Rainer Schumich

Mit Pann Bay Bastards hast du diesen Sommer auf dem Nova Rock gespielt – das Highlight deines Festival-Sommers?

Auf jeden Fall! Wir haben ja auch echt darauf hingearbeitet. Bei der Gründung war unser Ziel eigentlich Nova Rock 2013. In diesem Jahr haben wir es dann geschafft. Allerdings auch wieder über Voting. Wir sind zwei Tage am Nova Rock herumgerannt und haben 5000 Flyer ausgeteilt, damit die Leute überhaupt checken, was da am nächsten Tag passiert. Dadurch hatten wir eine lässige Crowd vor der Bühne. Das haben wir davor bei anderen Festivals wie dem Sziget oder dem Picture On auch so gehandhabt. Aber es kostet natürlich einiges, sodass man darauf achten muss, CDs und T-Shirts zu verkaufen, um mit Null auszusteigen. Auf der anderen Seite hat es einen unschätzbaren Wert, wenn man in seiner Bandvita das Nova Rock oder das Picture On stehen hat und durch unseren Auftritt am RedBull Brandwagen sind wir einen Monat später aufs Glemmride in Saalbach gekommen, das war auch fett.

Wie organisiert ihr euch dabei als Band?

Pann Bay Bastards war ein Projekt, das einfach mit null Kapital im Keller entstanden ist. Wir haben extrem viele Gespräche geführt, bevor wir überhaupt einen Ton gespielt haben. Wir sind zusammengesessen und haben diskutiert, wo genau wir hin wollen und was das Ziel ist. Ich glaube, dass das eines der Geheimnisse von Bands ist, die lange zusammen bleiben: Dass sie von Anfang an genau wissen, was das Ziel ist. Wir wollen diese Songs, die wir selbst komponieren, an den Mann bringen und dafür nehme ich gerne in Kauf, dass ich von zwanzig Mal Spielen fünfzehn Mal keine Gage bekomme. Der Wert liegt in der Promotion. Wenn man auf einem kleinen Festl vor hundert Leuten oder in einem Wirtshaus spielt, dann verlangt man eben Gage, weil es wenig Publicity mit sich bringt. Da muss man eben abwägen. Das ist bei uns alles ganz genau festgelegt und in einem Konzept ausgearbeitet.

2011 wurde euer Beitrag auf GoTV zum beliebtesten Video gewählt. War das eine gewisse Initialzündung für euch?

In unserer Gründungsphase hat ein guter Freund von mir eine Marketingfirma gehabt und sehr viel gemacht mit uns: Positionierungsworkshops, Promotionstrategien und so weiter. Meine Bandkollegen haben sich damals gefragt, was der ganze Schmarren soll. Aber man muss das gleich am Anfang anpacken und wir haben uns immer gesagt: Wenn man etwas weiterbringen will, muss man 50 Mal größer denken als alle anderen. Wir haben uns zwei Jahre Zeit genommen, bevor wir das erste Mal auf die Bühne gegangen sind. Wir wollten einfach in jeder Hinsicht bereit sein. Dadurch wurde eben auch unser erstes Video zu „Under My Skin“ veröffentlicht, ohne dass uns davor jemand spielen gesehen hat. GoTV hat damals via Facebook-Voting das beliebteste Video gesucht und uns dann ganz baff kontaktiert und gefragt, wer wir denn überhaupt seien, da man nichts von und über uns findet, wir aber das Voting mit einem hochprofessionellen Video noch vor Kapazundern wie Marrok oder 3 Feet Smaller gewinnen. (lacht) Jetzt sind wir aber gerade in einer Phase, wo wir uns nicht so extrem ernst nehmen und hauptsächlich gut spielen wollen – wobei das eh die erste Voraussetzung ist, um eine gute Band zu sein. Mittlerweile halten wir es auch so, dass wir nur ein Voting pro Jahr mitmachen und sonst die Leute damit in Ruhe lassen. Es kann nämlich schon manchmal unangenehm sein, den Leuten nachzulaufen und sie zu nerven.

Du bist als Schlagzeuger sehr aktiv, während du Vollzeit in einer Bank angestellt bist. Wie lässt sich das für dich vereinbaren?

