Lukas Hofstätter

Unser erster »Drummer des Jahres« könnte vielseitiger nicht sein. Er trommelt bei Indie-Bands genauso wie bei Jazz-, Alternative- und Mittelalter-Folk-Projekten. Kurz vor Weihnachten haben wir ihn getroffen und erfahren, welche Sticks er gerne spielt, wer ihn besonders inspiriert hat und was Drumming für ihn bedeutet. Außerdem hat er in der beatboxx einen noch unveröffentlichten Song von Schodl am Schlagzeug präsentiert.

von Patrick Tilg

 

 

Was bedeutet Drumming für dich?
Passion.

Und wie kam es zu dieser Leidenschaft?
Musik mach ich seit meinem fünften Lebensjahr. Angefangen hat es mit musikalischer Früherziehung. Erst Blockflötenunterricht, dann habe ich mit sechs oder sieben Waldhorn gelernt. Allerdings hat mein Musiklehrer damals gemeint, dass meine Lippen zu breit für das Mundstück sind und deshalb bin ich aufs Tenorhorn umgestiegen. Mit 14 Jahren bin ich dann in die Blaskapelle rein. Zu der Zeit habe ich dann auch Sender wie MTV für mich entdeckt und erste Einblicke in die Rock/Pop-Welt bekommen. Nach einem Video von Avril Lavigne wusste ich dann sofort: Ich will hinters Schlagzeug! Nach der Blaskapellenprobe habe ich mich dann einmal heimlich in den Raum geschlichen und hab zum ersten Mal ein Drumset gespielt. Allerdings wurde das Spielen bald unterbrochen und ich musste wieder aufhören. Aber das war mein Einstieg. Mit 18 Jahren habe ich dann begonnen, Unterricht zu nehmen und nebenbei entstand meine erste Punk-Band. Und heut sitzen wir hier.

Bei welchen Projekten gibst du denn aktuell den Takt an?
Derzeit spiele ich bei Andyra, einer Mittelalter-Folk-Band, bei der deutschsprachigen Alternative-Band Schodl, bei der Psychobilly-Band The Spooky Guests und bei der Indie-Rock-Band Vaita. Und nebenbei habe ich noch ein Jazz-Quartett. Das sind meine fünf Projekte bei denen ich derzeit aktiv die Drums spiele.

Vom Sound her also quer durch die Bank – wie geht sich das alles aus?
Zum Glück habe ich ein recht gutes Organisationstalent und plane halt – wenn es geht – alle Proben, Studioaufnahmen und Konzerte weit im Voraus. So geht sich das dann alles irgendwie aus.

Liegt bei einem Projekt oder Genre der Hauptfokus oder investierst du in alle Projekte ähnlich viel Zeit und Aufwand?
Tatsächlich nicht – Musik ist für mich Musik und die Abwechslung ist quasi die Würze. Was mir tatsächlich auch sehr viel Spaß macht ist Unterrichten. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, wie die Schüler*innen etwas Neues lernen, das du ihnen selbst gezeigt hast – da entsteht eine coole Energie. Aber ja ganz egal mit welchem Projekt und ob im Studio oder auf der Bühne, es ist immer schön, Schlagzeug zu spielen.

Energie ist also ein wichtiger Bestandteil beim Schlagzeugspielen?
Ja, definitiv! Energie und Passion.

Wie stehst du dann so zu elektronischen Sounds und Samples? Geht da etwas an Energie und Dynamik verloren oder siehst du das gar nicht so?
Wenn es ein Song braucht, können elektronische Elemente durchaus Sinn machen. Manchmal produziere ich auch Beats für einen Rapper – da gibt es natürlich viele Samples. Aber im Großen und Ganzen bin ich schon immer eher ein Fan von akustischen Sounds. Finde auch spannend, wenn mit akustischen Sounds elektronische imitiert werden.

Klingt spannend, wie heißt der Rapper – gibt es da schon etwas zu hören?
Der heißt auch Lukas – aber es dauert noch etwas, bis der erste Track rauskommt. Für den bastle ich dann eben akustische Drums, Samples und andere akustische Instrumente für seine Songs zusammen, die ich vorher einspiele.

