könnt ihr das nachvollziehen, dass man sich für eine Band so begeistert, dass man bei jedem Konzert dabei sein möchte und der Band auch auf eigene Kosten auf Tour hinterherreist?
Gregory: Wenn mich Gene Simmons mit 14 gefragt hätte, ob ich mit auf Tour fahren möchte, dann würde ich heute nicht dasitzen. Ich hätte sofort ja gesagt. Natürlich kann ich das nachvollziehen. Es ist was Tolles, was Spannendes, was Spaß macht.

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Roman, du warst Juror bei Starmania als Juror. War das in der Band damals ein Thema, ob du das machen sollst oder nicht? Starmania Juror zu sein, ist ja nicht besonders Rock’n’Roll.
Gregory: Nachdem meine Bandkollegen alle meinen Kontostand kennen, hat es eigentlich kaum Gegenwehr gegeben.

Baumgartner: Wir haben gesagt: „Mach’s, Hauptsache wir müssen’s uns nicht anschauen.“

Und wie war die Zeit als Juror?
Gregory: Ich war total enttäuscht, dass es sich meine Kollegen nicht angeschaut haben. (Gelächter) Aber ernsthaft: In Wirklichkeit ist es ja nur ein Job. Ich mache nebenbei auch Schauspielerei und Moderation und da frage ich auch nicht, was es ist. Es ist nur insofern etwas schwieriger als ein anderer Job, weil du für etwas Begeisterung heucheln musst, was dir in Wirklichkeit so was von scheißegal ist. Zudem werden die Kandidaten von hinten bis vorn verarscht. Da geht es weder um den besten Sänger, noch um Musik sonder einzig und allein um Quote und Geldverdienen.

Was würdest du sagen, wenn sich deine Tochter bei so einem Format bewerben würde?
Gregory: Ich würde es ihr nicht raten.

Wurdest du in Folge der Sendung öfter auf der Straße angesprochen?
Gregory: Ja, während die Starmania-Staffel damals im Fernsehen lief und auch noch ein paar Monate danach, war es kaum möglich in den Supermarkt zu gehen, weil dich jeder erkennt, sofort eine Meinung zu dir hat und diese auch kundtut. Von der 80-jährigen Großmutter bis zum Kindergartenkind hat mich jeder am Ärmel gezupft, wenn ich zum Penny Markt einkaufen gegangen bin. Aber nach etwa eineinhalb Monaten war das wieder vorbei. Mittlerweile ist es ganz genau so wie es vorher war. Die Filialeiterin vom Penny ist wieder genau so unfreundlich wie vor Starmania.

Merkt man da auch, dass es Leute gibt, die sich versuchen ein bisschen an diese Popularität dran zu hängen?
Gregory: Das passiert dir als Prominenter prinzipiell. Was ich zu der damaligen Zeit sehr lustig gefunden habe, war, dass mir Leute unaufgefordert ihre Gesangsdarbietungen per Mail geschickt haben. Ich war ein Teil davon und hab das auch gern mitgespielt, aber ich spiel auch in einer Krimiserie einen Mörder, wenns sein muss.

Am Ende war es also eine Rolle, die du gespielt hast.
Gregory: Ja, klar. Die habe ich aber am Ende eh nicht so erfüllt, wie es von mir erwartet wurde. Der ORF hat sich einen angriffigen Proleten gewünscht, der andere gern schlecht macht, um selbst besser da zu stehen. Aber das bin ich nicht.

Eine Dancing Star Teilnahme steht somit nicht unmittelbar an?
Gregory: Ausgeschlossen. Starmania hab ich deswegen machen können, weil es bis zu einem gewissen Grad meine Kernkompetenzen getroffen hat. Das waren Musik und Singen. Aber dass ich mich beim Tanzen zum Affen mache und der ganzen Nation zeige, dass ich nicht tanzen kann, aber trotzdem Spaß dabei habe, ist mir jetzt eine Spur zu Musikantenstadl. Aber mit Alkbottle beim Musikantenstadl zu spielen, das hätte durchaus seinen Reiz.

Baumgartner: Das Beste was du machen kannst, ist bei der Brieflosshow auftreten. (Gelächter)

Billiani: Wir waren auch einmal bei „Willkommen Österreich“ (Die Nachmittagssendung auf ORF 2 – Anm. d. Red.) und haben da „Blunzenfett im Internet“ gespielt.

