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Aze –„auf dem Spektrum zwischen sad und sexy“

Aze –  bestehend aus Beyza Demirkalp und Ezgi Atas – haben im Dezember vergangenen Jahres ihre Debüt-EP ‚Dead Heat‘ veröffentlicht. Mit einem direkten Einstieg in die FM4-Charts und dem The Message Award als ‚Newcomer des Jahres‘ verzeichnen die beiden bereits erste Erfolge. In ihren Songs geht es um Themen wie Liebe, Freundschaft, Familie und Herkunft. Wir haben das vielversprechende Duo zum Interview getroffen und mit ihnen darüber gesprochen, worum es auf ihrer EP geht, wie sie an neuen Songs arbeiten und wie wichtig sie Computer in der Musik finden.
von Clara Pacher

Wie würdet ihr euch selbst vorstellen – wer sind Aze?

Beyza: Ich bin Beyza.

Ezgi: Ich bin Ezgi und zusammen sind wir Aze. Wir sind zwei Artists, die zusammenkommen, um miteinander zu arbeiten. Deshalb stellen wir uns eigentlich immer zuerst separat vor.

Wann und aus welchem Grund habt ihr begonnen Musik zu machen?

Ezgi: Als ich 6 war, hat mich meine Mutter in die Musikschule geschickt. Dort hatte ich musikalische Früherziehung, lernte Blockflöte, später Altflöte und als ich dann einen Platz bekam, nahm ich Gitarrenunterricht. Ich lernte 7 Jahre klassisch Gitarre, verlor dann aber irgendwann den Zugang dazu.

Beyza: Ich habe mit ungefähr 12 begonnen, mir selbst Gitarre beizubringen. Mir war das Warten viel zu lange. Es war ja extrem schwer, da reinzukommen.

Ezgi: Wir haben dann immer mehr auf Akkord-Basis gespielt und ich kam immer weiter weg vom klassischen Zugang. Inzwischen ist Beyza so viel besser als ich, weil ich irgendwann aufgehört habe. Eines muss man auch dazu sagen: Sie kann es aus dem Gehör.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Ezgi: Mein Vater hat Beyzas Eltern angesprochen – da waren wir ungefähr 3 Jahre alt – weil wir damals im gleichen Gemeindebau gelebt haben. Wir haben dann immer zusammen gespielt, weil wir so nahe wohnten. Wir waren auch 8 Jahre in der gleichen Schule. Dieses Jahr feiern wir unser 20-Jähriges – und wir sind erst 23!

Woher der Name Aze?

Ezgi: Wir sagen immer zum Spaß, dass wir das Ass im Deck sind – und deswegen Aze.
Aber eigentlich war es zuerst Eza, eine Mischung  aus unseren beiden Namen. Dann sind wir leider draufgekommen, dass es bereits eine Künstlerin gibt, die sich so nennt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ein fertiges Logo und eine Freundin meinte dann: „Warum flippst du es nicht einfach?“. Dann waren wir Aze.

Was sind eure musikalischen Einflüsse?

Ezgi: Dazu gehört auf jeden Fall Lana del Rey. Sie hat uns sehr geprägt. Aber grundsätzlich fließt alles, was wir hören, in unsere Songs ein.

Beyza: Aber nicht nur, was wir hören, sondern auch, worüber wir z.B. mit Freunden sprechen. Mir fällt es total schwer ein*e Lieblingskünstler*in zu nennen.

Ezgi: Ja, ich habe auch eher so 2-3 prägende Alben im Jahr. Z.B. ‚Assume Form‘ von James Blake, ‚Case Study 01‘ von Daniel Caesar, ‚Magdalene‘ von FKA Twigs oder ‚Fuck the World‘ Brent Faiyaz.

Beyza: Ich würde sagen, eine Mischung aus alledem ist gerade unser Sound. Mit einem Bisschen von türkischer Musik dabei. Wenn wir jamen, kommt immer irgendwo das Türkische raus.

Wie arbeitet ihr generell? Wie schreibt ihr eure Songs?

Ezgi: In 99% der Fälle ist die Musik zuerst da. Ich warte eigentlich meistens auf die Musik.
Wir sind aber auch ein Duo, deshalb frage ich Beyza oft, was sie gefühlt hat, als sie es geschrieben hat, bzw. was sie mir mit ihrer Musik sagen will.

Beyza: Am Anfang war unser Schreibprozess extrem getrennt. Ich habe Musik gemacht, meistens mit der Gitarre, und es dann an Ezgi geschickt. Sie hat dann einen Text geschrieben, ist in mein Zimmer gekommen und so haben wir dann den Song gemacht. Mittlerweile können wir aber auch in einem Raum jamen.

Ezgi: Ich war super insecure. Im Mai 2019 habe ich meinen ersten Song geschrieben, aber dann hat es Klick gemacht. Ewig lange haben wir nur Covers gemacht und irgendwann dachten wir uns, wir wären doch blöd, wenn wir nicht auch eigene Songs schreiben.

Was auch ganz lustig ist: In der Zeit, als wir zusammen gelebt haben, haben wir auseinandergearbeitet und jetzt wo wir nicht mehr zusammen leben, arbeiten wir zusammen.
Wir waren zwei Zimmer auseinander und haben uns Sachen geschickt und jetzt wohnen wir 30 min auseinander und treffen uns zum Musikmachen.

