Szene. Nischen. Subkulturen. – Wie viel Klasse hat die Klassik?

Nobel angezogene Menschen sitzen, in der einen Hand ein Champagnerglas haltend, in einen prunkvollen Konzertsaal unter einem gigantisch großen Kronleuchter. Im Gegensatz dazu tummelt man sich bei anderen Konzerten noch kurz vor Beginn des Gigs an der Bar und quetscht sich irgendwie durch vollends verschwitzte Leute, um ein Bier zu bestellen. Bei dem Musikgenre der Klassik geht das alles etwas gediegener zu, aber was ist dabei nur Klischee, was Wahrheit und was liegt irgendwo dazwischen?
Von Magdalena Zimmermann

 

Die Klassik war schon immer eine elitäre Musikrichtung. Bereits in ihren Anfängen war sie nur den Aristokraten und der reichen Oberschicht vorbehalten. Wer Klassik hörte war demzufolge meist alt, reich und definierte sich zu einem gewissen Grad über das Hören dieser Musikrichtung. Auch der Name „Klassik“ ist an und für sich ja schon elitär, denn er leitet sich aus dem lateinischen „Classicus“ ab, was so viel bedeutet wie „erste Klasse“ oder die „erste Stelle eines Ranges.“ Innerhalb der Klassik, dient also die Musikrichtung und die Zuschreibung zu diesem speziellen Genre auch als Beantwortung der Frage des sozialen Status.

Festliche Säle, statt ranzigen Beisln’

Wie in jeder Szene, gibt es auch innerhalb der Klassik ganz spezifische Verhaltensmerkmale und äußerliche Erscheinungsbilder sowie Etiketten, die einzuhalten sind. So sind es innerhalb des Metals die langen Haare und dunkle Kleidung inklusive Bandshirts, so gestalten sich die äußeren Merkmale innerhalb der Klassik – nun mal eben – klassischer. Konzerte werden nicht in alten Beisln und umgebauten Fabrikshallen aufgeführt, sondern in prunkvollen Ball- oder Festsälen, die oft seit Jahrhunderten bestehen. Getragen wird Anzug und Kleid, wenn es legerer sein soll, dann geht das natürlich auch, aber eine gewisse Etikette ist meist zu erkennen. Klassik geht auch immer mit einem Anspruch an Intellektualität einher, so zeichnet sich die Szenenzuschreibung auch immer durch eine bestimmte Art und Weise der Verwendung von Sprache aus. Man stellt sich Klassikhörende als intelligent und anspruchsvoll vor. Sie hören Musik nicht nur zum puren Vergnügen und um sich bei Konzerten mitgrölend in Moshpits zu pogen, sondern sie selbst als Person nehmen sich während des Konsums der Musik gänzlich zurück, verschmelzen mit ihren Sitzen und verhalten sich dabei möglichst unauffällig und leise. Und sie klatschen auf keinen Fall einfach so!

Zurückhaltende Ekstase

Eine Studie, die von dem Streaminganbieter IDAGIO veranlasst wurde, der sich auf klassische Musik konzentriert hat, besagt, dass über 60 % der Klassikhörenden, diese zur Entspannung konsumieren. Klassische Musik ist demnach also nicht eine Musik der Ekstase und wenn, dann passiert diese Ekstase zurückhaltend innerhalb der eigenen Gedankenwelt. Gehört wird die klassische Musik natürlich nicht nur von alten, weißen Männern, aber eben vorwiegend schon. Es gibt jedoch auch moderne Zugänge zur Klassik und zahlreiche junge Menschen, die sich für diese Musikrichtung begeistern und gänzlich in ihr aufgehen. So ist das Publikum auf Klassikkonzerten zwar meist älter, aber darunter finden sich auch jüngere Personen. Auch unter den Klassikstars tummeln sich neben Mozart, Beethoven und Hayden auch junge Komponist:innen, die die Szene moderner und frischer gestalten wollen.

Klassik ist auf jeden Fall, wie kaum eine andere Musikrichtung innerhalb der Gesellschaft angesehen. Klassik ist die Musikrichtung, die gemeinhin als Kunstform etabliert ist und sich als solche definiert. Und Klassik übt eine Faszination auf Millionen von Menschen aus. Wir haben mit dem 37-jährigen Richard, einem ehemaligen Wiener Sängerknaben und Klassikfan, kurz über die Klassikszene gesprochen:

> Was ist Klassik für dich?
Ein Hörgenuss, auf den man sich unbedingt mal einlassen sollte.

> Wie definiert sich die Klassikszene?
Ich würde sagen, unfassbar bunt. Vor allem, wenn man bei der Epocheneingrenzung nicht zu streng ist. Und dank dem ausgelaufenen Urheberrecht, günstigen Stehplatzkarten im Musikverein und Streamingplattformen zugänglich für jede:n die:der sich darauf einlassen möchte.

> Wie sieht ein:e klassische:r Klassikhörende:r für dich aus?
Schnöselig, schick und weiß-behauptet bis hip mit Undercut. Sie alle eint, die Begeisterung für Musik. Das Aussehen ist da nicht weiter wichtig.

> Wie grenzt sich Klassik musikalisch von andern Musikrichtungen ab?
Wenn man unter der Klassik die traditionelle europäische Musik versteht ist die Abgrenzung einfach die, dass sie zeitlich vor der Moderne da war.

> Was muss jedes gute “Klassikstück” beinhalten?
Ein spannendes Thema.