Wir waren Rocker

Die früheren Zeiten in den Tonstudios, von denen Titus uns berichtet, waren nicht nur durch erhabene Räumlichkeiten und den fatalistischen Umgang mit Tonbändern geprägt, sondern auch von einem direkteren, pragmatischeren Ansatz, gepaart mit einer Portion Unerfahrenheit.

Nicht nur die 24-Spur-Bandgeräte, auch ein Tag im Studio an sich war damals ein großer Luxus, den man sich erst einmal leisten können musste. „Wenn du dir ein Studio leisten konntest, hast du entweder ein Vorab-Erbe von den Eltern kassiert oder einen Vertrag mit einer Plattenfirma gehabt. Man hat einen Financier gebraucht.“ erklärt Titus. Dementsprechend unerfahren waren einige bei den ersten Versuchen in diesen Gefilden. Da kam es schonmal vor, dass ein lapidares ‚Du musst es ein bissl weiter hinten spielen!‘ zu einem unsicheren Schritt zurück oder gar zu Wanderungen durchs Studio anstatt zu einer passenden Time geführt hat.

Es waren andere, laxere Zeiten. Zeiten, in denen nicht jeder alles perfekt konnte und in denen das Ohr noch über das Auge gesiegt hat. „Bis auf die Bläser hat ja kaum jemand Noten lesen können. Man hat sich gegenseitig Sachen vorgesungen und musste sich alles genau merken.“ Was Titus nicht nur sehr gut konnte, sondern durchaus auch seinem damaligen Ideal entsprach. „Damals hat es ja gar nix gegeben, um richtig Blattlesen zu lernen. Es gab das Kons und aus. Wenn du dort nicht genommen wurdest, dann warst du halt nirgends. Und das Kons war Jazz. Punkt. Aber das waren wir nicht! Wir waren keine Jazzer, wir waren Rocker!“

 

 

von Moritz Nowak

Beiträge zum Stöbern