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Melt Downer »III«

Mit ihrem neuen Album »III« präsentiert die Band Melt Downer rund um Wolfgang Möstl, Mario Zangl und Florian Giessauf insgesamt acht neue Songs, auf denen ein Gemisch aus Metal und Noise mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik Hand in Hand gehen.
von Maximilian Zeller
melt downer

Das österreichische Noise-Konglomerat Melt Downer veröffentlicht mit »III« ihr bereits drittes Album (Wortspiel bitte hier einfügen). Dabei scheint das Konzept der Band nach den beiden Vorgängern, »Melt Downer« (2017) und »Alter the Stunt« (2018), prinzipiell gleich zu bleiben: Alle Regler werden bis zum Anschlag aufgedreht, am Schlagzeug wird ordentlich reingelangt und die Aggressionen werden am Mikrofon ausgelassen. Das klangliche Ergebnis liegt irgendwo zwischen Metz, Sonic Youth, Pissed Jeans und The Jesus Lizard. Die Band schafft dabei ein perfektes Gemenge aus harten, punkigen Riffs und Klangeskapaden aus Noise. Bestes Beispiel dafür ist bereits das erste Stück mit dem Titel »Piece«, das gleich von Beginn an ziemlich brachial daher kommt, zwischendurch aber immer wieder von umherlärmenden Klangflächen abgelöst wird. Die darauffolgende Nummer, »Gross White«, schließt mit johlenden Gitarren und brüllendem Gesang direkt daran an. Diese ist bereits im letzten Frühjahr als Single erschienen, fügt sich aber auch im Gesamtkontext des Albums gut ein. Das dazugehörige Musikvideo – produziert von Kevin Pham – fängt die dystopische Stimmung des Songs mit einer Kombination aus nostalgischer VHS-Ästhetik und futuristischen Glitch-Effekten wirkungsvoll ein.

Die Aufforderung „turn into a good person“, die im Refrain im Unisono-Geschrei auf einen hereinbricht, traut man sich den drei Herren fast nicht ausschlagen – falls jemand noch nach einem verspäteten Neujahrsvorsatz sucht. Generell zeigen sich die Texte auf dem Album nicht nur gesellschaftskritisch („there are no troubles in this part of the world“), sondern üben auch Kritik am patriarchalen und kapitalistischen Lebensstil („fought for extra cash. stayed for minimal wage“). Im Hinblick darauf können einen die kurzen Breaks im Stück »The Corporate Identity« etwa so aus dem Hörfluss reißen, wie uns das Virus aus dem Alltag. Bei den Stopps liegt der Teufel aber in den Details: Während dabei zunächst noch das Ausklingen der Instrumente hörbar ist, zerfällt die Band später regelrecht in eine abrupte, völlige Stille. Durch das zusätzliche immer längere Hinauszögern der Pausen überschlägt sich die Spannung geradezu, bis sie sich in den letzten Sekunden des Songs doch noch entlädt und die Band am Ende nochmal ordentlich musikalisch drüberfährt.

Mit »Earth 2« zeigt sich das Trio anschließend von seiner punkigeren Seite. Mit knapp einer Minute Länge ist es auch das kürzeste Stück auf »III«. In ähnlicher Manier geht es zunächst auf »Minimal« weiter, wobei es nach dem Intro zum ersten Mal auf dem Album etwas gemächlicher zugeht und auch ein eher improvisierter Teil Platz findet. Kurz vor Ende wird im Zwischenteil bei »Gothic Fiction« musikalisch noch auf Nirvana verwiesen, an die man sich aber eigentlich schon beim Flanger-Gitarrensound beim Eingangsstück »Piece« erinnert fühlen könnte. Schlusslicht des Albums bildet der Song »Kind«, bei dem im ersten Teil eine noisige Klangfläche ständig rauf und runter moduliert. Würde man hier den Gesang Möstls durch das Gebrüll von MC Ride ersetzen, könnte das eigentlich auch als eine ziemlich gute Death Grips Nummer durchgehen. Nach einigen Minuten verschwimmt die Musik dann nach und nach zu einem sich langsam fortbewegenden Klangteppich, der schlussendlich allmählich verblasst. Wenngleich die Dauer des Stücks nicht dieselben Ausmaße wie das halbstündige »Dawner« des ersten Melt Downer Albums annimmt, belegt das zwölfminütige »Kind« dennoch die gesamte zweite Plattenhälfte von »III«.

Wie schon die letzten Veröffentlichungen erschien auch »III« als ein Co-Release mehrerer Labels: Während Numavi Records für die CDs und den digitalen Vertrieb verantwortlich ist, gibt es demnächst von Phantom Records auch eine Kassetten-Version des Albums. Die Schallplatte wurde sogar noch kurz vor Jahresende auf Rock is Hell Records veröffentlicht. Nachdem das Vorgänger-Album »Alter the Stunt« auf dem gleichen Label in Form einer ziemlich ausgefallenen Holzbox-Verpackung herauskam, präsentiert sich die Aufmachung diesmal in einem simpleren, aber dennoch schicken zweifarbigen Siebdruck-Cover.

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Ingesamt wirkt das Album etwas zugänglicher als die vorherigen beiden Veröffentlichungen. Das liegt vor allem an den kurzen Spieldauern der einzelnen Stücke, in denen sich die Hau-drauf-Mentalität der Band kompakt und kompromisslos bündelt. Erst gegen Ende hin werden die Songs offener und etwas länger, was aber dem Spannungsbogen beim Durchhören des Albums zugute kommt. Und dass es an der Produktion des Albums nichts auszusetzen gibt, braucht man eigentlich gar nicht mehr erwähnen, gilt ja der Name Möstl mittlerweile als ein Gütesiegel für ausgezeichnete Studioarbeit.

Nachdem ich das schon beim Review des letzten Bulbul-Albums im April geschrieben habe, bleibt auch hier noch immer nichts anderes übrig, als auf die bald wieder stattfindenden Konzerte von Melt Downer hoffen zu dürfen.

 


 

Foto (oben): Jan Hasenauer

Foto (unten): CheeChaak/Melt Downer

Cover: Melt Downer