Klaus Zeiner

Unser »Drummer des Monats« im Feber 2022 ist Klaus Zeiner. Er ist Schlagzeuger bei der Electro-Pop Band Vivin und hat uns im Interview erzählt warum er es gerne ,scheppern’ lässt, ob er Breakbeat oder 4-to-the-floor bevorzugt und wie er seinen Kaffee am liebsten trinkt.

von Patrick Tilg

 

Was bedeutet Musik machen für dich?
Um ehrlich zu sein, sehr viel. Entspannung, Ausgleich, Leben. Je nach Situation, in der ich mich gerade befinde.

Also ist es quasi entweder eine Verstärkung oder ein Gegensatz deiner aktuellen Erlebnisse?
Schon ja. Momentan ist zum Beispiel sehr viel los, da ist es eher Entspannung bzw. Ausgleich und wenn es dann wieder etwas ruhiger wird und ich richtig im Musikmachen drin bin, dann ist es mein Leben.

Wie oft hörst du dann noch Musik oder hörst du nur mehr das, was du gerade selbst üben und spielen musst?
Das ist auch sehr abhängig davon, wie viel gerade los ist. Früher hatte ich Musik noch öfter als Hintergrundbeschallung laufen, das mach ich jetzt eigentlich kaum mehr. Wenn ich Musik höre, will ich das tatsächlich aktiv machen und bewusster wahrnehmen. Manchmal setze ich mich dann einfach hin und denk mir: Die Band oder dieses Album will ich jetzt hören, das brauch ich jetzt. Aber ich kann es dir leider nicht in Zahlen sagen, wie oft das tatsächlich passiert.

Streamst du dann eher Playlists oder legst du dir lieber eine Platte oder CD auf?
Zurzeit hör ich tatsächlich meistens Platten. Die Sammlung wächst zum Glück stetig. Und dieser Akt ist dann einfach sehr schön, weil man sich Zeit dafür nehmen muss.

Bei welchen Projekten hört man dich denn aktuell an den Drums?
Öffentlich spiele ich aktuell hauptsächlich bei Vivin. Da schreiben wir gerade das kommende Album fertig – machen die letzten Schliffe. Die LP soll dann noch vor dem Sommer rauskommen, mit einer Vorab-Single und Musikvideo. Außerdem hoffen wir natürlich auf einen Konzertreichen Sommer.
Aber es gibt auch noch ein paar Projekte, die zum Großteil noch unbetitelt sind – ganz quer durch die Genre-Welt. Bei einem ging es letztes Jahr ganz gut voran, da bin ich gespannt, wohin sich das entwickelt – das geht ein bisschen Richtung Austropop. Das hab ich vorher überhaupt noch nie gemacht, ist aber auch sehr spannend.

Wie bist du dann musikalisch sozialisiert, was lag bspw. in deiner Teenage-CD-Sammlung?
Also in meiner Jugendzeit hab ich ganz viel Red Hot Chili Peppers und Rage Against the Machine gehört. Das hab ich dann natürlich auch sehr viel gespielt. Und danach ging die Reise bald Richtung Punk. Hab dann auch sehr lange in der Punk-Band 21 Stories gespielt, das hat mich sehr geprägt. Wir waren eine Zeit lang recht viel unterwegs mit der Band, unter anderem haben wir am ‚Punkrock Holiday’ in Slovenien gespielt. Das Festival war in der Szene immer sehr angesehen. Das war eines meiner absoluten Konzert Highlights. Aber nach einigen Jahren hat sich die Band dann leider aufgelöst. Aber auch während der Punk-Phase gab es Electro-Pop Projekte, bei denen ich gespielt habe. So richtig festlegen wollte ich mich nie, also nur Punk oder nur Rock. Und so kam es dann auch, dass ich bei Vivin angefangen hab.

Wie kamst du zu Vivin?
Das war eher Zufall – es lief irgendwie über meinen alten Mitbewohner und Bandkollegen, auch Musiker. Bei einem gemeinsamen Konzert hat er von Ada von Vivin erfahren, dass sie eine*n Schlagzeuger*in suchen und ein paar Wochen später war ich bei ihnen im Proberaum. Und da die letzten zwei Jahre live nur wenig los war haben wir gemeinsam begonnen am Album zu schreiben.

Vivin könnte man ja als Electro-Pop Artist beschreiben, welche Rolle spielen dann synthetische Sounds und Samples bei deinen Sets?
Vor Vivin haben sie kaum eine Rolle gespielt. Jetzt mit Vivin schon. Wobei wir beim neuen Album weniger Elektronik in den Arrangements haben, als bei den vorigen Releases der Band. Viel mehr haben wir versucht, aus den akustischen Drums Sound zu generieren, die den Songs guttun. Aber im Live-Setting wird es sicher weiterhin das ein oder andere Sample geben, das aber vielleicht im Studio gar nicht synthetisch war. Nur ist es dann oft schwierig in verschiedenen Locations, oft unter Zeitdruck, die gleichen Sounds zu reproduzieren, deshalb gibt es zum Glück das Samplepad.

