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Backstage. Abseits des Rampenlichts – mit Paulina Parvanov

Diesmal widmen wir uns bei »Backstage. Abseits des Rampenlichts« den Aufgaben und Arbeitsfeldern der Bereiche: Musiklabel und -management. Deshalb haben wir Paulina Parvanov getroffen und sie befragt, wie das Indie-Label Business denn so abläuft. Im ersten Teil haben wir unter anderem erfahren wie sie dazu gekommen ist, welche Merkmale gute Artists für sie haben sollten und mit welchen Acts sie aktuell zusammenarbeitet. Das komplette Interview könnt ihr hier als Podcast nachhören:
von Patrick Tilg

Paulina gründete Anfang 2020 die Musikagentur soda mit himbeer. Das heißt sie arbeitet mit den Künstler*innen, die sie betreut, an deren Karrieren. Das reicht von klassischen Label-Aufgaben, wie Musikveröffentlichungen, über das Booking von Konzerten bis hin zu Promotion- und Pressearbeit. Laut Paulina könne man diese einzelnen Bausteine auch gar nicht ganz getrennt voneinander betrachten, denn die Laufbahn eines Acts hänge von sehr vielen Faktoren ab: „Image, Kommunikation, Live-Konzerte … also wie sehen sie aus, wo spielen sie und was erzählen sie über sich.“ Das alles hängt für sie zusammen und deshalb versucht sie diese drei Bereiche des Musikbusiness zu verknüpfen und ganzheitlich zu verstehen.

Ursprünglich kommt sie aus dem Kommunikations-Bereich und hat sich bis Ende 20 kaum mit Musik beschäftigt. Eintritt in die Welt der Musik war 2018 das Anliegen einer befreundeten Band, die Unterstützung in Sachen Administration benötigte und deshalb an sie herangetreten ist. Heute ist sie überzeugt: „Das ist eigentlich das, was ich tun will – mit Musiker*innen arbeiten“.

Ihre Musikagentur soda mit himbeer soll bewusst offen gestalten sein und kennt auch keine festen Genre-Grenzen. „Ich bin nicht der Typ für Volksmusik, Schlager, Klassik, Metal oder Hardcore … also für die Außengrenzen des musikalischen Spektrums. Der kleinste gemeinsame Nenner meiner Artists ist wahrscheinlich der Bereich Indie-Pop/Rock, deutsch- oder englischsprachig.“, so Paulina. Schubladendenken will sie aber so gut es geht vermeiden und nur in Betracht ziehen, wenn es darum geht potentielle Zielgruppen, also Hörer*innen abzustecken.

Auf die Frage hin, ob sie ihre Artists nach kuriosen Merkmalen wie Authentizität oder Talent bewerten bzw. aussuchen würde, waren wir uns beide einig, dass dies keine sinnvollen Indikatoren sind, um Musik zu beurteilen. Zum einen, weil Musik, die von Künstler*innen geschrieben und performt wird, doch per se authentisch sei und zum anderen, weil Talent weder gut messbar, noch selbstverständlich gute Musik evoziert. Wichtig sei es allerdings schon, für die Artists das passende Umfeld und Image zu finden, in dem sie sich dann bewegen und dadurch für die Zuhörer*innen möglichst echt ankommen. Ob die Musiker*in also schon mit sieben Jahren Mozart spielt und nach der Schule zielstrebig ein Musikstudium verfolgt oder ob man erst später beginnt sich für Musik zu interessieren, sei nicht immer auschlaggebend für Erfolg.

Aktuell arbeitet Paulina mit sieben Artists zusammen, wobei sie immer versucht mit allen gleichermaßen parallel im Austausch zu stehen. Ihr Ziel ist es also nicht nur rund um die Releases herum für Wirbel zu sorgen, sondern auch permanent an der „Marke“ bzw. den Künstler*innenprofilen zu arbeiten. Ob für das Synth-Pop Duo Another Vision oder die Gitarrenband Grant, die sie managt, ob für die Wiener Acts Schodl, Schaller & Rausch oder Lisa Schmid, deren Releases sie als Label veröffentlicht oder ob für PauT und Maddy Rose, die sich auf ihrem Booking-Roster befinden – bei allen Acts verfolgt sie den Grundgedanken: Wie können sie die Musik am besten an die Leute bringen.

Den angesagten Trend des Eigenlabels, den immer mehr Künstler*innen nachgehen, kann Paulina absolut nachvollziehen. Nicht immer sei ein Label oder Management für Artists wirklich sinnvoll. Aber dennoch will sie Musiker*innen dabei helfen, sich auf die Musik fokussieren zu können und nicht immer sämtliche andere Aufgaben im Kopf zu haben. Sei es neue Pressefotos zu machen, Musikvideos zu drehen, Karriereziele zu überlegen, alle Social Media Kanäle zu betreuen und immer genau zu wissen, was man sagt. Musiker*innen sollen nicht – wie so viele im Kreativbereich – zu „eierlegenden Wollmilchsäuen“ werden. Wichtig bei Deals mit Labels oder Managements sei außerdem, dass diese den Artists auch wirklich aktiv Arbeit abnehmen und diese auch finanziell unterstützen. Denn: „Ein professionelles Team soll den Künstler*innen einfach dabei helfen, Platz für kreative Prozesse freizuschaufeln und Aufgaben auszulagern.“

Nächstes Mal erfahren wir unter anderem, wie ein klassischer Tag einer Musikagentur aussieht, wie die heimische Label-Landschaft aussieht und welche Aufgaben in den nächsten Jahren auf die Musikwirtschaft zukommen.

Fotos: (c) Gerald Schodl

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