Click

Von ersten mühsamen, mitunter frustrierenden Erfahrungen mit dem Click können viele Trommelnde ein Lied singen. Man hört ihn, dann ist er wieder weg. Hört man ihn nicht, ist man genau drauf. Da heißt es dann: Nur nicht zu grübeln beginnen. Was, wenn er ausgefallen ist? Irritation macht sich breit. Nein, ist er nicht, da ist er wieder, gnadenlos vor sich hin hämmernd, ohne Rücksicht auf Verluste. Man fühlt sich gelegentlich ausgeliefert, hinterfragt sein eigenes Spiel, ja sogar seine gesunde Wahrnehmung.

Das kann unter gewissen Umständen den Besten passieren; wie Titus sich an eine Recording-Session erinnert: „Ich spiele und verliere an einer Stelle immer wieder den Click. Der muss doch falsch sein! Aber was, wenn ich es bin? Besser nix sagen! Sonst wirst du vierzehn Tage verarscht, wenn du was falsches sagst.“

Was heute für die meisten Drummer Standard ist, war zu Titus frühen Zeiten noch in den Kinderschuhen. „Es hatten wenige Leute Erfahrung mit dem Click. Die Aufnahmen waren dann zwar genau drauf, aber es hat total an Leben verloren, war total steif – nicht zum Anhören! Man denkt sich: Was ist los?! Es steht, es fahrt nicht, es groovt nicht. Man hat erst Erfahrung sammeln müssen damit.“ Freilich, das klassische Liedgut verlange eben manchmal nach verschiedenen Tempi, doch in den 80er Jahren wurde der Click plötzlich heilig gesprochen: „Die große Frage war seither immer: Kannst du zum Click spielen?“

Titus kann. Und seine gesunde Wahrnehmung hat ihn damals nicht getäuscht. So reichte der zuständige Techniker nonchalant nach, dass der Click an jener Stelle eben ein paar Schläge langsamer gewesen sei. Eine Kleinigkeit, würden manche meinen – als Drummer eine Horrorgeschichte.

 

 

von Moritz Nowak

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