Es geht völlig ohne Probleme. Bei mir war ja die entscheidende Frage nach Matura und Bundesheer: Musikstudium, ja oder nein? Ich habe dann aber einen lässigen Job bekommen und mir gedacht, dass ich zuerst einmal arbeiten gehe. Erst war ich kurz bei einer Softwarefirma und dann bin ich zu einer Bank gekommen, wo ich bis heute als Kundenbetreuer arbeite. Aber natürlich gab es auch damals in meiner Freizeit nur Musik, Musik, Musik! Nach drei Jahren habe ich dann das Schlagzeuger-Casting bei SheSays gewonnen und bin in die Band aufgenommen worden. Mein damaliger Generaldirektor hat mich dankenswerterweise freigestellt. Zwei Jahre später hat sich SheSays aber aufgelöst und ich bin in der Folge wieder zu meinem Job in der Bank zurückgekehrt. Jetzt ist es eben so, dass sich alles sehr gut nebenbei ausgeht. Die meisten Gigs sind am Wochenende und wenn einmal etwas unter der Woche stattfindet, nehme ich mir frei. Ich habe mir gedacht: Okay, ich habe gesehen, wie es ist, hauptberuflich Musik zu machen und wie hart das sein kann. Mir hat das eben nicht so getaugt, vor allem was die finanzielle Sicherheit betrifft. Ich fühle mich wohler, wenn ich jeden Monat mein Gehalt am Konto habe und mir aussuchen kann, was ich spiele.

Aber du hast schon früh vorgehabt, zu studieren?

Es war ursprünglich mein Wunsch. Schon während meiner Schulzeit und vor allem beim Bundesheer. Ich habe dann aber mit ein paar Leuten geredet und mein damaliger Lehrer hat zu mir gemeint, dass mir bewusst sein soll, dass ich dort alle Schienen durchmachen muss, ob ich will oder nicht. Ich bin ja hauptsächlich ein Rockschlagzeuger und wollte schon immer nur in Rockbands spielen. Das hat mein Lehrer eben auch bemerkt und ich habe mich dagegen entschieden. Aber man kann darüber streiten, ob es gut ist oder nicht. Das musikalische Wissen und Können, das man sich dabei aneignet, ist natürlich enorm. Aber will man in einem Bereich überdurchschnittlich sein oder in allen Bereichen brauchbar sein? Das ist die entscheidende Frage. Im Fußball zum Beispiel gibt es auch keinen Spieler, der auf allen Positionen herausragend ist. Wenn man mich auf ein Cajon setzt, speibt man sich an – wenn man aber druckvolles Rockschlagzeug will, ist man bei mir richtig.

Wie hast du zu deiner Richtung gefunden?

Im Prinzip über die Musik, die ich gehört habe. Ich bin der Meinung, dass man nur die Musik gut spielen kann, die man mag. Man kann nicht rund um die Uhr nur Metal hören und dann behaupten, man sei ein toller Jazzdrummer. Ich bin über den damaligen Kapellmeister unseres Musikvereins auf Toto gestoßen und habe von vierzehn bis achtzehn fast nur Toto gehört. Dann auch sehr viel Red Hot Chili Peppers und in der Folge immer härtere Sachen – jetzt nicht direkt Metal, aber quasi „good old rock“. Ich muss ehrlich sagen, dass mir Texte zum Beispiel nicht so wichtig sind. Ich kann mir nur das anhören, wo mir das Schlagzeug taugt. Zur Zeit höre ich sehr gerne Korn – aber eher die neueren Sachen mit Ray Luzier. Am meisten ziehe ich mir aber Live-Mitschnitte von allen möglichen Bands rein. Ich kann mich erinnern, wie ich mir mit vierzehn noch die alten VHS-Kassetten von Jeff Porcaro und Vinnie Calaiuta reingezogen habe. Da hat man es mittlerweile mit dem Internet natürlich einfacher.

Wo hattest du deinen ersten Unterricht?

Bei einem Lehrer aus Tschechien, der in Oslip – ich komme ja aus Oslip im Bezirk Eisenstadt – privat unterrichtet hat. Danach bin ich in die Musikschule in Eisenstadt zu Anton Stricker gegangen. Mit achtzehn bin ich zu Martin Weninger gewechselt, bei dem ich auch letztes Jahr nochmal zur Auffrischung Unterricht genommen habe. Ich habe auch von klein auf im Musikverein gespielt und kurz sogar klassisches Orchester-Schlagwerk.

Du spielst meist mit zwei Bassdrums. Spielst du viel Doublebass oder dient das in erster Linie dem optischen Effekt?