Sehr cool! Halte uns da am Laufenden!

Zurück zum Schlagzeug, wie magst du deine Sticks am liebsten?
Das kommt tatsächlich auf die Musikrichtung an. Für jeden Stil verwende ich andere Sticks. Für rockigere Sachen eher dickere und für Jazz eher dünnere, damit mehr Dynamik möglich ist, von ganz leise bis etwas lauter. Aber bei den Pop/Rock-Projekten spiel ich sehr häufig die Stärke 5A, das wirkt sich leider auch hin und wieder auf die Sehnenscheiden aus…

Wie ist es mit der Snare – lieber Holz- oder Metallkessel?
Da kommt es eher auf den Song an. Im Proberaum hab ich so 8 oder 9 Snares liegen die ich für Studioaufnahmen gerne durchprobiere. Aber live spiele ich fast immer die Gleiche – meine Galane 14×6,5 Acryl Snare. Manchmal auch meine Pearl. Dazu meine Galane Endorsement-Becken und -Sticks.

Apropos live – üben oder live-spielen?
Seit die Uni fertig ist bin ich leider etwas übungsfaul, aber prinzipiell beides. Denn es ist immer interessant, etwas Neues kennenzulernen, mich in anderen Stilen zu verbessern und neue Patterns und Techniken zu erlernen. Aber klar: Live ist Live – und es ist halt eine arge Energie, die bei Konzerten vom Publikum auf die Bühne kommt.

Und im Studio fühlst du dich auch wohl?
Ja, im Studio hört man halt immer gut, wo man ein bisschen daneben war. Aber ich habe mir selbst vor einiger Zeit die Grenze gezogen, dass ich für einen Song maximal vier Takes einspiele. Mehr gibt’s nicht. Meistens ist es dann der Dritte. Der erste Take zum Einspielen, der zweite gut, der dritte super und der vierte dann sicherheitshalber, damit es Material zum Schneiden gibt.

Ok, wow, 4 Takes sind nicht allzu viel bei einer Studioaufnahme!
Nein, aber kostet alles Zeit und Energie, da verbring ich lieber mehr Zeit beim Mikrofonieren als beim Einspielen. Üben sollte man ja vorher schon.

Bleiben wir nochmal beim Üben. Wie viele Stunden hast du in deinem Leben schon Schlagzeug gespielt?
Das kann ich dir nicht so genau sagen. Während des Studiums waren es durchschnittlich zwischen drei und fünf Stunden pro Tag. Aktuell schau ich, dass ich mindestens drei bis vier Mal die Woche, ein bis zwei Stunden spiele. Den Brotberuf gibt es ja auch noch.

 

Welche Drummer*innen haben dich bei deinem Schlaffen am meisten beeinflusst?
Anika Nilles, Thomas Lang, Emmanuelle Caplette, Jojo Mayer, Dave Grohl, mein Mentor Bernard Galane und im Jazz sind es Max Roach und Tony Williams.

Viele große Namen – aber was steht bei dir als nächstes an? Das Jahr ist ja noch jung!
Am 28.Jänner erscheint die neue Schodl Single »Zu Nah«, die ich bei der DdM-Session in der beatboxx bereits gespielt hab. Dann im Frühjahr, nach zwei Jahren Studio, kommt die erste Single von Fighter raus. Andyra wird wieder was releasen und mit den Spooky Guests wird es eine Halloween EP geben. Und wie es live aussieht – lassen wir uns überraschen!

Was würdest du jungen Schlagzeuger*innen mit auf den Weg geben?
Sucht euch eine*n Lehrer*in, der in vielen Stilen daheim ist und so einen guten Überblick verschaffen kann. Internet-Tutorials sind zwar super, aber es ist wichtig, dass die Lehrperson auch auf das Können und die Wünsche der Schüler*innen eingeht. Das können Tutorials leider (noch) nicht.

Danke für das Interview!

 


Foto: (c) Elisabeth Pollak