Christopher Stritzki

Du spielst dieses Wochenende am Donauinselfest. Ist es dein erstes Mal auf der Insel?

Nein, ich habeschon öfters hier gespielt. Diesmal wird es ein Überraschungsgig auf der Ö3-Bühne, ich weiß selbst noch nicht, wie es aussehen wird und mit wem ich dann tatsächlich spielen werde. Ich freue mich aber einfach schon darauf, wieder auf einer großen Bühne zu spielen und mit der Band richtig abzugehen. Jedenfalls habe ich 2008 bereits am Donauinselfest gespielt, damals ebenfalls mit meinem Vater, Henry Stritzki, auf der Countrybühne. Da waren wir auch die einzige Band, die auf 3Sat übertragen wurde. Nächstes Jahr bin ich dann übrigens wieder dabei, es ist bereits alles ein Jahr vorausgebucht bei mir. Für nächstes Jahr ist wahrscheinlich ein Auftritt mit Reinhard Fendrich geplant.

Mit Reinhard Fendrich hast du ja schon öfters gespielt oder?

Ich kenne ihn schon seit ich etwa zehn Jahre alt war. Der Freund meiner Mutter, der leider verstorben ist, war Backliner bei ihm und hat mich damals, als ich Vierzehn war, gefragt, ob ich nicht einspringen möchte, da sich der etatmäßige Schlagzeuger verletzt hatte. Das war in München auf dem Tollwood Festival und da bin ich dann quasi einfach hineingeschmissen worden. Ich habe dann natürlich auch Fehler gemacht, aber das gehört ja dazu, da merkt man, dass es live ist.

Warst du sehr nervös beziehungsweise hast du dich überhaupt schon halbwegs bereit gefühlt dafür?

Ich war total fertig mit den Nerven, habe Backstage vorm Auftritt gezittert und bin sogar in Tränen ausgebrochen. Aber die Soundtechniker sind auf mich eingegangen und die Musiker sind alle her zu mir und haben mir gut zugeredet. Tja und dann ab auf die Bühne und eineinhalb Stunden gespielt, wobei ich danach natürlich total fertig war und weinend zusammengebrochen bin. Aber es war eben meine erste riesige Show vor circa 20.000 Leuten und dadurch auch ein irrsinnig geiles Gefühl.

Hast du die Songs bereits gekannt davor?

Ich habe alle auswendig gekannt, da ich ja immer mit dabei war. Im Tourbus, im Backstagebereich, beim Essen. Einmal sind Reinhard und ich zu zweit Essen gegangen und haben geplaudert und er hat zu mir gesagt: „Irgendwann, wenn du älter bist, spielst du dann für mich“. Das ist dann halt schon mit vierzehn passiert. (lacht) Aber es war definitiv ein toller Gig und er hat sich nach der Show zu mir gewandt und gemeint: Definitiv wieder! Das war quasi mein kleiner Durchbruch. Er hat mich dann in der Folge öfters angerufen, wenn ich einspringen sollte. Für mich war das super, mit so guten und bekannten Musikern zu spielen. Was ich dabei aber vor allem gelernt habe: Die Leute sind vollkommen normal und bodenständig und das ist auch sehr wichtig, denn ich habe selbst auch eine Phase gehabt, in der ich überheblich war durch den jungen Erfolg, aber so etwas gehört wohl auch einmal dazu. Das habe ich zum Glück wieder abgelegt.

Hast du dann regelmäßig für ihn gespielt?

Ich habe immer wieder Termine mit ihm gespielt, mal kleinere Clubs, mal größere Bühnen und auch auf Tour. Mit fünfzehn habe ich dann meine ersten Endorsements bekommen und eine Auszeichnung als jüngster Profi-Schlagzeuger in Europa. Man sammelt dann einfach viele Kontakte und so führt eines zum anderen und man wird weiterempfohlen. Du bist dann drin und wenn du drin bist in der Szene, dann bist du einfach dabei und dein Name spricht sich herum. Aber es macht einfach Spaß und es ist mein Leben.

Wann hast du begonnen, intensiver Schlagzeug zu spielen, hast du von Anfang an auf den Erfolg hingearbeitet?