Gregory: Da sind wir gestanden vor dem Bücherregal und haben ihnen einen Scheitel gezogen mit „Blunzenfett im Internet“. Damals war das zumindest noch möglich, dass du mit einer schrägen Partie wie Alkbottle daher kommst und das hat seinen Platz, passt zwar nicht, aber es ist so skurril, dass es irgendwie auffällt.

Ihr wart zweimal für den Amadeus nominiert und habt ihn in der Kategorie Hard & Heavy gewonnen. Bedeutet euch das was?
Gregory: Der Preis ist leider wenig wert, weil er über die Jahre zertrümmert wurde. Ein Jahr hat es ihn gegeben, dann wieder nicht. Und das ist nicht einmal jemandem aufgefallen. Es ist symbolhaft für die österreichische Musik, dass dieser Preis wie eine Milchpumpe ausschaut, da das Mutterland nicht im Stande ist, seine Musiker zu ernähren. Das Genre „Hard & Heavy made in Austria“ rutscht sowieso immer mehr unter die Wahrnehmungsgrenze. Man kann diese Entwicklung ganz gut am Programm beim größten Festival des Landes, beim Donauinselfest ablesen. Vor einigen Jahren musste die Rockbühne der FM4 Bühne weichen und wurde dann im zwei Jahres Rhythmus auf einen anderen Platz verlegt, bis sie heuer zum ersten Mal ganz gestrichen wurde. Das Schlimme ist, dass sich die Politik immer mehr einmischt.

Inwiefern mischt sich die Politik ein?
Gregory: Erst vor etwa einem halben Jahr wurde ein Konzert im Gasometer auf Intervention eines Politikers (Klaus Werner Lobo, Kultursprecher der Wiener Grünen, Anm. d. Red.) abgesagt, weil die Band angeblich frauenfeindliche Texte hat. Wenn ich mich heute dazu befohlen fühle, ein Konzert zu verbieten, dann habe ich vorher die verdammte Pflicht, die Hintergründe genau zu prüfen. Was ist der Subtext dahinter. Und da hätte man draufkommen können, dass der inkriminierte Text „Wir mischen auf im Frauenhaus“, von einer Frau geschrieben worden ist, die selber im Frauenhaus war. Also eine satirische Aufarbeitung von tatsächlich Erlebten, nicht sehr originell, aber warum muss mir ein Politiker erklären, was Satire ist und wie weit sie gehen darf. Ähnlich verhält es sich mit diesem ganzen Tamtam um Frei.Wild. Sogar im Standard habe ich gelesen, dass es sich um eine rechtsextreme Band handeln soll. Die Texte sind sicher heimtümelig und zum Teil auch gewaltverherrlichend. Aber dann müsste ich auch jedes Black- und Deathmetalkonzert verbieten. Und wenn du bei heimtümelig bist, dann gehen wir mal die ganzen Volksmusik- und Schlagertexte durch und schauen uns das mal an. Wenn wir also da anfangen und da ansetzen, wo hört es auf?

Und am Ende schießen sich die, die nach Verbot schreien, selbst ins Knie …
Gregory: Ja, miese Bands wie Frei.Wild oder Die Hinichen freuen sich sicher über die Aufmerksamkeit. Es gibt ja gesetzliche Rahmenbedingungen und wenn diese nicht überschritten werden, dann muss ich das halt zur Kenntnis nehmen. Ich habe natürlich das Recht, dass mir das nicht taugt, dass ich es mir nicht anschaue und auch dass ich mich dagegen ausspreche. Aber es zu verbieten, ist dann schon was anderes. Dadurch entsteht nur aggressives Potential.

Hattet ihr jemals Probleme in diese Richtung?
Gregory: Vielen maßgeblichen Leuten, die uns schon allein wegen des Bandnamens für eine Bedrohung halten, sind wir ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Folge sind immer mehr Absagen und Auftrittsverbote, wie zum Beispiel schon seit einigen Jahren im Linzer Posthof. Erst kürzlich intervenierte die Simmeringer Bezirksvorstehung und verhinderte unseren Auftritt beim Wiener „Hafen Openair“. Darüber schreibt halt keiner, weil es hinterrücks passiert.

www.alkbottle.at

Foto: Alkbottle

 

 

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