Natürlich ist der optische Effekt auch wichtig, aber ich spiele schon viel Doublebass – meist aber nur bei den Fills, weniger bei den Grooves. Das mit den zwei Bassdrums variiere ich aber, weil ganz einfach das Herumtragen sehr mühsam ist. Aber es ist einfach ein anderes Feeling, wenn man zwei einzelne Pedale hat, das fällt mir leichter als das Spiel mit Doublebass-Pedal – gerade bei großen Bassdrums.

Spielst du immer große Dimensionen?

Schon, ja. Ein 16“ und 18“ Standtom, ein 12“ Hängetom und 24er Bassdrums. Aber auch bei den Becken spiele ich nur 18er und 19er Crashbecken, alles darunter taugt mir einfach nicht so. Ich dämpfe auch extrem wenig, weil ich mir denke, dass Tontechniker alles runterdrehen können, aber nichts herzaubern. Ich hatte fast immer das Glück, mit hervorragenden Technikern zusammenzuarbeiten. Ganz abgesehen davon sollte Rockmusik einfach laut sein.

Widmest du dich eigentlich die gesamte freie Zeit der Musik oder hast du auch noch andere Hobbies, denen du nachgehst?

Ich mache sehr gerne Sport, habe daheim eine kleine Kraftkammer und versuche mich fit zu halten. Ich bin jetzt nicht der Musiker, der sich den ganzen Tag lang zuhause im Proberaum einsperrt. Das war vielleicht auch ein weiterer Grund, wieso ich mich nicht fürs Studieren entschieden habe – weil ich eben kein extremer Über bin. Es soll einfach Spaß machen und das sehe ich bei all meinen Projekten so. Ich komme selten über 30 Gigs pro Jahr. Aber jetzt mit 32 Jahren ist es mir auch lieber, diese Gigs mit Freude zu spielen als unbedingt alles auf eine Karte zu setzen, um groß raus zu kommen. Da bin ich vielleicht einfach Realist und das Business habe ich ja während meiner Zeit bei SheSays bereits kennenlernen dürfen. Ich bin vielleicht dadurch auch ein bisschen vorbelastet, weil ich gesehen habe, wie schnell es vom einen auf den anderen Tag vorbei sein kann.

Bei welchen weiteren Projekten bist du jetzt gerade dabei?

Bis vor kurzem habe ich neben Pann Bay Bastards auch noch bei Ruben Dimitri, einem Sänger aus dem Burgenland, gespielt. Da bin ich jetzt nach zwei Jahren ausgestiegen. Dann war ich auch bei Chaos Drums dabei, ein Percussion-Ensemble im Stil von Stomp, das wir aber heuer nach acht Jahren beendet haben. Wir haben sehr viel gespielt in ganz Österreich, aber es geht sich einfach nur mehr schwer aus, weil uns quasi das Leben dazwischen gekommen ist und wir uns gedacht haben, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Im Oktober werde ich wieder bei Classic Meets Pop/Rock dabei sein, das heuer zum zweiten Mal in Oberpullendorf stattfindet. Dabei kommen ausgewählte Musiker uns Musikerinnen aus dem gesamten Burgenland als Band zusammen und es werden ehemalige Hits arrangiert. Da beginnen jetzt auch langsam die Vorbereitungsarbeiten. Aber mein Herzensprojekt sind natürlich die Pann Bay Bastards. Ich bin einfach ein totaler Bandmusiker. Ich könnte mir nie vorstellen, auf irgendeinem Drum-Festival zu sitzen und zu solieren. Aaron Thier, ein Freund von mir, kann das zum Beispiel. Ich bewundere das, aber es ist nicht mein Ding. Bei mir wäre eine Solo-Performance nach zwei Minuten vorbei. (lacht) Ich nehme mich heute auch nicht mehr ganz so ernst wie früher, ich will in erster Linie mit der Musik begeistern. Da war ich früher viel verbissener.

So eine Phase der Verbissenheit braucht man aber auch oder?

Natürlich, das braucht man. Bei Pann Bay Bastards war auch wichtig, dass wir vor vier Jahren extrem viel gearbeitet haben an unserer Band. Irgendwie bin ich mit der Zeit aber draufgekommen, dass vieles leiwander rennt, wenn man ein bisschen den Druck raus nimmt. Auf der Bühne allerdings gebe ich durchgehend Vollgas und das ist, denke ich, was mein Spiel am meisten ausmacht. Ich sag immer: „Die Bassdrum muss dir ans Herz gehen und die Snare muss dir den Scheitel ziehen!“

 

Interview: Moritz Nowak

 

Foto: Támas Künsztler

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