My Ugly Clementine – Österreichs neue Supergroup

Vor einigen Wochen konnte man in den Instagram-Stories einiger österreichischer Musikschaffender langsam erahnen, da bahnt sich etwas Spannendes an. Am 14. Februar, dem „Clementine’s Day“ ließen sie die Blase schließlich platzen. Österreich bekommt eine Supergroup und was für eine! Kathrin Kolleritsch von Kerosin 95 und ehemals Kaiko, Barbara Jungreithmeier von Master Gottlieb, Mira Lu Kovac von Schmieds Puls und 5K HD und Sophie Lindinger von Leyya stecken hinter dem Namen „My Ugly Clementine“. Wir haben uns mit Sophie zu einem ersten Interview getroffen, zu dem Kathrin etwas später hinzukam.
von Mira Achter

Fangen wir bei dem Grundlegenden an: Wie ist die Band entstanden und worum geht’s bei der ganzen Sache?

Sophie: Ich habe in der Vergangenheit Songs geschrieben, die wir für Leyya nicht verwenden konnten, weil sie nicht zu dem Projekt gepasst haben. Diese Songs habe ich dann aber trotzdem fertig produziert, ich dachte einfach warum nicht. Ich habe mir dann Menschen gesucht, die vielleicht Lust haben, das mit mir zu verwirklichen. Es geht dabei tatsächlich nur um Spaß und Energie. Einfach mal reindreschen, aber trotzdem qualitätsvoll.

In welcher Relation wird dieses Projekt zu deinen anderen Projekten stehen?

Sophie: Es ist eigentlich ein Nebenprojekt, aber es fühlt sich nicht so an. Die Songs sind aus meiner Feder und deshalb sehr wertvoll für mich. Ich will also schon einen gewissen Fokus darauf legen. Leyya wird aber wohl immer mein Hauptprojekt sein. Mit My Ugly Clementine gehen wir die Sache auf eine andere Weise an, mit genauso viel Herz aber weniger Stress. Ich versuche das auszumerzen, was am Beginn von Leyya schwierig war und gleich dort zu beginnen, wo es Spaß macht.

Glaubst du, derselbe Weg wäre rückblickend mit Leyya auch möglich gewesen?

Sophie: Nein, das glaube ich nicht. Ich habe in den letzten Jahren mit Leyya so viel gelernt und mich sehr stark weiterentwickelt. Wenn My Ugly Clementine mein erstes Projekt wäre, dann wäre ich auch genauso unerfahren an die Sache herangegangen wie bei Leyya.

Inwiefern meinst du weiterentwickelt?

Sophie: Ich habe mich zum Beispiel musikalisch weiterentwickelt, ich kenne mich mehr in der Musikbranche aus und ich weiß was ich will. Ich will professionell sein, ich will mein Instrument gut spielen können, ich will eine Message aussagen, ich will dastehen für das, was ich mache. Ich kann jetzt sagen: Das bin ich, das ist meine Musik und wenn es dir nicht gefällt, ist mir das egal.

Wie hat der Produktionsprozess für die Songs ausgesehen?

Sophie: Die Songs sind schon seit Ewigkeiten in mir herumgeschwirrt. Ich habe sie zuerst auf der Gitarre fertig gemacht. Dann bin ich zu Marco, mit dem ich auch bei Leyya spiele und er hat mir die Drums eingespielt. Ich habe dann noch Bass, eine zweite, manchmal auch eine dritte Gitarre aufgenommen. Eine Melodie habe ich auch eingesungen, aber ich wusste sofort, dass ich das nicht selbst singen will. Die Energie, die die Songs brauchen, habe ich nicht in meiner Stimme.

Welche Soundvorstellung hattest du dabei?

Sophie: Eigentlich hatte ich keine. Ich habe die Songs mit der Gitarre geschrieben und fand das schon cool, so wie es war. Ich wollte etwas Gröberes machen, nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang und nicht irgendeinen Schnickschnack. Ich habe dann aber trotzdem sehr viel mit Dingen wie dem Stereobild gespielt. Wenn man Kopfhörer aufsetzt, kommen manche Sachen nur von links und manche nur von rechts und die Gitarrenklänge interagieren miteinander.

Kathrin kommt hinzu.

Habt ihr schon Vorstellungen, wie eure Live-Performance aussehen soll?

Sophie: Ich glaube, Live sind Energie und Spaß total wichtig. Ich stelle mir einen kleinen Raum vor, vollgepackt mit Menschen und alle haben einen riesigen Spaß an der Musik, entweder am Zuhören oder am Spielen. Keine von uns soll auf der Bühne stehen und sich fürchten oder denken sie muss jetzt perfekt spielen. Mir ist lieber man greift ein-, zweimal daneben aber hat dafür Spaß.

Kathrin: Ich möchte seriös Musik machen und es ernsthaft betreiben, aber keine ernste Performance liefern. Wo der Vibe und die Live-Performance genau hingehen, werden aber erst die ersten fünfzehn Konzerte zeigen, bis wir merken: Aaah, so sind wir eigentlich Live.

Wie habt ihr vor damit umzugehen, wenn euch jemand in einem Interview zum Beispiel fragt, wie es ist als Frau Musik zu machen?

Sophie: In den letzten Jahren habe ich unter anderem auch gelernt mit solchen Dingen umzugehen. Mittlerweile lasse ich das nicht mehr auf mir sitzen. Wenn mich jemand fragt, wie es ist als Frau Musik zu machen, dann frage ich zurück, wie es ist als Mann Musik zu machen. Ich will an sich aber kein unguter Mensch sein und zurückmotzen. Ich finde, man muss das mit Geschick und Charme erklären. Mir geht es um das Empowerment des Menschen selbst, nicht nur der Frau. Jeder Mensch der ein gutes Herz hat ist viel wert.

Noch eine Frage an dich, Kathrin. Worum geht es für dich bei dem Projekt?

Kathrin: Ich habe nicht so viel Einblick in die Grunge-Rock Szene in Österreich, aber mir kommt vor, als ob es derzeit nichts Vergleichbares gäbe. My Ugly Clementine ist endlich einmal eine starke Rockband, in der nicht nur Dudes sind. Ich muss zugeben, für mich ist es oft langweilig nur Männer in den Bands zu sehen. Bei mir bewegt sich dann oft kein einziger Körperteil. Ich finde das Projekt ist dahingehend ein bisschen wie eine Clementine: Es ist erfrischend.

Foto 1: MUC/Mani Froh

Foto 2: MUC

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