Mit welchen Themen habt ihr euch auf eurer EP auseinandergesetzt?

Ezgi: Enttäuschung – deswegen heißt sie auch ‚Dead Heat‘. So in die Richtung von leeren Versprechen.
Wir hatten das Gefühl, in Freundschaften gelandet zu sein, die uns ein Gefühl von Anschluss gaben. Damit hatten wir lange Schwierigkeiten. Am Ende ist dann aber rausgekommen, dass das Ganze enttäuschend oberflächlich war. Deswegen haben wir uns gedacht, wir decken einen Tisch, machen türkisches Frühstück und laden ‚Dead Heat‘ mit ein. Daher auch das Cover.

Beyza: Die Anreihung der Songs auf unserer EP entspricht auch dem Ablauf, wie die Dinge in unserem Leben passiert sind – von ‚Drawn in‘ bis hin zu ‚Interlude / Outro

Ezgi: Von „Oh mein Gott, ich Platze gleich vor Anziehung“ bis hin zu „Weiß nicht, ob ich das je hätte fühlen sollen“. So in die Richtung „Vielleicht sind intensive Gefühle auf diese Art auch zu hinterfragen“. Nur weil deine Intentionen pure sind, kannst du das nicht von deinem Gegenüber erwarten.
Es war auch Therapie für uns. Dinge so verarbeiten zu dürfen, ist schon nice, aber manchmal auch sehr belastend. Währen dem Aufnahmeprozess von „Laundry Room“ waren wir z.B. unglaublich depressed.
Die EP ist aber auch nur eine Momentaufnahme. So wie damals machen wir ja heute wie gesagt gar nicht mehr Musik. Es ist jetzt viel weniger getrennt und so fühlt sich dann hoffentlich auch das Album an.

Ihr arbeitet also an einem Album?

Ezgi: Ja genau. Wir arbeiten dafür mit Jakob Herber (Flut, Anger, Culk, Doppefinger Anm.) zusammen und haben Ende Februar bereits eine Woche im Studio an den Aufnahmen gearbeitet. Dort haben wir ca. 12 Stunden pro Tag Musik gemacht. Es war ein echt nicer Flow. Wir haben immer nur an einem Projekt gearbeitet und aus einem Song hat sich dann jeweils der nächste ergeben. Ich glaube wir haben in dieser Zeit einen guten Mix zusammengebastelt – am Spektrum zwischen sad und sexy.
Wir arbeiten auch gerade an einem Video für ‚Laundry Room‘. Das wollten wir eigentlich schon vor dem Lockdown machen, da ist es sich aber nicht ausgegangen. Jetzt drehen wir es endlich nach und bringen es hoffentlich Anfang April raus.

Wie wichtig sind euch Messages? Welche wollt ihr transportieren?

Ezgi: Schon wichtig, ansonsten würden wir auch nicht konzeptionell arbeiten. Mir ist aber nicht wichtig, was mein Gegenüber aus meinen Texten liest. Wenn‘s wer fühlt beim Hören, dann ist die Message total angekommen – egal was für eine.

Beyza: Es muss für uns nicht relatable sein.

Wie wichtig ist der Computer in eurer Musik / wie wichtig sind Instrumente?

Beyza: Ich würde sagen, Instrumente stehen ganz oben, weil es meistens damit beginnt.  Bei uns ist aber beides ein wichtiger Teil. Ich finde, es wird oft leider ein bisschen negativ aufgefasst, wenn man sagt, dass man am Computer Musik macht.

Ezgi: Ich denke, dass die Zeit vorbei ist, in der Boybands im Keller ihrer Eltern Musik gemacht haben und so berühmt wurden. Heute machen einfach viele Leute Musik am Computer. Das ist durch das Internet viel zugänglicher geworden und das ist auch sehr gut so.

Seht ihr euch als Bühnenmenschen? Tretet ihr gerne vor Publikum auf oder schreibt ihr vielleicht lieber?

Beyza: Beides, aber ich muss sagen live spielen ist schon echt cool. Ich bin eher ruhiger, aber trotzdem liebe ich das Gefühl, das einem das live-Spielen gibt.

Ezgi: Wenn man live spielt, bekommt man immer den Reality Check, wie es bei den Leuten ankommt. Und darauf kommt es ja im Endeffekt immer an. Darum ist es schade, dass wir das bis jetzt nur so wenig erleben durften.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Ezgi: Glücklich sein (lacht). Ich will einfach nur stolz darauf sein, was wir machen. Toll wäre es, von der Musik Leben zu können. Das ist so unser Traum, den ich mir fast nicht auszusprechen traue. Für die Musik leben zu dürfen wäre ein schönes Ziel.

Beyza: Ich würde auch gerne in Deutschland etwas machen. Dort z.B. mit Künstler*innen kollaborieren.

 

Fotos: Christoph Liebentritt (Titelbild, Bild 2 im Fließtext), Marlena Iglseder (Bild 1 im Fließtext), Candas Acar (Bild 3 im Fließtext)

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