Klingt sehr spannend. Hast du denn ein Lieblings Schlagzeug- oder Percussion-Element oder siehst du die Drums eher ganzheitlich?
Irgendwas Schepperndes auf alle Fälle!

Also in Richtung HiHat?
Ja schon oder eben so schepperndes Zeug, das ich dann sowohl auf die Becken, als auch auf die Trommeln legen kann. Das erzeugt dann immer einen speziellen Extra-Rattle.

 

Das haben wir ja auch in der Videosession sehen und hören dürfen! Weiter geht es mit einer kurzen Frage: 4-to-the-floor oder Breakbeat – und warum?
Grundsätzlich Breakbeat, weil ichs cooler finde. Aber wenn nötig natürlich auch gerne 4-to-the-floor, um gut zu treiben.

Also gibts da keinen Groove, der jeden Song zu einem Radiosong macht?
Nein, also ich hab das Geheimrezept noch nicht gefunden, aber ich orientiere mich natürlich schon sehr am Song und spiele nur das Nötigste, um den Song zu unterstützen.

Was war der erste Song, den du je an den Drums gelernt hast?
Das war Imagine. Mein Cousin hat schon vor mir Schlagzeug gespielt und hat mich dann auch irgendwie dazu gebracht. Er war quasi mein erster Lehrer und mit Imagine haben wir begonnen. Damals wusste ich denn Song aber nicht wirklich zu schätzen, gerade drummäßig ist mir erst heute bewusst, dass der richtig gut ist, weil er so schön simple ist.

Spielst du den Song heute auch noch oft?
Nein, gespielt habe ich ihn schon lange nicht mehr, aber ich hör ihn sehr gerne an.

Welche österreichischen Drummer*innen würdest du für ein DdM Interview empfehlen?
Wen ich sehr spannend finde ist Andreas Lettner.

Den hatten wir schon bei uns! Gibt es noch andere die dich inspirieren?
Letzte Woche war ich auf einem Konzert meiner Schwester, Verena Zeiner – sie hat mit Ziv Ravitz ein Album aufgenommen und der ist einfach wahnsinnig gut. Mich inspirieren oft Musiker*innen, die ich vor kurzem live gesehen hab. Da merkt man auch am besten, wer richtig gut ist. Und der ist halt einfach ein Weltdrummer und das hat mich schon sehr zum Üben motiviert.

Apropos Üben – wie viel übst du in der Regel?
Kommt ein bisschen drauf an, was gerade ansteht. Aber aktuell leider nur so 2-3 Stunden pro Tag/Woche. Aber ich habe mir in der Wohnung ein kleines Setup gebaut, wo ich mich manchmal auch einfach nur für ein paar Minuten dransetzen kann, wenn es mich gerade freut. Einfach zum Groove und Technik üben.

Wie war das für dich im Studio, fühlst du dich da wohl oder bist du lieber auf der Bühne?
Eigentlich gefällt mir das Livespielen schon besser, weil ich einfach das Feeling während eines Konzerts sehr schön finde. Es ist unperfekter als im Studio. Aber die Studio Experience macht schon auch sehr spaß. Der Prozess ist sehr fokussiert und intensiv – du bist halt wirklich nur für den einen Song oder das eine Album da und machst nur das. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann live.

Wie ist das dann im Studio, muss es ein Take sein, der passt oder darf da auch mal viel geschnitten und geloopt werden?
Kommt ein bisschen darauf an mit wem wir aufnehmen. Grundsätzlich probiere ich immer einen super Take einzuspielen, der von hinten bis vorne funktioniert und groovt und wenn es da die ein oder andere Stelle gibt, die noch nicht 100 Prozent sitzt, darf die ruhig auch von einem anderen Take kommen oder verschoben werden. Mag es aber schon, wenn es im gesamten organisch ist. Es soll am Ende halt einfach stimmig sein und dem Song guttun. Wenns also ein Song ist, wo wirklich alles perfekt sein muss und es nur mit schneiden funktioniert, dann soll es so sein.

Gibt es etwas, das du unbedingt zum Drummen brauchst? Eine spezielle Atmosphäre oder irgendeinen Gegenstand?
Hm.. Kopfhörer und Playalongs wohl am ehesten, ohne die geht Garnichts.

Was steht bei dir in naher Zukunft an?
Der Fokus liegt in den nächsten Monaten beim Album-Release mit Vivin. Außerdem will ich, dass sich auch das ein oder andere Projekt noch weiterentwickelt und aus dem Proberaum heraus kommt. Und dann werden wir schauen, was sich noch ergibt in der nächsten Zeit.

Und zum Schluss: Wie trinkst du deinen Kaffee?
Heute verlängert. Morgens Espresso.


Fotos: (c) Franziska Kleinschmidt