Thomas Berger

Thomas Berger ist Schlagzeuger der Indie-Rock-Band Seraphim, sowie den Psychedelic-Doom-Rockern Timestone. Er weiß nicht nur über die Beschaffenheit verschiedenster Drumsets bestens Bescheid, er baut sie sogar selbst. Im Interview mit Backbeat.at erzählt er über sein Gewerbe T Berger Drums und plaudert über seinen Werdegang als Schlagzeuger.

Hi Tho10604047_10152537374786566_8795631003878223976_omas, wie geht’s in der Werkstatt voran?

Sehr gut, ich habe mittlerweile mein viertes Drumset fertig gebaut und es kommen laufend Anfragen.

Wieviele Trommeln hast du bis Dato schon gebaut?

In Summe sind es jetzt 4 Drumsets und 32 Snaredrums.

 

 

Wie hat das mit dem Schlagzeug bauen bei dir begonnen?

Ich wollte mir eine neue Snaredrum kaufen und hatte bereits fixe Vorstellungen was Sound und Material betrifft. Ich konnte nirgends etwas in der Art finden, also habe ich einen Freund, der Lüftungsspengler ist, gefragt, ob er mich beim Bau unterstützen kann. Der Grundgedanke war, Lüftungsrohr in kurz, ergibt Trommel. Also haben wir losgelegt. Nach ein paar Fehlversuchen hatten wir den Dreh raus und wussten, wie wir den Sound nach Belieben verändern konnten.

Hast du dich, bevor du begonnen hast Trommeln zu bauen, für Sounddesign interessiert?

Ich habe immer versucht, möglichst viel Input zu bekommen. Übers Internet habe ich mich immer über die verschiedenen Arten von Drumsets informiert. Wenn ich was gesehen habe, was für mich interessant war, wurde es schon bestellt. Mein Vater hat immer den Kopf geschüttelt, wenn wieder ein paar sperrige Kisten vorm Haus gestanden sind. Glücklicherweise hat sich das mittlerweile auf ein Minimum reduziert.

Das viele Testen kommt dir ja jetzt zu gute.

Genau. Die Leute die zu mir kommen, haben meistens schon eine Vorstellung in welche Richtung der Sound gehen soll und welches Material zum Einsatz kommt. Positiver Nebeneffekt ist außerdem, dass ich durch das breite Spektrum an Anfragen viel lernen kann. Ich Teste alles was ich baue im Proberaum und bekomme so einen Eindruck wie sich die verschiedenen Faktoren auf den Sound auswirken. Somit muss ich die Trommel nicht kaufen und wenn ich selbst sowas in der Art haben möchte, weiß ich was zu tun ist um das Ergebnis zu erhalten.

Planst du mit T Berger Drums zu expandieren?

Nein. Es hat bei mir als Hobby begonnen und das wird es auch bleiben. Natürlich ist es ein guter Nebenverdienst, aber ich mache das ganze eher aus Leidenschaft zum Schlagzeug. Daraus ergibt sich eine Win-Win-Situation. Ich bin nicht davon abhängig, Drumsets zu verkaufen um Geld zu verdienen und somit kann der Kunde / die Kundin qualitativ hochwertige Trommeln zu einem erschwinglichen Preis kaufen. Wenn du eine Snare um 1500€ das Stück verkaufst, fällt dir eine Gruppe von potentiellen Käufern weg. Durch den kleineren Preis bleibt das Ganze im Gleichgewicht.

Wie bist du eigentlich zum Schlagzeugspielen gekommen?

Ich habe mit elf Jahren – also relativ spät – begonnen Schlagzeug zu spielen. In den Fotoalben findet man viele Fotos, auf denen ich bei Familienfeiern ganz versessen auf die Musiker starre. Mich haben bei jeder Musikgruppe immer die Schlagzeuger ganz besonders fasziniert. Ich war Irrsinnig gestoked, dass man nur durch Draufhauen solche Töne erzeugen kann. Irgendwann stand dann ein kleines Plastikschlagzeug unter dem Christbaum. Als ich dann alt genug war, habe ich mein erstes richtiges Drumset bekommen und konnte kurz darauf anfangen, Unterricht zu nehmen. In einem Ort mit 1400 Einwohnern kam ich nicht drum herum, bei der Musikkapelle anzufangen. Die Jahre strichen ins Land und Mädels und eine eigene Band wurden immer Interessanter. Im Zuge dessen wurde meine Karriere bei der Musikkapelle erstmal auf Eis gelegt.

Im Jahre 2006 hat sich Seraphim gegründet. Warst du bei der Gründung dabei oder bist du später dazugestoßen?

Ich habe vorher bei einer anderen Band gespielt. Dadurch, dass der Schlagzeuger von Seraphim ein Auslandsjahr gemacht hat, sprang ich für ihn ein. Nach dieser Zeit war es für den alten Drummer ok, dass ich fix bei Seraphim anfange. Mittlerweile haben wir drei EP´s, ein Album und vier Videos aufgenommen.

Du sitzt seit Ende 2015 bei Timestone hinterm Drumset. Was gibt´s neues bei den Stonerrockern aus Linz?

Ich bin im Internet auf Timestone gestoßen, da mich dieses Genre sehr interessiert. Im Oktober war ich zum ersten Mal bei ihnen im Proberaum. Nach einer kurzen Jam und ein wenig Getratsche habe ich mich auf der musikalischen und persönlichen Ebene wirklich gut mit Chewie (Gitarre) und Felix (Bass) verstanden. Vorrangig ging es darum, die alten Nummern im Studio einzuspielen. Dabei konnte ich ein paar kleinere Äderungen vornehmen, das nahmen die beiden ganz gut auf. Wir haben eine Demo namens Abbadon veröffentlicht und arbeiten gerade an neuem Material.

Wie sieht der Entstehungsprozess von Songs bei Seraphim und Timestone aus?

Es ist im Grunde so, dass meist eine ungefähre Idee vorhanden ist und zu dieser gejammed wird. Wir können dann an den einzelnen Parts so lange feilen, bis uns das Ergebnis passt. Bei Timestone nimmt ein Recorder alles auf. Der Vorteil ist, dass wir das ganze Material abrufbereit haben. Nachteil ist der, dass die Aufnahmen sehr lang sind und meist nicht so gut klingen. Außerdem spielen, im Gegensatz zu Seraphim, bei den Jams meist nur zwei von drei Instrumenten. Dadurch können wir die Ideen besser konkretisieren.

Was steht in der Zukunft bei Timestone an?

Momentan arbeiten wir am Feinschliff unseres Albums Unspoken. Ansonsten stehen 4 oder 5 Gigs in Österreich an. Da ist es gut, dass Chewie in der Szene in Österreich Gott und die Welt kennt. Das macht die ganze Bookingarbeit um einiges leichter.

Interview: Stefan Dammerer
Foto: Seraphim

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