Meine Vorgeschichte zum Schlagzeugspielen ist eigentlich eine recht lange. Ich bin jetzt neunzehn und spiele seit ich drei war. Mit fünf hatte ich den ersten Unterricht und mit sieben bin ich bereits zum ersten Mal mit meinem Vater auf der Bühne gestanden. Die ersten bezahlten Gigs mit meinem Vater habe ich dann mit elf gespielt. Ab vierzehn ging es dann, wie gesagt, bergauf. Durch die ganzen Endorsements, Kontakte und die ersten Workshops haben mich dann schon einige Leute gekannt und das war ein cooles Feeling, aber, wie bereits erwähnt, ging das bei mir dann leider mit einer gewissen Abgehobenheit einher.

Aber es ist ja auch sicherlich schwer, in dem jungen Alter mit plötzlichem Erfolg umzugehen.

Ja genau, es ist wirklich sehr schwer und ich bin auch dagehockt und habe auf einmal gemeint, ich sei der Größte, was natürlich ein Scheiß ist, denn ich bin im Grunde nur der Begleiter für die Band oder den Künstler. Aber ich habe mich wieder gefangen und bin inzwischen recht normal, glaube ich. (lacht)

Hat sich durch das Fangen und auf den Boden kommen deine Perspektive geändert und damit auch deine Ziele?

Also ich habe sehr viele Freunde im Musikerkreis und die haben mir geholfen und oft gesagt: Come down! Ich habe mir nämlich auch einige Dinge kaputt gemacht damit und mich dann bei vielen entschuldigt. Für mich selbst habe ich gemerkt, dass ich einfach sehr gerne Songs schreibe am Klavier oder an der Gitarre und mir das auch sehr viel gibt. Das war dann eine andere Ebene, auf der ich mich auch erst profilieren musste.

Hast du damit weitere Pläne?

Ich möchte jetzt auf jeden Fall weiterhin viele Songs schreiben, auch aufnehmen und Freunde fragen, ob sie drauf spielen möchten.

Wie bist du überhaupt zum Schlagzeug gekommen, war dein Vater hier entscheidend?

Ich rede mit meinem Vater immer wieder mal darüber und er kann sich erinnern, wie er in seinem Büro gesessen ist und ich derweil im Wohnzimmer immer die Polster von der Couch heruntergerissen und darauf herumgeklopft habe. Ich habe damals irgendein Musikvideo mit Dave Weckl gesehen und bin zu meinem Vater gegangen und habe gemeint, ich möchte Schlagzeug spielen. Wir hatten daheim wirklich jedes Instrument, aber was wir nicht hatten, war ein Schlagzeug. (lacht) Jedenfalls habe ich dann zu Weihnachten ein Kinderschlagzeug bekommen und konnte offenbar gleich einen Beat spielen. Mit acht habe ich dann mein erstes richtiges Set bekommen, mit dem ich auch meine ersten Gigs gespielt habe. Mein Lehrer hat mich sehr gelobt und das hat mir einen gewissen Adrenalinschub gegeben und ich habe dann jeden Tag nach der Schule stundenlang geübt.

Dein Weg hat dich dann ans Drummer’s Focus in München geführt.

Genau, dort hatte ich unter anderem bei Klaus Engel – ein guter Freund von mir und ein brillanter Schlagzeuger – Unterricht und der hat mir sehr viel beigebracht. Ich gebe es aber offen zu: Ich habe Notenprobleme, also ich kann nicht wirklich alles vom Blatt spielen. Allerdings möchte ich das auch gar nicht unbedingt können, weil ich immer schon alles sofort spielen konnte, wenn ich es mir nur angehört habe. Das hat meine Lehrer eben immer beeindruckt und vom Drummer’s Focus habe ich in anderer Hinsicht einfach sehr viel mitgenommen und die Lehrer haben es mir ermöglicht, meine Unterrichtszeiten sehr flexibel zu gestalten, was wichtig war für mich, als ich dann schon viel unterwegs war. Aber ich habe vieles an Technik gelernt und auch gelernt, Beats zu spielen. Viele spielen ja sehr viel zwischendrin, aber ich habe gerade in meinem Bereich – also Soul, RnB, Funk, Hip Hop und Pop – gelernt, Sachen auf den Punkt zu bringen.

