Walter

Was eine Band wirklich ausmacht, weiß Titus sehr gut. Die Erfahrung aus etlichen Kombos wirkt sich schließlich auf die Urteilskraft aus. Darüberhinaus hat er in der Rolle seiner Kunstfigur Walter unzählige Bandcontests moderiert. Als solcher bediente er sich nicht nur seiner scharfen Zunge, sondern auch seiner nicht minder scharfen Beobachtungsgabe. Die Darbietungen lieferten freilich von bemüht bis beeindruckend viele Anschauungsbeispiele.

Nebelmaschinen, Elvis-Mikrophone und pompöse Einspielungen von Intro-Tapes haschten da mitunter um Aufmerksamkeit und Zuspruch. Doch was wirklich zählt, können weder diese, noch das virtuoseste Handwerk ersetzen: Es braucht vor allem eine Idee. „Ein Konzept und eine durchgängige Idee hinter der Musik sind das Allerwichtigste.“ meint Titus. Zu oft lasse man sich von reinem Können und Virtuosität blenden. „Üben kann man immer mehr, aber dass Vortrag, Bühnenbild und die Idee dahinter wirklich eine Einheit bilden, ist nicht leicht. Freilich, wenn eine Band gut spielt, dann ist sie gut. Man hat aber bei hundert Bands vielleicht zehn dabei, wo eine Idee dahinter erkennbar ist. Ohne Idee kannst du die ganze Virtuosität in der Pfeiffe rauchen.“

Auch die alte Frage nach dem Text ist eine heikle. Englisch zu singen um jeden Preis sei jedenfalls allzuoft der Holzweg: „Manchmal sind sogar auf der Setlist ärgste Rechtschreibfehler drauf. Man sollte sich ruhig trauen, in der Muttersprache zu texten, weil die verstehst und spürst du automatisch. In einer anderen Sprache lässt es sich leicht schleißig sein“

Die häufige Ausrede, dass Deutsch einfach nicht cool zu singen sei, lässt ein Titus Vadon nicht gelten, denn: „Es ist sogar sehr cool! Da gibt es tausende Beispiele. Es ist nicht leicht, aber wenn ein deutscher Text gut ist, dann hupfen alle auf!“.  So wie Titus – denn er weiß es besser. Walter auch.

 

 

von Moritz Nowak

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