Ich habe mittlerweile aber auch ein gewisses Markenzeichen, wenn man so will und zwar bin ich sehr sehr laut. Wobei ich ganz allgemein drei verschiedene Techniken habe: Spiele ich in einem kleinen Jazzclub, so spiele ich aus den Gelenken, bei etwas größeren Dingern, wie im Studio zum Beispiel, spiele ich aus dem Ellenbogen beziehungsweise dem Unterarm und auf großen Open-Air- oder Stadion-Bühnen spiele ich dann wirklich aus den Schultern mit den ganzen Armen. Was bei mir auch noch ein Markeneichen ist, ist der allererste Schlag auf der Bühne, welcher bei mir immer der lauteste Schlag des Abends ist. Das ist einfach durch den zusätzlichen Adrenalinschub, den ich bekomme, wenn ich die Bühne betrete. Da hole ich dann wirklich von unten aus und schlage voll ein. Da leiden dann oft die Becken darunter, aber dafür bekommen sie danach ein Bussi von mir. Nur der Papa will seither nicht mehr mit mir spielen, weil ihm das zu laut ist. (lacht)

Hast du das laute Spiel aus den Schultern für dich selbst entdeckt oder es nach einem bestimmten Vorbild gezielt gelernt?

Gewisse Freunde von mir, wie zum Beispiel Flo Dauner oder auch Mark Schulmann von Pink, der auch richtig laut spielt, machen das. Von denen habe ich irgendwie gelernt, aus den Schultern zu spielen. Thomas Lang wäre auch ein Beispiel dafür. Technik und Beats lernt man ja im Unterricht, aber richtig auf der Bühne eine Show zu liefern, ist etwas ganz anderes.

Wie hast du dich stilistisch Entwickelt zu dem Stil, den du jetzt spielst?

Ich habe durch meinen Vater eher im Country- und Rock-Bereich angefangen und habe mit der Zeit erkannt, dass Funk und RnB eher mein Ding ist. Wenn ich mit meinem Vater spiele, dann bringe ich auch oft solche Elemente rein. Ich war halt schon immer Fan von Tower Of Power oder auch Beyonce und das schwingt immer bei meinem Spiel mit. Aaron Spears war da immer auch ein großes Vorbild und ist einfach ein geiler Schlagzeuger.

Du hast bereits viel mit Reinhard Fendrich gepielt, in letzter Zeit auch mit dem DsdS-Zweiten Daniele Negroni und beides erfolgreich vor sehr vielen Leuten. Wie sehen deine weiteren Ziele für die nächsten Jahre aus?

Mit Daniele Negroni habe ich auch kleinere Clubgigs gespielt. Wir wollten einfach einmal schauen, wie es läuft und es ist dann bald recht erfolgreich geworden. Aber wie es dazu gekommen ist, ist ganz lustig, weil ich mit meiner Mutter im Steakhouse essen war, wo er zufällig auch gesessen ist und nachdem wir ins Gespräch gekommen sind, haben wir beschlossen, dass ich für ihn spiele. Das war dann aber wieder eine ganz eigene Welt mit den tausenden von Teenagern als Fans, eine besondere Erfahrung. Aber ganz allgemein kann ich sagen, dass ich mein größtes Ziel – in Europa zu spielen und bekannt zu sein – erreicht habe. Weltweit bekannt sein möchte ich eigentlich gar nicht unbedingt. Wenn es passiert, okay. Aber wirklich ganz groß rauszukommen, ist nicht mein Wunsch. Ich bleibe nämlich schon gerne daheim bei meiner Freundin, meinem Hund und meiner Familie, da möchte ich nicht monatelang weg sein. Vor allem meine Freundin ist ja auch ein riesiger Rückhalt für mich, sie würde wahrscheinlich sogar monatelang auf Welttournee mitkommen. (lacht) Jedenfalls ist mir das sehr wichtig, auch viel daheim sein zu können.

Du gibst seit einiger Zeit auch Workshops, hast du dabei immer ein bestimmtes Konzept oder gestaltest du den Inhalt immer spontan nach dem jeweiligen Publikum?

Ich gestalte das eigentlich immer spontan. Ich will dabei einfach auch zeigen, wie man sich auf der Bühne verhalten muss und wie man technisch damit umgeht – wie zum Beispiel das Spielen aus den Schultern. Was ich aber definitiv immer anspreche, ist das Üben. Das ist einfach extrem wichtig und es gibt leider viele, die sich nicht reinhängen und genug motivieren können, zu üben. Ich habe auch vor, in den nächsten Jahren eine DVD zu machen, auf der ich einige Inhalte weitergeben kann, zum Beispiel auch zum Spielen im Studio oder einfach auch über den ganzen Ablauf hinter den Kulissen auf Tour und auf der Bühne. Das sind alles Dinge und Infos, die interessant und wichtig sein können für angehende Schlagzeuger.

 

Interview: Moritz Nowak

 

Weiteres zu Christopher Stritzki:

www.christopherstritzki.de

Beiträge zum Stöbern